Mit neuen Biotech- und Pharma-Blockbustern an der Börse verdienen

Mit neuen Biotech- und Pharma-Blockbustern an der Börse verdienen

Die Biotech- und Pharma-Branche ist nach einer Übernahmewelle, neuen Blockbustern und der Hoffnung auf deutlich raschere Medikamentenzulassungen in den USA in der Trump-Ära, im Aufwind. Die Aktien sind nach wie vor günstig. Welche Aktien und Fonds sich für ein Investment anbieten.

Der weltweite Aktienindex MSCI für Werte aus der Pharma und Biotechbranche (MSCI World Pharmaceuticals, Biotechnology and Life Sciences Index) ist im Vorjahr um fast zehn Prozent eingebrochen. 2013 war der Kurs noch um knapp 39 Prozent gestiegen, im Jahr darauf um mehr als 16 Prozent.

Danach folgte im Jahr 2015 eine Konsolidierung der Branche. Zu den großen Übernahmen zählt zuletzt die Ende Januar der vom Pharmakonzern Johnson & Johnson (ISIN US4781601046) angekündigte Kauf des Schweizer Biotechnologieunternehmens Actelion Pharmaceuticals (ISIN CH0010532478) um 30 Milliarden Dollar.

Überdurchschnittlich viele Neuzulassungen von Medikamenten erwartet

Nun verspüren Biotech-Firmen, die größten davon sind in den USA beheimatet, wieder Aufwind. „Die gesamte Biotechnologie-Branche profitierte davon, dass in den USA die Abschaffung von „Obamacare“ zurückgewiesen wurde“, erklärt die Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech in einer Analyse.

Die Folge: Die Zahl der Medikament-Neuzulassungen dürfte 2017 weiter deutlich steigen, nachdem im vergangenen Jahr die Anzahl der Zulassungen durch die US-Arzneimittelbehörde FDA unüblich niedrig ausfiel. "Da die FDA heuer bis Ende Mai schon 21 Medikamente zugelassen hat, ist zu erwarten, dass 2017 die Zulassungszahl über den durchschnittlich schon hohen 36 jährlichen Zulassungen des Zeitraums 2011 bis 2015 liegen wird", so Mario Linimeier, Healthcareanalyst bei Medical Strategy.

Die Branche atmet auch nach kritischen Ankündigungen von Hillary Clinton im US-Wahlkampf auf. Sie hatte stärkere staatliche Regulierungen in der Branche angekündigt.

Aktien großer US-Biotechkonzerne im Schnitt um 30 Prozent unterbewertet

Der MSCI World Healthcare Index stieg im ersten Quartal in Dollar um 8,7 Prozent, der NASDAQ Biotech Index (NBI) legte um 10,8 Prozent zu. Trotzdem liegt der Nasdaq Biotech-Index noch 30 Prozent unter dem Niveau von Mitte 2015. Dem steht unter anderem gegenüber, dass die Wahrscheinlichkeit hinsichtlich größerer negativer Veränderungen im US-Gesundheitssektor zurückgegangen ist.

Potenzielle Blockbuster-Pipeline

Die Phantasie der Anleger beflügeln vor allem Medikamente, die neu zugelassen werden. Potenziell bahnbrechende Technologien, die den Biotech-Boom bis Mitte 2015 angetrieben haben, stehen nun kurz vor der Vermarktung. Diese könnten die Umsätze der Pharma-Konzerne um Milliarden Dollar in die Höhe treiben.

Unter den Neuzulassungen, denen ein Jahresumsatz von über einer Milliarde Dollar vorhergesagt wird, befinden sich rund 50 Prozent Biotech-Produkte. Darunter das Hautkrankheitspräparat Dupixent von Sanofi (ISIN FR0000120578), der Multiple-Sklerose-Wirkstoff Ocrevus von Roche (ISIN CH0012032113) oder das Blasenkrebs-Medikament Durvalumab von AstraZeneca (ISIN GB0009895292).

Die Biotech-Unternehmen Incyte und Ionis berichteten ebenfalls über erfolgreiche Studien, bei denen noch im Jahr 2017 weitere Ergebnisse erwartet werden. Kite Pharma und Esperion Therapeutic melden ebenso positive Ergebnisse und Zulassungen der amerikanischen Gesundheitsbehörde.Vertex Pharmaceutical veröffentlichte positive Daten über eine Therapie mit signifikant verbesserter Verträglichkeit bei Mukoviszidose-Patienten. Für die zweite Jahreshälfte werden weitere Studien erwartet.

„Große Biotech-Konzerne stehen vor der Einführung von Blockbuster-Medikamenten“, erklärt Harald Kober, Fondsmanager des Espa Stock Biotec (ISIN: AT0000746755). Der Fonds erzielte in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt eine Performance von 19,5 Prozent pro Jahr und zählt damit zu den Top 5 in Österreich zugelassenen Biotech-Fonds. Seit Jahresbeginn liegt der Fonds mit 7,6 Prozent im Plus. Das Risiko, das der Fonds dafür eingeht, ist den Fondsanalytikern von Morningstar zufolge jedoch hoch.

Der Espa Stock Biotec ist derzeit unter anderem in Aktien der US-Pharmafirma Gilead (ISIN US3755581036) investiert. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren Umsatz und Gewinne durch hohe Einkünfte mit den wegen ihres hohen Preises kritisierten Hepatitis-C-Präparaten Sovaldi und Harvoni in die Höhe getrieben. Vize-Chef des Konzerns ist übrigens der österreichische Biochemiker Norbert Bischofberger.

Riesengeschäft mit Krebs-Pillen

Der größte und der am schnellsten wachsende Forschungsbereich im Gesundheitssektor ist die Onkologie. Wer als Investor auf diesen Trend setzen will, sollte Aktien wie Roche (ISIN CH0012032113) , Bristol-Myers Squibb (ISIN US1101221083), Merck & Co (ISIN DE0006599905), Celgene (ISIN US1510201049) oder Novartis (ISIN CH0012005267) genauer unter die Lupe nehmen. Große Player auf diesem Gebiet sind auch Incyte, Tesaro, Kite Pharma oder Juno Therapeutics.

Aufbauend auf den Fortschritten in der molekularbiologischen Forschung stehen heute zielgerichtete Therapien im Mittelpunkt, die direkt an den Zellen ansetzen. Als Quantensprung in der Krebstherapie gilt die Immuntherapie, die das menschliche Immunsystem nutzt, um Krebs zu bekämpfen. Klassische Verfahren wie Strahlen- oder Chemotherapie verlieren dagegen aufgrund zunehmender Resistenzen und der hohen Nebenwirkungen an Bedeutung.

60+ Bevölkerung vor Verdoppelung

Längerfristig dürfte die Branche auch vom starken Anstieg des Bevölkerungswachstums in den Emerging Markets und der damit verbundenen Zunahme der Menschen über 60 Jahren, weltweit soll der Anteil auf rund zwei Milliarden Menschen steigen, profitieren. „Die Regierungen beispielsweise in Indien und China pumpen schon jetzt viel Geld in den Gesundheitssektor, um hier gegenzusteuern. Insbesondere kostengünstige Arzneimittel haben große Chancen", so Ingo Grabowsky, Healthcare-Experte von Lacuna, die den Lacuna – BB Adamant Asia Pacific Health Fonds (ISIN: LU0247050130) auflegen.

Hinzu komme die massive Ausbreitung chronischer Krankheiten wie Übergewicht und Diabetes durch die Übernahme des ungesunden westlichen Lebensstils. Espa Stock Fondsmanager Kober dazu: „Die Zahl der Abnehmer von Medikamenten, etwa gegen Krebs, wird entsprechend steigen." Zuwächse versprechen außerdem neue Präparate zur Therapie von einigen der bisher stiefmütterlich behandelten rund 1.200 der sogenannten "Orphan Diseases" oder "Seltenen Krankheiten", die in der EU weniger als fünf von 10.000 Einwohner oder weniger als 228.000 Patienten betreffen.

Billige Biosimilars-Produzenten bieten hohe Wachstumschancen

Der Fonds des deutschen Healthcare-Investors Lacuna setzt speziell auf ein dynamisches Wachstum sogenannter Biologika. Das sind Arzneistoffe, die mit Mitteln der Biotechnologie und gentechnisch veränderten Organismen hergestellt werden. Sie machen bereits heute ein Fünftel des globalen Marktes aus, dementsprechend gewinnen auch Biosimilars, die Kopien der Original-Biologika an Bedeutung. Viele Patente laufen nämlich in den kommenden Jahren aus, wodurch die wesentlich preisgünstigeren Biosimilars erheblichen Auftrieb erhalten dürften. „Wir rechnen mit zweistelligen Wachstumsraten für Biosimilars in Asien, denn dort herrscht viel Nachholbedarf auf dem Gesundheitsmarkt“, ist Lacuna-Manager Grabowsky überzeugt.

Der Hintergrund: Asien überaltert und ältere Menschen brauchen mehr Medikamente. Hinzu kommt die massive Ausbreitung chronischer Krankheiten wie Übergewicht und Diabetes im asiatischen Raum durch die Übernahme des ungesunden westlichen Lebensstils. Grabowsky: „Die Regierungen beispielsweise in Indien und China pumpen schon jetzt viel Geld in den Gesundheitssektor, um gegenzusteuern. Insbesondere kostengünstige Arzneimittel haben große Chancen.“ Die Generika-Produzenten sind hauptsächlich in Nordamerika und Asien ansässig und schon jetzt einer der Haupttreiber des weltweiten Umsatzes mit aktuell 150 Milliarden Dollar.


Anleger-Empfehlungen

  • ASIEN Der Lacuna – BB Adamant Asia Pacific Health Fonds empfiehlt sich Anlegern, die vom wachstumsstarken asiatischen Mark profitieren wollen. Dieser Fonds investiert als einziger europäischer Fonds in den asiatisch-pazifischen Healthcare Markt. Analysten, die vor Ort präsent sind, besitzen detaillierte Marktkenntnis und die vor allem in Asien wichtige Vorort-Expertise. Die Wachstumsraten des Fonds betragen im Fünfjahres-Durchschnitt rund neun Prozent.
  • US BIOTECH Investoren, die vom Wachstum der US-Giganten der Branche teilhaben wollen, empfiehlt sich unter anderem der Bellevue Funds BB Adamant Biotech (ISIN: LU0415392249). Dort ist das Who is Who der Branche vertreten: Celegene, Gilead, Biogen und Amgen. Auch der Fonds brachte Anlegern in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt rund 19 Prozent Rendite im Jahr.
  • DIVIDENDENAKTIEN Die großen Pharma- und Biotechkonzerne zahlen vielfach auch attraktive Dividenden. Die geschätzten Dividendenrenditen für 2017 in Prozent: Roche: 3,33 % Novartis: 3,38 %, Bristol-Myers Squibb: 3,8 %, Merck & Co: 2,98 und AstraZeneca zahlt gar 4,63.

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