Nach UK-Wahl: Börsen bekommen leichten Aufwind

Das Wahlergebnis in Großbritannien hat die Weltbörsen nicht - wie manchen Experten befürchtet - auf Talfahrt oder gar in einen Börsencrash geschickt. Das Gegenteil ist der Fall: die Börsen nehmen trotz Wahlfiasko der konservativen Premierministerin Theresa May und dem nun folgenden "hung parliament" Anlauf auf Rekordkurse.

Nach UK-Wahl: Börsen bekommen leichten Aufwind

Börse ist mal so, dann mal wieder anders. Sogenannte Experten waren vor dem Votum der Briten sogar davon ausgegangen, dass eine Wahlniederlage der konservativen britischen Premierministerin Theresa May zu einem Börsencrash führen könnte. Der Wahlpoker ist für May nicht aufgegangen. Mays Wahlfiasko ist fix. Der Börsencrash blieb dennoch aus. Die May-Freunde haben sich geirrt.

Ganz das Gegenteil ist nun eingetreten. Trotz Wahlsieg der Labour-Party unter Jeremy Corbyn zeigen die Börsen eine positive Entwicklung. Die Indices gehen sogar auf Rekordkurs. Kurz vor Beginn der Brexit-Verhandlungen steht May zwar vor einer komplizierten Regierungsbildung, die Börsen reagierten aber positiv auf das Ergebnis, denn Anleger erwarten nun mittelfristig einen "weichen" Brexit und erfolgreiche EU-Austrittsverhandlungen.

Einzig: Das Pfund Sterling rutschte am Freitag um bis 2,3 Prozent auf 1,2651 Dollar ab. Die Aktienkurse gehen in Richtung Rekordhoch.

Die europäischen Aktienmärkte haben am Freitag nach dem überraschenden Ausgang der britischen Parlamentswahlen zugelegt. Der 50 führende Unternehmen der Eurozone umfassende Euro-Stoxx-50 stieg um 2,95 Einheiten oder 0,08 Prozent auf 3.566,83 Punkte.

Der DAX in Frankfurt notierte gegen 12.45 Uhr mit 12.773,54 Punkten und plus 59,96 Einheiten oder 0,47 Prozent. Der FT-SE-100 der Börse London stieg um 48,72 Zähler oder 0,65 Prozent und steht nun bei 7.498,70 Stellen. Die Wiener Börse hat am Freitag im Mittagshandel weiter höher tendiert. Der ATX wurde um 12.00 Uhr mit 3.188,50 Punkten errechnet, das ist ein Plus von 14,87 Punkten bzw. 0,47 Prozent.

Für den Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer ist nun völlig offen wie die nächste britische Regierung aussehen wird, auch Neuwahlen hält er für möglich. "Aber eines ist sicher: Der harte Brexit wurde gestern abgewählt", so der Experte. Eine Einigung mit der EU sei damit auf längere Sicht wahrscheinlicher geworden.

Unter den größten Gewinnern im Euro-Stoxx-50 fanden sich zu Mittag Aktien der Airbus Group mit einem Plus von 1,55 Prozent. Der Flugzeugbauer rechnet in den nächsten 20 Jahren mit einem weiter steigenden Bedarf an Verkehrsjets. In den Jahren 2017 bis 2036 würden weltweit voraussichtlich 34.899 neue Passagier- und Frachtflugzeuge benötigt, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Präsentation von Airbus-Verkaufschef John Leahy. Das sind 1.829 Maschinen mehr als vor einem Jahr vorhergesagt.

Gut gesucht waren in London Aktien von Minenwerten wie Fresnillo (minus 4,77 Prozent) und Randgold (minus 2,47 Prozent). Stark unter Druck kamen hingegen Aktien der Bankwerte Lloyds (minus 1,67 Prozent) und der Royal Bank of Scotland (minus 2,86 Prozent), zwei Banken, die besonders stark im heimischen Markt engagiert sind. Die Analysten von Bernstein Research verwiesen auf die Unsicherheit mit Blick auf die anstehenden Brexit-Verhandlungen und den konjunkturellen Ausblick.

Die Vorgabe aus Fernost

In Asien und Australien haben die Börse die Richtung für die Börsen in Europa vorgegeben nachdem sich das Wahlfiasko von May abgezeichnet hatte. Die Leitbörsen in Fernost haben dennoch wenig verändert geschlossen. Der Nikkei-225 Index in Tokio stieg um 104,00 Zähler oder 0,52 Prozent auf 20.013,26 Punkte. Der Hang Seng Index in Hongkong ermäßigte sich um 32,77 Zähler oder 0,13 Prozent auf 26.030,29 Einheiten. Der Shanghai Composite befestigte sich leicht um 8,07 Punkte oder 0,26 Prozent auf 3.158,40 Punkte.

Auch die Märkte in Indien und Australien bewegten sich leicht im Plus. Der Sensex 30 in Mumbai tendierte zuletzt bei 31.262,06 Zählern mit plus 48,70 Punkten oder 0,16 Prozent. Der All Ordinaries Index in Sydney befestigte sich minimal um 0,7 Zähler oder 0,01 Prozent auf 5.715,50 Einheiten.

Die Wahl in Großbritannien sorgte zwar für Unruhe unter den Anlegern, die derzeit bereits mit zahlreichen politischen Risiken wie in den USA kalkulieren müssen. Die direkten Auswirkungen auf die Börsen in Fernost hielten sich aber in Grenzen.

"Die Märkte stellen sich nun darauf ein, dass die Verhandlungen für den Brexit erschwert werden", sagte Chef-Wirtschaftsberater der Allianz, Mohamed El-Erian. Die Frage sei auch, wie lange sich May als Premierministerin nach diesem Wahlergebnis noch halten könne, gab Analyst Michael Hewson von CMC Markets zu Bedenken.

Tagesgewinner im Nikkei waren Tokai Carbon mit einem Plus von 8,51 Prozent. Stark gesucht waren auch Softbank-Aktien und gewannen 7,43 Prozent, nachdem das Unternehmen die Übernahme einer Roboterfirma von der Google-Mutter Alphabet bekanntgegeben hatte.

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