Bausparkassen: Weniger Neuverträge, mehr Kredite

Bausparkassen: Weniger Neuverträge, mehr Kredite

Ein Plädoyer für leistbares Wohnen: Manfred Url, Generaldirektor Raiffeisen Bausparkasse (li.), Susanne Riess, Generaldirektorin der Bausparkasse Wüstenrot und derzeit AÖB Vorsitzende sowie Josef Schmidinger, Generaldirektor s Bausparkasse.

Die Bausparkassen haben schon rosigere Zeiten erlebt: Die Zahl der Neuverträge geht zurück. Das beunruhigt Österreichs Bausparkassen aber nur mäßig beunruhigt. Die Bausparer setzen weiterhin auf günstige Baukredite.

Von einem Boom auf Bausparverträge kann freilich nicht die Rede sein. Wurden im Jahr 2015 noch 831.827 Bausparverträge abgeschlossen, waren es im Vorjahr gerade noch 773.629 Neuverträge. In Spitzenzeiten konnten Österreichs Bausparkassen in den Jahren 2009 und 2010 über eine Million Neuverträge pro Jahr verbuchen. Doch das ist Geschichte. Seit 2011 geht das Neugeschäft bergab.

Und dennoch: Trotz rückläufiger Vertragsabschlüsse reklamieren Österreichs Bausparkassen das Jahr 2016 als Erfolg. „Trotz niedriger Zinsen war 2016 ein gutes Jahr“, sagt Susanne Riess, Generaldirektorin der Bausparkasse Wüstenrot und derzeit AÖB Vorsitzende. Bausparer bekamen im Vorjahr mehr Bauspardarlehen als im Jahr davor. „Die Finanzierungsleistungen wurden um 7,5 Prozent auf 2,88 Mrd. Euro gesteigert - das vierte Mal in Folge.“ Die Bauspareinlagen blieben mit 20,43 Milliarden Euro quasi unverändert (siehe Grafik) .

Die extrem niedrigen Sparzinsen mit den mageren Erträgen hätten die Sparer abgeschreckt, neue Bausparverträge abzuschließen.

Dass der „Bausparer“ als Anlageform angesichts sinkender Zinsen an Attraktivität verliert, wollen die Generaldirektoren von Wüstenrot, Raiffeisen Bausparkasse und s-Bausparkasse freilich so nicht sehen. „Wir haben im Jänner eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr“, sagt Riess. Und laut Meinungsforschungsinstitut GfK stehen auf der Wunschliste der Anleger hierzulande das Eigenheim an der Spitze Veranlagungsformen, gefolgt vom Bausparer - trotz niedriger Zinsen. Dabei müsse auch der Anlagehorizont von sechs Jahren in Betracht gezogen werden. "Der Bausparvertrag bleibt eine attraktive Sparform, da halten wir jeden Vergleich mit Alternativen stand", so Riess.

Apropos niedrige Zinsen: Wüstenrot-Chefin Riess konnte sich einen Seitenhieb auf die Geldpolitik der EZB und deren Präsident Mario Draghi nicht verkneifen. "Natürlich ist die EZB daran nicht unschuldig, die Zinspolitik wird auch immer wieder hinterfragt, ich denke dass auch ein Änderungsbedarf gegeben ist."

Neben der Erhöhung der Finanzierungsleistungen wurde auch der Sanierungsscheck und der Handwerkerbonus positiv hervorgehoben. Die ausbezahlten 33 Millionen Euro hätten im Vorjahr zu einem Investitionsschub von 310 Millionen Euro geführt. Auch für das laufende Jahr rechnen die Bausparkassen mit weiteren positiven Effekten. Die Bausparkassen bekennen sich weiterhin dazu, günstige Finanzierungen zur Verfügung zu stellen.

Leistbares Wohnen

Die Bausparkassen appellieren aber an die öffentliche Hand, künftig mehr leistbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. "Die Anzahl der Wohnungen ist knapp und das wird sich so schnell nicht ändern", sagt Josef Schmidinger, Generaldirektor s-Bausparkasse. So sind im Vorjahr 27.000 Menschen zugezogen, für die 12.00 Wohneinheiten kalkuliert werden müssen. "Gebaut wurden aber nur acht bis 10.000 Wohnungen in Wien", so Schmidinger. "Das Geld ist nicht vorrangig das Problem, sondern das "wie und wo gebaut wird". Und das gelte im übrigen nicht nur für Wien. Auch in anderen Städten ist Wohnraum "einfach knapp".

s-Bausparkassen-General Schmidinger fordert dennoch, dass wieder auf einem Niveau gebaut wird, das sich die Leute leisten können. "Die Kasernen wurden teuer verkauft, aber diese Wohnungen sind für viele nicht erschwinglich", kritisiert Schmidinger in Richtung öffentliche Hand. "Wenn ich einen Porsche produziere, beliebt unterm Strich mehr als bei einem Polo."

Beiden steigenden Bevölkerungszahlen seien die Wohnprobleme nur zu lösen, wenn die öffentliche Hand günstigen Wohnraum schaffe und die steigenden Wohnkosten bremst. Gleichzeitig müsse die öffentliche Hand auch überbordende Vorschriften abbauen. "In bestimmten Regionen dürfen die Baumaschinen ab August nicht mehr genutzt werden", so Schmidinger. Er verweist dabei auf mehrere Beispiele, wo beispielsweise Artenschutz vorgeschoben wird und die Errichtung von neuem Wohnraum nur in einem bestimmten Zeitfenster möglich ist.

Öffentliche Flächen, rasche Genehmigungen und vor allem der Abbau von Hürden bei den Bauvorschriften wie die Festlegung der Breite von Stiegenhäusern fordert Raiffeisen-Bausparkasse-Generaldirektor Manfred Url. Er plädiert außerdem für ein weiteres Aufstocken der Wohnbauförderung.

Der Generationenkonflikt

Die Top-Themen der Zukunft sind durch die Migration und Demografie vorgegeben werden. Neben leistbarem Wohnen seien daher auch neue Wohnformen insbesondere für die Generation 65+ oder 75+ gefragt. Mehr-Generationen-Modellen sowie die Etablierung neuer sozialer Netzwerke seien laut Wüstenrot-Chefin Riess auch neue Herausforderungen für die Gesellschaft.

Aber auch für die junge Generation der 18-29-Jährigen muss Wohnraum geschaffen werden, der vor allem leistbar ist. Riess: "Die Zahl der Jugendlichen, die in den vergangenen fünf Jahren wieder zu Hause bei den Eltern einzieht hat sich in den vergangenen Jahren verdoppelt."

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