23-Milliarden-Manager: Worauf es beim Investieren ankommt

23-Milliarden-Manager: Worauf es beim Investieren ankommt

Marc Hellingrath, 43 Jahre, verwaltet im UniGlobal ein Fondsvermögen von acht Milliarden Euro.

Marc Hellingrath, einer der mächtigsten Fondsmanager Deutschlands, sprach in Wien vor großen Investoren, welche Fehler Anleger häufig begehen, wovon er sich nicht beirren lässt und wann ein Strategieschwenk nötig ist.

Er ist einer der wichtigsten und mächtigsten Fondsmanager Deutschlands, wenn ihn auch hierzulande kaum einer kennt. Marc Hellingrath, 43, managt bei der deutschen Fondsgesellschaft Union Investment Fonds mit einem Volumen von 23 Milliarden Euro. Einer seiner größten Fonds ist der rund sieben Milliarden Euro schwere UniGlobal (ISIN: DE0008491051), einer der größten Aktienfonds Deutschlands.

Der unauffällige Manager aus Düsseldorf ist alles andere als ein Herdentier. Mit seiner Meinung unterscheidet sich der Investmentmanager derzeit von vielen seiner Berufskollegen. Viele von ihnen setzen nach den hohen Kursanstiegen auf Value-Aktien, also auf langsam aber stetig wachsende solide Unternehmen. Viele Aktienexperten raten auch dazu den US-Anteil im Portfolio zu Gunsten von Euroland-Titel zu reduzieren. Wachstumswerte wie Techaktien , so deren vielfache Rat, sollte man auch zurückfahren.

Von all dem hält 23-Milliarden-Euro-Manager nichts. „Erst wenn die Zinsen steigen sind Value-Aktien interessant“, befindet Hellingrath. Eine solche Entwicklung zeichne sich jedoch nicht ab. Er setzt unbeirrt weiterhin auf Aktien wachstumsstarker Unternehmen, „und die sind nach wie vor hauptsächlich in den USA zu finden“, erläutert der Manager von Union Investment in einem exklusiven Kreis von institutionellen Investoren in Wien, bei dem trend.at ebenfalls geladen war.


Habe bei der Aktienauswahl selbst in guten Jahren nur eine Trefferquote von rund 55 Prozent.

Kleinanlegern, die sich selbst auf das rutschige Aktienparkett wagen, rät er sich von Fehlschlägen selbst gleich mehreren Investments nicht entmutigen zu lassen. „Ich habe selbst in guten Jahren nur eine Trefferquote von rund 55 Prozent.“ Das reicht aber offenbar. Im letzten halben Jahr hat er eine Rendite von 17 Prozent eingefahren. In den vergangenen zehn Jahren lag der jährliche Renditeschnitt bei über zehn Prozent. Die Strategie des Manager: Die Internationalisierung des Aktiendepots. „ Die meisten Anleger sind viel zu regional investiert und kaufen immer wieder das gleiche. Es muss nicht immer BMW oder BASF sein. Sehen Sie sich doch einmal ein paar US-Unternehmen an“, rät Hellingrath. Die meisten kenne hier keiner, seien aber oft sehr erfolgreich. Von Krisen, „von denen es fast täglich welche gibt“, lässt sich Hellingrath nicht irritieren. „In den letzten Jahren haben global investierte Anleger trotzdem im Schnitt 13 Prozent gemacht.“

Investoren trotz schwachem ökonomischen Umfeld
Man sollte sich auch von der Vorstellung verabschieden, dass Investitionen nur ratsam wären, wenn die reale Ökonom gut läuft. In den USA verzeichnen aktuell etwa 25 Prozent der Unternehmen rückläufige Gewinne. Kapitalgüterunternehmen wären dort etwa in einem extrem schwierigen Umfeld. In Europa sehe es noch viel schlimmer aus. Hier seien 40 Prozent der Unternehmen mit sinkenden Margen konfrontiert. Doch es gebe eben auch zahlreiche gute Firmen, die auch lukrative Gewinne böten.


Europa hat zwölf Jahre ohne steigende Gewinne hinter sich.

Gekauft wird weltweit. Was für den Union-Investment-Mann bei der Aktienauswahl zählt, ist vor allem die Gewinnentwicklung. „Bei unseren internen Meetings unterhalten wir uns fast nur darüber, welche Gewinne ein Unternehmen macht“, benennt Hellinggrath den Hauptfokus bei der Aktienauswahl. Die Gewinne seien in den USA haushoch besser als in der Eurozone. „US-Unternehmen haben gegenüber dem Vorkrisenniveau ihre Gewinne um 88 Prozent gesteigert, europäische Firmen sind auf dem Level von 2007. Europa hat zwölf Jahre ohne steigende Gewinne hinter sich“, resümiert der UniGlobal-Manager.

Weltweites Gewinnwachstum bietet guten Rückenwind für Aktieninvestments
Heuer sollen die Unternehmensgewinne global gesehen, laut Konsensusschätzungen um acht Prozent wachsen. „Dieses Wachstum bietet einen guten Rückenwind für Aktieninvestments.“ Doch auch 2020 sprießen die Gewinne nicht aus allen Ecken der Welt. 21 Prozent der Firmen in den USA weisen ein Gewinnwachstum auf. In Japan und Europa sei es dagegen nur ein verschwindend kleiner Teil.

In Wachstumsindustrien hinterlassen Europäer keinen Fußabdruck
Problematisch auch: “In Wachstumsindustrien hinterlassen Europäer keinen Fußabdruck“, urteilt der UniGlobal-Aktienprofi. Nur in zwei, drei Sektoren verfügen die Europäer über ein höheres Wachstum als die USA. In der Pharma- und der Industriebranche. „Novartis und Roche verfügen über gute Margen.“ Auch Nahrungsmittelhersteller wie Nestle seien gut unterwegs. Sonst weisen alle anderen Branchen in den USA höhere Margen aus.

Nur SAP und Wirecard: Top in Europa
In der Technologiebranche sieht Hellingrath in Europa nur einen Champion, den Softwarespezialisten SAP. Als ein Unternehmen mit hohem Gewinnpotential, wenn auch deutlich spekulativer, stuft er auch Digital-Bezahlsystem-Anbieter Wirecard ein, wo das Unternehmen seinen Firmenanteil jüngst auf 4,2 Prozent aufgestockt hat. „Ein fantastisches Unternehmen, das Investoren riesige Chancen bietet“, glaubt der Fondsmanager. Trotz der Kursanstiege - in nur drei Jahren kletterte der Wert um rund 240 Prozent hinauf - sei die Bewertung, angesichts von Wachstumszahlen von 30 Prozent, gering. Beim Maschinenbau seien die Europäer zwar den US-Konkurrenten überlegen, aber der Sektor hätte längst nicht die Bedeutung der US-High-Techbranche was Umsatz und Gewinn betrifft.

Autohersteller: „Rieseninvestitionen gehen ins Ungewisse“
Von vielen Branchen rät der Investmentprofi jedoch ab. Dazu zählt die Autobranche. „Die meisten Autobauer wissen nicht mehr sie wie zukünftig Geld verdienen werden. Das große Problem ist derzeit, dass viele Unternehmen nicht in E-Mobilität investieren, weil sie nicht abschätzen können, was von den Antrieben in fünf Jahren noch interessant ist. Eine für sie unkalkulierbare Gefahr stelle auch das Restwertrisiko dar, sowohl für die verbleibenden Verbrenner als auch für die neuen Modelle mit Elektroantrieb. „Die riesigen Investitionen, die Autohersteller vor sich herschieben, gehen ins Ungewisse“, so der Fondsprofi.

US-Wachstumsstars: Milliarden-Umsätze, Milliarden-Gewinne
„Wachstumswerte werden weiter outperformen“, glaubt der Aktienprofi. Der Konzerne, der derzeit alle europäischen Blue Chips besonders alt aussehen lässt, ist Apple. Der Entwickler von Hard- und Software verzeichnete zuletzt in nur einem Quartal einen Umsatz von 90 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 20 Milliarden Dollar. Das Unternehmen und dessen Börsenwert sei damit größer als alle Unternehmen im deutschen Dax zusammen. Rund die Hälfte der Erlöse macht das Unternehmen nur mit dem Verkauf des iPhones. Der Erfolg lässt sich auch am Kurszettel ablesen. Die Aktie von Apple ist in den letzten zehn Jahren um mehr als 1.300 Prozent gestiegen. „Das Motto an der Börse lautet: The winner takes it all“, stellt der UniGlobal-Manager fest. Soll heißen, den erfolgreichen Player am Markt, fliest auch weiterhin ein Großteil des Anlegervermögens zu. 80 Prozent der Kapitalinvestitionen fließen in Technologiewerte.

Mastercard & Co: Bezahlsysteme wachsen mit der steigenden Nachfrage nach bargeldlosem Bezahlen mit
Richtig gut läuft es auch für Firmen, die auf Bezahlsysteme spezialisiert sind. Als Beispiel nennt der Fondsmanager Mastercard. Der Umsatz wächst zweistellig und das Gewinnwachstum liegt bei 20 bis 25 Prozent. „Solche Firmen haben wir in Europa nicht“, resümiert Hellinggrath. Der Kurs von Mastercard ist in den vergangenen fünf Jahren um 300 Prozent gestiegen. Das Geschäftsmodell ist einfach: Wächst der Konsum, wächst auch das Unternehmen und das mit Hebel, da immer mehr mit Karte bezahlt wird. Ähnlich gut geht es Visa oder American Express. Die Finanzkonzerne verdienen an Transaktionsgebühren und profitieren, je öfter Kunden beim Einkaufen Kreditkarten zücken. Die hohe Konsumbereitschaft besonders der US-Verbraucher und der Trend zum Online-Shopping, wo mit Karte gezahlt wird, sorgen schon länger für gute Geschäfte.


Telekomkonzerne braucht kein Anleger.

Nicht nur von Investments in die Autobranche, von vielen anderen Branchen rät der UniGlobal-Manager ebenso ab. „Telekomkonzerne braucht derzeit auch kein Anleger. Das ist eine kaputte Branche, die sich mit günstigen Angeboten überbieten.“ Nennenswerte Gewinne bleiben da im Schnitt keine übrig. Versorger seien an der Börse bereits viel zu teuer. Von Energieaktien lässt er generell die Finger. „Die Kurse hängen vom Ölpreis ab und der ist schwer zu prognostizieren“, so der Manager. Bei Kursschwächen zugekauft hat der UniGlobal dagegen kürzlich beim chinesischen Onlinehändler Alibaba. Interessante Titel ortet der Manager auch in Russland. „Mehr als fünf Prozent investieren wir jedoch nicht in Emerging Markets“, so Hellinggrath.

Die größten Gewinnchancen sieht der Manager des UniGlobal Fonds derzeit in folgenden Bereichen
- Aktien, die vom starken US-Konsum profitieren
- IT-Bezahlsysteme
- Medizintechnik

Milliarden-Markt 3D-Implantante
In der Medizintechnik sei das Maß an Innovationskraft und Gewinnmöglichkeiten etwa sehr hoch. Dazu tragen neue Verfahren, neue Materialien bei, Roboter kommen verstärkt zum Einsatz und können schon ganze OPs durchführen. Etwa durch die Produktion von modernen Implantaten, etwa der 3D-Hüften. Durch diese so erzeugten maßgeschneiderten Implantate, kann Patienten, deren Knochensubstanz nicht mehr stark genug ist, der Rollstuhl erspart bleiben. „Der Markt für 3D-Hüften ist 35 Milliarden Dollar schwer“, so Hellingrath.

Produkte werden immer kompakter bei unveränderter oder besserer Leistungsfähigkeit, sie sind immer leichter zu bedienen. Intelligente Prothesen erfassen über Sensorik ihre Umgebung und passen sich damit optimaler in ihrer Funktion dem Patienten an. Pflaster sind in der Lage, Wundheilungsprozesse zu überwachen oder als Frühwarnsystem das erhöhte Risiko für einen bevorstehenden asthmatischen Anfall zu signalisieren. „In der Medizintechnik werden 30 Prozent mehr Gewinn als im Gesamtmarkt gemacht“, hält der UniGlobal-Manager fest.

Diese Fonds verwaltet Marc Hellingrath für Union Investment
• UniGlobal (7 Milliarden Euro under Management)
• UniGlobal -net- (2,1 Mrd.)
• UniGlobal Vorsorge (13 Mrd.)
• UniGlobal II A (rund 240 Mio.)
• Invest Global (rund 350 Mio.)

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