"Eine Million Mitarbeiter soll durch Roboter ersetzt werden"

"Eine Million Mitarbeiter soll durch Roboter ersetzt werden"

Ross Teverson, Manager des Jupiter Global Emerging Markets Unconstrained Fonds, bereist die halbe Welt, um mit Unternehmern vor Ort zu sprechen.

Die Entwicklung vieler Firmen in vielen Schwellenländern schreitet rasend schnell voran. Trend.at sprach mit Schwellenländer-Profi Ross Terverson von Jupiter Asset Management, der für seinen Fonds Unternehmen in Asien, Afrika, dem Mittleren Osten besucht, über die Schuldenkrise Chinas, Automatisierung und Veränderungen in Afrika.

2017 haben so manche Schwellenländer-Börsen wie jene Südkoreas, Indiens, Brasiliens oder Indonesiens Zuwächse in zweistelliger Höhe erzielt. Ist 2018 in Emerging Markets für Anleger noch viel zu holen?
Teverson: Es besteht kein Mangel an attraktiven Aktien aus Frontier Markets und Schwellenländern. Viele davon erzielen ein erhebliches Gewinnwachstum. Die Kursphantasien speisen sich aus einer Kombination fortlaufender struktureller Veränderungen, sich verbessernden Fundamentaldaten von Unternehmen und günstigen Bewertungen. Die Aktien in diesen Ländern sind deutlich niedriger bewertet als in den Industriestaaten.


Hohe Schulden Chinas und der Konflikt mit Nordkorea sind die größten Risiken

Was sind die größten Risiken in Emerging Markets?
Teverson: Die hohen Schulden Chinas und der Konflikt mit Nordkorea. Der Konflikt dürfte aber nicht weiter eskalieren. Schon in den vergangenen 20 Jahren gab es rund alle zwei Jahre deswegen heftige verbale Auseinandersetzungen. Aber keine der beiden Seiten hätte etwas davon wenn die Lage aus dem Ruder gerät. China wiederum kämpft mit einer extrem hohen Verschuldung von 270 Prozent des BIP. Nicht nur der Staat, auch viele Firmen sind hoch verschuldet. Eine akute Bedrohung für die Wirtschaft ist für das Land allerdings dennoch nicht zu erwarten. Die kommunistische Regierung wird alles tun, um die Lage unter Kontrolle zu halten.

Sollten Anleger China angesichts der Schuldenkrise meiden?
Teverson: Die Chancen, die einzelne Aktien bieten sind nach wie vor da, aber im Schnitt bieten Papiere anderer Emerging Market Staaten derzeit vielfach bessere Investmentmöglichkeiten als China. Wir sind dort aktuell mit nur 15 Prozent unseres Fondsvermögens investiert. Zum Vergleich: Im MSCI Emerging Markets hat China einen Anteil von über 30 Prozent. Die besten Anlagemöglichkeiten in Schwellenländern bieten sich derzeit außerhalb Chinas.

Wie sehr belastet die Politik Donald Trump die Wirtschaft Mexikos?
Trotz der Streitigkeiten über den Grenzzaun ist der Dialog zwischen den beiden Staaten in wirtschaftlichen Belangen wesentlich konstruktiver als man glauben möchte.


Grenzmärkte in Asien, Afrika und dem Nahen Osten wachsen besonders dynamisch

In welchen Regionen der Welt ist derzeit für Anleger besonders viel zu holen?
Teverson: Bei sogenannten Frontier Markets. Diese zählen mittlerweile zu den dynamisch wachsenden Ländern der Welt. Dazu zählen Märkte in Asien, Afrika und dem Nahe Osten. Diese Grenzmärkte in Asien profitieren, nachdem in Ländern wie China seit Jahren die Löhne anziehen, von deren niedrigen Lohnkosten. Auch in Afrika gibt es aufstrebende, stark wachsende Staaten wie Nigeria und Kenia, wenn es zwischen den Staaten dieses Kontinents erhebliche wirtschaftliche Kontraste gibt.

Welche Investments in Afrika sprechen Sie derzeit an?
Teverson: Das ist unter anderem die nigerianische GT Bank. Die Bank steht finanziell sehr gut da und weist eine Eigenkapitalrendite von 30 Prozent auf. Von so hohen Renditen sind viele westliche Banken weit entfernt. Die GT Bank ist nicht nur der größte Bank des Landes, sondern auch die erfolgreichste. Kredit erhalten nur Unternehmen und Private mit hoher Bonität. Uns ist wichtig, das Unternehmen nicht nur finanziell gut da stehen, sondern auch einen adäquaten Fokus auf die Langzeit-Perspektive haben. Dem Management werden, je nach wirtschaftlichem Erfolg Boni ausgezahlt und es hält einen signifikanten Aktienanteil an der Bank. Um das Wachstumspotential eines Unternehmens zu erfassen, sehen wir uns aber nicht nur Bilanzen an und treffen das Management, sondern auch Mitbewerber. Auch das politische Umfeld in Nigeria verbessert sich. Die Regierung hat der korrupten Elite den Kampf angesagt. Signifikante Verbesserungen sind bereits diesbezüglich, auch aufgrund einer breiten angelegten Kampagne, bereits sichtbar.


30 Prozent der Mitarbeiter von Foxconn sollen in drei Jahren durch Roboter ersetzt werden

Gerade in Asien wird die Robotertechnik forciert. Wie vielversprechend ist die Branche in dieser Region wirklich?
Teverson: Das zeigt sich am eindrucksvollsten am Beispiel des taiwanesischen Elektronikherstellers Foxconn, wo wir derzeit Aktienanteile halten. Dort zeigt sich, schon allein aufgrund dessen Größe, welche enormen Auswirkungen die Robotertechnik auf unseren Alltag haben wird und welche Chancen sich für Anleger bieten. Der Konzern, der maßgeblich an der Herstellung von i-phones und Samsung-Handys beteiligt ist, hat noch vor drei Jahren eine Million Mitarbeiter. 150.000 davon wurden binnen relativ kurzer Zeit von Robotern ersetzt. Schon in den nächsten drei Jahren sollen weitere 30 Prozent der Arbeit, die bisher von Menschen erledigt wird, durch Maschinen mit künstlicher Intelligenz übernommen werden. Am Ende dieses Automatisierungsprozesses soll die Fabrik von Foxconnn nahezu ohne menschliches Personal auskommen und damit fast eine Million Menschen durch Roboter ersetzt werden.

Wie lange dauert es, bis sich Investitionen in Roboter bei Foxconn rechnen?
Teverson: Schon nach drei Jahren sollen die Kosten für die Maschinen, die die Arbeitskräfte ersetzen herinnen sein.

Auch in China ist die Automatisierung ein großes Thema. Ist Ihr Global Emerging Markets Constrained Fonds, der in diesem Bereich investiert?
Teverson: Eine der Aktien ist Hollysys. Das Unternehmen ist einer der führenden Anbieter von Robotern für die industrielle Fertigung. Das Unternehmen ist vergleichbar mit Siemens oder ABB, nur dass das Unternehmen eine höhere Dividende zahlt und ein wesentlich besseres Preis-Leistungsverhältnis aufweist als die europäischen Konkurrenten. Die Wachstumsraten in der Automatisierung in China sind hoch, das Volumen ist angesichts der Größe des Landes noch gering. Die Corporate Governance verbesserte sich in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich.


Aktie eines Plasmaprodukteherstellers hat sich verzehnfacht

Zu den wachsenden Branchen zählt in Asien auch der Gesundheitsbereich. Sind sie in solche investiert? Teverson: Eine unserer Aktien im Depot ist derzeit China Biologic Products. Es ist der größte nicht-staatliche Plasma-Spezialist des Landes. Die Aktie hat ihren Wert in zehn Jahren verzehnfacht. China ist weltweit der zweitgrößte Markt für Plasmaprodukte, ist aber, gemessen am Pro-Kopf-Bedarf im Westen, noch immer weit unterentwickelt.

Bei vielen Emerging Markets Fonds zählen Blue Chips wie Alibaba, Tencent oder Samsung zu den größten Positionen im Depot. Ist das auch bei Ihrem Fonds so?
Teverson: Die Aktie von Samsung Electronics ist signifikant stark gewichtet, aber 70 Prozent unserer Wertpapiere sind Small- und Midcaps. Dieser Anteil ist wesentlich höher als bei vielen anderen Emerging-Market-Fonds. Dort sehen wir die größten Chancen, solche Unternehmen zu finden, die am meisten unterschätzt sind.

Fondsdaten:
Jupiter Global Emerging Markets Equity Unconstrained Fund
ISIN: LU1148012757
Wertentwicklung: 1 Jahr: 33%
Fondsstart: März.2015
Währung: Dollar
Fondsvolumen: 109 Mio. Dollar
Anzahl der Aktien: 50

Heike Fürpass-Peter, Leiterin Public Distribution Lyxor Asset Management

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Franz C. Bauer, trend-Redakteur

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