Nach Snap: Spotfiy vor der nächsten Milliarden-Show

Spotify CEO Daniel Ek speaks during a press event in New York

Heuer könnte an der New York Stock Exchange die Musik aufspielen: Der 34jährige Spotify-Gründer Daniel Ek könnte mit seinem Musikdienst Kasse machen.

Der Börsegang von Snap hat das Vermögen der beiden Gründer um rund 5,6 Milliarden Dollar erhöht. Während die New York Stock Exchange noch immer das furiose Debüt von Snap feiert, sind weitere Börsekandidaten der IT-Branche bereits in Lauerstellung.

Die Zeit für neue Börsengänge scheint offenbar optimal zu sein, obwohl die Zinsen langsam aber sicher steigen werden, was für Aktien eigentlich nicht gut ist und Anleger somit mehr auf Anleihen spekulieren. Dennoch: Nach dem Börsendebüt von Snap gibt es mindestens fünf Kandidaten, die heuer noch an die Börse gehen könnten. Oder wollen.

SPOTIFY

Aussichtsreicher Kandidat ist die schwedische Musik-Streaming-Platform Spotify. Das Management hat erst kürzlich das Team aufgestockt und das US-Headquarter im neuen World Trade Center bezogen. Alleine 1000 Mitarbeiter sind dort eingezogen. Kurz vor Jahresschluss hat das Unternehmen noch den Cloudanbieter Preact übernommen. Das Unternehmen soll zusätzlich helfen, die gut 30 Millionen digital abgespeicherten Musiktitel zu verwalten und für die reibungslose Zustellung und das technische Management sorgen.

Just am Tag nach dem erfolgreichen Börsengang von Snap hat sich Spotify heute außerdem in Erinnerung gerufen. Und eine Duftmarke gesetzt: 50 Millionen Nutzer zählt das Unternehmen, die für Musik via Internet an Computer, Smartphone oder Tablett-Computer ein zahlungspflichtiges Musik-Abo gebucht haben. Binnen Jahresfrist hat das das in Stockholm gegründete Unternehmen somit seine Abo-Kundschaft um gut 20 Millionen Nutzer erhöht. Insgesamt zählt Spotify rund 100 Millionen Nutzer. In 60 Ländern ist der Musik-Streaming-Dienst nutzbar. Für das zahlungspflichtige Premium-Angebot zahlen Nutzer in Österreich nach einem Probemonat 9,99 Euro pro Monat. Hauptkonkurrent Apple bringt es eigenen Angaben zufolge auf 20 Millionen zahlende Abonnenten (Dezember 2016).

Das Geschäftsmodell der beiden Schweden Daniel Ek (34) und Martin Lorentzon (47), die im Jahr 2006 das Unternehmen gegründet haben, bringt offenbar langsam aber sicher die erhofften Erträge. Und auch die Belegschaft wächst. In den insgesamt 60 Ländern sind nun über 2000 Mitarbeiter beschäftigt.

Zu Beginn hatte Spotify seine Musik wie auch heute mit einem Gratisangebot gelockt, um den Kunden aber auch auf das zahlungspflichtige Premium-Modell zu bringen. Dank leistungsfähiger Internet-Breitbandzugänge zuhause und im Mobilfunk, kann die Musik auch via mobile Endgeräte genutzt werden. Die Verbreitung von Smartphones hat zusätzlich dem Abo-Modell einen weiteren Schub gegeben.

Fast alles im roten Bereich

Fragezeichen gibt es bei dem Privatunternehmen noch bei den Kennzahlen - wie etwa Gewinn, Umsatz und vor allem auch bei der Bewertung. Im Juni 2015 wurde Spotify mit 8,2 Milliarden Dollar (7,3 Milliarden Euro) bewertet. Der schwedische Telekomanbieter Telia hatte sich damals im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit 1,4 Prozent an Spotify beteiligt. Die Beteiligung hat Telia 115 Millionen Dollar gekostet.

Die jüngsten Nutzerzahlen dürften die Bewertungen von Spotify weiter nach oben treiben. Experten gehen bereits davon aus, dass Spotify bei der Bewertung schon locker über 10 Milliarden Euro wert sein dürfte.

Was freilich auch den vielen "Big Spender" gefallen dürfte. An Spotify sind neben den beiden Gründern mehrere Finanzinvestoren beteiligt, die bis zum Vorjahr gut 1,6 Milliarden Euro zugeschossen hatten. Im März des Vorjahrs habe laut "Wall Street Journal" der Finanzinvestor TPG, der Hedge Funds Dragoneer Investment Group sowie Kunden der Goldman Sachs Group eine Milliarde Dollar als Kredit nachgeschossen.

Geldgeber und zum Teil Anteilseigner sind außerdem Coca Cola, Fidelity Investments, Morgan Stanley, Credit Suisse und Deutsche Bank neben Telia, Goldman Sachs und den beiden Gründern.

Die Finanzinvestoren Kleiner Perkins Caufield & Byers und DST Global haben laut "New York Times" bereits im Jahr 2011 gut 100 Millionen Dollar investiert. Letztere waren auch Start-up-Finanzierer bei Snap.

Die Milliarden-Show

Das Unternehmen dürfte trotz beträchtlicher Steigerung der Nutzerzahlen noch immer Verluste anschreiben. Die Infrastruktur und vor allem Zahlungen an die Künstler sind für das Unternehmen teuer.

Alleine an Tantiemen hat das Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren 5 Milliarden Euro überwiesen. Die insgesamt 100 Millionen Nutzer haben laut Spotify zwei Milliarden Playlists.

Im Jahr 2015 hat Spotify noch einen Verlust von 173 Millionen Euro angeschrieben, was um sieben Prozent mehr war als noch im Jahr 2014. Der Umsatz wurde hingegen um rund 80 Prozent auf rund 1,95 Milliarden Euro gesteigert.

Uber, Airbnb, Dropbox & Co

Weitere Kandidaten im Rennen um das große Geld der Börse sind heuer der Taxidienst Uber, die Vermietungsplattform Airbnb und der Cloud-Speicherdienst Dropbox. Aber auch der chinesische Fahrdienstanbieter Didi Chuxing, an dem Apple mit vier Prozent beteiligt sein soll, könnte heuer noch in New York die Börsenglocke läuten. Das Weltraumunternehmen SpaceX von E-Autopionier und Tesla-Chef Elon Musk wird ebenso als Kandidat gehandelt. Letzterer dürfte aber heuer noch nicht den Gang zur Börse wagen.

Die Börsenchefs hatten ob des furiosen IPO von Snap gejubelt. Spotfiy gilt jedenfalls als der heißeste IPO-Kandidat.

Auf die höchste Bewertung kommt derzeit Uber mit rund 68 Milliarden Dollar. Auch bei Uber haben Investoren bereits Milliardenbeträge nachgeschossen. Das Unternehmen schreibt aber noch immer tiefrote Zahlen.

Dem Taxidienst Uber sowie der Vermietungsplattform Airbnb bläst indes eine steife Prise entgegen. Mit ihren Geschäftsmodellen bringen sie die etablierten Taxidienste sowie der private Vermieter von Zimmern, Pensionsunterkünften und mittlerweile von Hotelzimmern in die Bredouille.

Beide müssen sich den Vorwurf erwehren, dass sie unter anderem die in Gewerbeordnungen festgelegten Regeln umschiffen. Sowohl Uber als auch Airbnb wird zudem vorgeworfen, dass ihre Dienstleister zur Steuerhinterziehung ermuntern, weil sie für die erbrachten Dienste keine Steuern oder verkürzte Steuerzahlungen erbringen.

Mit Spannung blickt man aber auch zum Fahrdienstanbieter Gett, bei dem VW im Vorjahr mit einem Minderheitenbeteiligung eingestiegen ist. Auch bei Gett scheint ein Börsegang möglich, um sich die Milliardenbeträge von der Börse zu holen, die für ein rasches, globales Wachstum notwendig ist

Apropos Snap: Der Kurs hat nach dem Debüt am Donnerstag mit einem Anstieg von fast 50 Prozent am Freitag einmal mehr zulegen können.Am zweiten Tag der Notierung legten die Papiere zwischenzeitlich um bis zu 15 Prozent zu. Der Börsenwert des Unternehmens hat in den beiden Tagen nach der Erstnotierung um 13 Milliarden Dollar auf rund 34,7 Milliarden Dollar erhöht.

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