Die Milliarden-Geldflut - Börsen atmen auf

Nach den USA macht nun die EU Milliarden locker und auch die Einzelstaaten greifen tief in die Kasse, um Unternehmen und Arbeitsplätze zu retten. Die Börsen reagieren erleichtert, Investmentexperten begrüßen die Schritte.

Die Milliarden-Geldflut - Börsen atmen auf

Hunderte Milliarden Euro und Dollar sollen die Weltwirtschaft vor dem Kollaps retten.

Es ist ein guter für die Börsen. Nach langen, furchteinflößenden Tagen mit hohen Kursverlusten, stabilisieren sie sich - zumindest heute. Der ATX, nach Tagen besonders verheerender Verluste, hat sogar mehr als fünf Prozent zugelegt, der deutsche Leitindex hat sich im Laufe des Tages ebenfalls von den Abstürzen erholt und rund 1,6 Prozent gewonnen. Allerdings nicht zu vergessen, nur in der Vorwoche ging es etwa beim Dax um 20 Prozent bergab. Nach dem Tief gab es auch bei den US-Börse eine Erholung. Der Dow Jones dreht ins Plus und überwindet die 20.000-Punkte-Marke, auch die Techbörse Nasdaq und der S&P haben grüne Vorzeichen. Eine nachhaltige Erholung ist damit zwar nicht zu erwarten, aber die Investoren atmen durch.

750 Milliarden Euro für die EU
Es ist die riesige Geldflut, die die Anleger beruhigen. Nach den USA hat nun auch die EU ein gigantisches Nothilfsprogramm beschlossen. Die EZB hat dazu letzte Nacht ein Anleihenkaufprogramm in Höhe von 750 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Damit soll der Wirtschaft geholfen werden und Spekulanten, die auf die Zahlungsunfähigkeit von Staaten spekulieren wollen, der Wind aus den Segeln genommen werden. „Das wird vor allem für hoch verschuldete Staaten wie Italien, Spanien und Griechenland wichtig“, so David Zahn, Chef für Europäische Anleihen bei der US-Investmentgesellschaft Franklin Templeton. In den USA und in Europa bringen die Notenbanken damit ihre größten Kanonen in Stellung und feuern mit Milliarden von Euros und Dollars auf ihren größten Feind: Eine Weltwirtschaftskrise unermesslichen Ausmaßes abzumildern.

Die zweite wichtige Bastion, um mit aller Macht gegen die Krise anzukämpfen, ist neben fiskalpolitischen Maßnahmen, auf der politischen Ebene der Staaten finanziell dagegenzuhalten.

Kredite in Höhe von 55 Milliarden Euro für EU-Firmen in Nöten
Bereits vergangene Woche hat die europäische Notenbank angekündigt, Banken mit großzügigen Kreditprogrammen auszustatten, damit diese Unternehmen in der Krise ausreichend mit Krediten bedienen können. Die EU hat dazu ein 55 Milliarden Euro-Paket angekündigt, um die Liquidität der Unternehmen zu unterstützen. Sollte diese Summe für die Firmen der Eurozone zu gering sein, soll der Betrag aufgestockt werden.


Außergewöhnliche Zeiten, erfordern außergewöhnliches Handeln

EZB-Chefin Christine Legarde hat dazu klar gemacht: „Außergewöhnliche Zeiten, erfordern außergewöhnliches Handeln.“ Worte und Taten, die ihre Wirkung an der Börse nicht verfehlt haben. Der Super-Bazooka der EZB, der in der Finanzkrise 2008 erst viel zu spät kam, wurde nun fast zeitgleich mit den US-Maßnahmen angekündigt und nicht erst Wochen später. Zwar ist nicht gesagt, dass die so geschaffene Liquidität wirkt und tatsächlich in die Wirtschaft fließt, wie die Vergangenheit in Europa gezeigt hat, aber jetzt ist trotzdem nicht die Zeit zu hadern, jetzt ist die Zeit den Brandherd zu löschen und die Gefahr und den Schaden so weit als möglich zu begrenzen.

Sofort 1.000 Euro für jeden US-Bürger
Am radikalsten geht die USA vor. Sie setzt auf sogenanntes Helikoptergeld. Jeder Erwachsene US-Bürger bekommt vom Staat 1.000 Dollar auf sein Konto überwiesen oder per Post einen Scheck. Eine weitere Tranche dieser Direktzahlung soll folgen. Diese Maßnahme ist zwar nur ein Teil des geplanten Hilfspakets, aber mit Abstand der radikalste und wichtigste. So soll die Existenzangst der Bürger, wo es keine so hohen Sozialstandards wie in Europa gibt, lindern und unmittelbar helfen.

USA machen 850 Milliarden Dollar locker
Insgesamt hat die USA angekündigt mit einem Konjunkturpaket in der Höhe von 850 Milliarden Dollar US-Unternehmen zu unterstützen. Das entspricht in etwa 760 Milliarden Euro. Mit diesen schnell ausbezahlte Zuschüssen und Krediten sollen gefährdete Betriebe, wozu etwa die große Freizeitindustrie des Landes zählt, vor der Pleite gerettet werden. Die angeschlagene Flugbranche soll zusätzlich 50 Milliarden Dollar bekommen. Die US-Regierung hat damit signalisiert, die US-Luftfahrtindustrie nicht an die Wand fahren zu lassen. Und auch Anleihenkäufe wie in Europa werden bereits angedacht. Alles Hilfsmaßnahmen, die für große Erleichterung bei Unternehmen und Anlegern sorgen.

Deutschland: Unbegrenzt Mittel für Unternehmen stehen bereit
In Deutschland hat die Regierung angekündigt, "Wir tun, was immer nötig ist". So soll die staatliche Entwicklungsbank dazu genutzt werden, den von der Krise betroffenen Unternehmen unbegrenzte Mittel zur Verfügung zu stellen. Das deutsche Paket dürfte rund 460 Milliarden Euro betragen, könnte aber auf bis zu 550 Milliarden Euro aufgestockt werden. Das wären 15 Prozent des deutschen BIP.

Spanien und Frankreich: Hunderte Milliarden für Hilfen
Spanien und Frankreich haben Not-Pakete von 200 bzw. 300 Milliarden Euro angekündigte. Italien hat bisher ein kleineres Paket präsentiert, „aber wir dürften bald ein größeres, umfassenderes Paket sehen“, so Investmentexperte Zahn von Franklin Templeton.

Österreich: Börse erleichtert über Milliarden-Hilfsprogramm
Österreich hat gestern ein 38 Milliarden Euro schweres Hilfspaket vorgestellt. Kanzler Sebastian Kurz dazu: "Koste es was es wolle, um Arbeitsplätze zu sichern." Das ist fast die Hälfte des Budgets für das Vorjahr. Die Notfallhilfe für Branchen, die besonders betroffen sind, wird auf 15 Milliarden Euro aufgestockt, weitere zehn Milliarden Euro gebe es an Steuerstundungen, neun Milliarden Euro für Kreditgarantien.Die Anleger haben diese Ankündigungen mit einem kräftigen Kursplus im ATX quittiert. Eine Milliarde Euro für Kleinstunternehmen und EPUs angekündigt.


Monetäre und fiskalische Reaktionen sind die einzige Möglichkeit diesem Ereignis zu begegnen

Finanzexperten erachten die Maßnahmen von Notenbanken und Einzelstaaten vielfach als sinnvoll.
„Eine Kombination aus monetärer und fiskalischer Reaktion ist die einzige Möglichkeit, diesem systemischen Ereignis zu begegnen", Jeremiah Buckley, Portfoliomanager von Janus Hendeson.

Das AG Capital Team rund um Daniel Jennewein (links) und Karl Lankmayr (2. v. rechts)

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