Warum den Niederlanden ein vorbildliches Pensionssysteme attestiert wird

Adäquat, also angemessen, nachhaltig und ethisch vertretbar: Hollands Pensionssystem ist dem Consulting-Unternehmen Mercer zufolge das weltweit beste. Der Vergleich zeigt: Pensionisten haben es dort schwer.

Warum den Niederlanden ein vorbildliches Pensionssysteme attestiert wird

Eine Studie von, Mercer, ein internationales Beratungsunternehmen und Spezialisten für betriebliche Vorsorge, hat in einer aktuellen Studie das niederländische Pensionssystem zum Besten weltweit erkoren. Es wird in der Gesamtwertung als adäquatestes, nachhaltigstes und ethisch vertretbarstes System eingestuft. Zum adäquatesten wurde das deutsche Pensionsmodell gekürt. Trend.at hat sich die zwei von Mercer als vorbildlich eingestuften Modelle angesehen und ist auf ernüchternde Fakten gestoßen. Österreich liegt bei dieser Gesamtwertung übrigens auf Platz 25. Selbst Länder wie Brasilien oder Peru haben laut Mercer ein nachhaltigeres, adäquateres und ethisch vertretbareres Pensionssystem.

Holland: Staatliche Pension sichert nur Existenzminimum

Sieht man sich das holländische Pensionssystem an, möchte man dort wohl eher nicht Rentenbezieher sein. So gibt es für jeden ab dem 65. Lebensjahr zwar eine Grundrente, die sichert aber nur das Existenzminimum - unabhängig davon, ob man jemals Beiträge dafür eingezahlt hat oder nicht. Mehr als 45 Prozent des Durchschnittslohns sind für Ehepaare oder jene, die mit einem Partner zusammenlebende nicht drinnen. Alleinstehende kriegen immerhin 70 Prozent. Wer allerdings zwischen 15 und 65 Jahren nicht durchgängig in Holland versichert war, dem werden für jedes fehlende Berufsjahr zwei Prozent abgezogen.

Vom Generaldirektor bis zum Bauarbeiter: Maximal 700 Euro im Monat staatliche Rente

Nachhaltig ist die Finanzierung dieses Modell für den Staat aber auf jeden Fall. Die Grundrente wird aus Beiträgen der Versicherten im Umlageverfahren finanziert und nur zu einem kleinen Teil mittels Staatszuschuss. Im Schnitt kriegen dort alle, vom Generaldirektor bis zum Bauarbeiter, - sofern sie nicht alleine leben - pro Monat rund 700 Euro, Alleinstehende rund 1.000 Euro.

Immerhin funktioniert in Holland die Zusatzfinanzierung durch die betriebliche Altersvorsorge. Fast 90 Prozent der Erwerbstätigen sind in den fast 1000 öffentlichen und betrieblichen Zusatzrentensystemen versichert. Für Mercer, die Spezialisten für betriebliche Altersvorsorge, ein ideales Land.

Hinterbliebenen-Rente nur in Ausnahmen

Hinterbliebene haben zwar auch einen Anspruch auf Rente, allerdings nur wenn sie selbst Arbeitsunfähig waren oder ein unverheiratetes Kind aufgezogen wurde. Sobald der Ehepartner erneut heiratet oder auch nur mit einem anderen Partner zusammen lebt, erlischt der Anspruch auf die Grundrente.

Deutschland: Das adäquateste Pensionssystem der Welt?

Deutschland hat, nach Einschätzung von Mercer, das adäquateste Pensionssystem. Auch dort wurden die staatlichen Pensionsleistungen massiv gekürzt. In Deutschland erhalten langjährig versicherte Männer im Schnitt nur noch 1.050 Euro Rente (12 x pro Jahr), in Österreich dagegen 1.560 Euro (14 Mal im Jahr). Geringverdiener in Österreich erhalten zudem im Gegensatz zu Deutschland in der Pension Ausgleichszahlungen und ein merklich höheres Mindesteinkommen als im Nachbarland.

48 Jahre arbeiten, um nicht in die Armutsfalle zu geraten

Zum Vergleich: Um in Deutschland eine Pension zu erhalten, die über der Armutsgefährdungsgrenze liegt, muss man 48 Beitragsjahre vorweisen können, in Österreich lediglich 26 Jahre. So die Angaben aus dem Beitrag „Niedrigrenten, Mindestsicherung und Armutsgefährdung Älterer“, aus der Zeitschrift Soziale Sicherheit vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger. Wer keine durchgehende Erwerbsbiographie aufweisen kann, ist in Deutschland in der Pension ebenfalls überdurchschnittlich stark betroffen.

Leistungsniveau soll auf 45 Prozent sinken

Die Pensionsleistungen in Deutschland fallen zudem, wie auch in Österreich, Jahr für Jahr weiter und sollen dort im Jahr 2029 auf ein Leistungsniveau von 45 Prozent vor Steuern absinken. Allerdings stellt die betriebliche Vorsorge in Deutschland eine gegenüber Österreich vergleichsweise starke zweite Säule der Pensionsfinanzierung dar. Dort kommen, aufgrund der vielen großen Betriebe, vergleichsweise viele in den Genuss einer betrieblichen Vorsorge. In Österreich dagegen, dominiert von Klein- und Mittelbetrieben, von denen sich nur wenige eine betriebliche Zusatzrente für ihre Mitarbeiter leisten können, ist diese Säule der Pensionsfinanzierung nur ein Minderheitenprogramm.

Zunehmende Gefahr der Altersarmut in Deutschland

Die geringe staatliche Auszahlungsquote in Deutschland liegt daran, dass Deutschland zur Jahrtausendwende seine Pensionsfinanzierung teilweise auf eine kapitalgedeckte betriebliche Vorsorge umgestiegen ist. Doch die großen Erwartungen, dass durch Investments in den Kapitalmarkt die so entstandene große Finanzierungslücke geschlossen wird, haben sich laut einer Analyse des deutschen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI-Report) nicht erfüllt. "Es zeigen sich deutliche Sicherungslücken“, so Florian Blank, einer der Studienautoren.


In Deutschland wird eine deutlich steigende Zahl an Personen allein mit einer Pension aus der gesetzlichen Rentenversicherung kein Alterseinkommen über der Armutsgefährdungsgrenze mehr erreichen

, so die Prognose des Reports der deutschen Sozialwissenschaftler. Betroffen von Altersarmut sind in Deutschland, mehr als andere, Geringverdiener. Denn so die Studienautoren: „Das Vorhandensein einer zusätzlichen Altersversorgung ist umso wahrscheinlicher, je höher das Einkommen.“ Damit verschärft sich die finanziellen Differenzen in der Pension zusätzlich, da Geringverdiener durch die starke Senkung der staatlichen Pension aufgrund ihrer geringeren Berechnungsbasis ohnehin stark betroffen sind. „Es fehlt jenen mit geringem Einkommen nicht an Informationen über den Nutzen einer betrieblichen oder privaten Vorsorge, sondern an der Sparfähigkeit“, urteilt WSI-Autor-Blank. Arbeiten jene mit einem niedrigen Einkommen zudem in einem Klein- oder Mittelbetrieb, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Betrieb wie in Österreich die Zusatzleistung einer betrieblichen Vorsorge nicht tragen kann.

Im Vergleich zu Deutschland zahlen Österreicher allerdings mit 22,8 Prozent auch einen höheren Beiträge für die Pension ein. Bei den Deutschen sind es 18,9 Prozent. Auch die demografische Situation ist hierzulande etwas günstiger: Der Altersquotient, der die Zahl der über 65-Jährigen mit jener der 20- bis 64-Jährigen vergleicht, liegt in Österreich bei 30,3 in Deutschland bei 35,3 Prozent.

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