"Schwarzer Montag": Massiver Kursrutsch an Europas und US-Börsen

An der Börse hat die Coronavirus-Epidemie durchgeschlagen: Die Börsen haben mit massiven Kursverlusten zu kämpfen. Der Ölpreis ist ebenso abgestürzt. Ursache sind gescheiterte Verhandlungen zwischen Russland und Saudi-Arabien. Der "Schwarze Montag" ging auch mit Panik an den US-Börsen weiter.

"Schwarzer Montag": Massiver Kursrutsch an Europas und US-Börsen

Frankfurt/Wien. Die Sorgen vor den Folgen der Coronavirus-Epidemie haben zu Beginn der neuen Woche an der Börse in Panik umgeschlagen. An sämtlichen Börsen Europas kam es am Montagmorgen zu massiven Kursverlusten. Die wichtigsten Börsenindizes lagen in den ersten Handelsminuten zwischen 5 und 9 Prozent im Minus. Die Händler sprechen bereits vom "Schwarzen Montag", der wohl in die Börsengeschichte eingehen wird.

Der Dax [ISIN DE0008469008] in Frankfurt hat bis zum Mittag 6,5 Prozent verloren. Gestartet war er mit einem Minus von rund acht Prozent. Im Verlauf des Nachmittags sind die Verluste in Frankfurt auf 6,9 Prozent wieder gestiegen. Der Wiener Leitindex ATX [ISIN AT0000999982] verlor im Vergleich zum Freitagsschluss kurz nach der Eröffnung um über acht Prozent, kurz nach 12 Uhr notierte der ATX um 7,03 Prozent schwächer. Am späten Nachmittag schlug das Pendel wieder auf über acht Prozent aus: GEgen 17 Uhr stand der ATX auf 8,13 Prozent minus. Der Euro-Stoxx-50 [EU0009658145] hatte um 6,8 Prozent verloren und verlor im Verlauf des Montags weiter auf minus 7,06 Prozent. Der Leitindex CAC 40 in Paris notierte kurz nach Mittag um 6,53 Prozent schwächer, die Verluste sollten sich aber im Verlauf des Nachmittags noch auf rund 10,3 Prozent ausweiten. Der FTSE-100-Index in London sackte bis Montagmittag um 6,28 Prozent ab, doch damit nicht genug: Am Nachmittag zog das Minus noch bis auf 9,97 Prozent in die Tiefe. [Stand: 17 Uhr MEZ].

Der Dax schloss am Montag in Frankfurt am Main mit einem Minus von 916,8 Punkten bei 10.625 Punkten. Das ist der stärkste Verlust binnen eines Tages seit den Terroranschlägen auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington am 11. September 2001. Seit Jahresbeginn gaben die Dax-Kurse damit um knapp 20 Prozent nach, beim ATX beträgt das Minus mehr als 25 Prozent.

Der Londoner FTSE-100 verlor bis Tagesschluss mehr als sieben Prozent. Der Pariser Index CAC der 40 größten Unternehmen gab gar um mehr als acht Prozent nach - der höchste Tagesverlust seit 2008. In Mailand betrug das Minus zum Börsenschluss mehr als elf Prozent; im Verlauf des Nachmittags war der Verlust sogar auf 12,62 Prozent gestiegen. In Madrid lagen die Verluste bei knapp acht Prozent.

Ebenso wurde der Athen Composite in die Tiefe gezogen. Bis am späten Nachmittag waren minus 17,67 Prozent am Tableau angeschrieben.

Größte Verluste seit 2008 in den USA

Der "Schwarze Montag hat auch auf die US-Börsen durchgeschlagen. Auch in den USA haben die Börsen mit kräftigen Abschlägen zu kämpfen. Die drei wichtigsten Indices Dow Jones (-7,06 Prozent), S&P 500 (-6,86 Prozent sowie der Technologie-Leitindex Nasdaq (-7,13 Prozent) eröffneten den "Schwarzen Montag" mit einem kräftigen Minus. Die US-Börsen stellten nach Börseeröffnung am Montag um 14:30 Uhr fünf Minuten später den Handel für 15 Minuten aus.

Kurz nach Handelsstart notierte der Dow Jones mit einem erheblichen Minus von 7,20 Prozent bei 24.011,06 Punkten. Gegen 17 Uhr notierte der DJ bereits mit 8,07 Prozent im Minus. Damit legte der US-Leitindex den größten Kursrückgang seit zehn Jahren hin. Auch der S&P-500 startete tief in der Verlustzone mit klaren Abschlägen von 7,00 Prozent bei 2.764,21 Punkten. Um 17 Uhr ist das Minus auf 7,96 Prozent weiter gestiegen. Weiter ins Minus ging es auch beim Nasdaq Composite, bei dem die Verluste ebenso noch weiter angestiegen sind auf minus 7,85 Prozent [Stand 17 Uhr MEZ].

Zum Schluss des Handelstages lag der US-Leitindex Dow Jones dann mit 7,79 Prozent im Minus - ein Absturz von mehr als 2000 Punkten auf 23.851,02 Punkte. Das war der stärkste Verlust des Dow Jones innerhalb eines Handelstages seit Dezember 2008. Der Technologie Nasdaq rutschte 7,29 Prozent auf 7950,68 Punkte ab. Der S&P 500 verlor 7,6 Prozent und schloss bei 2746,56 Punkten.

Das Coronavirus, aber auch der Ölpreisfight zwischen Saudi-Arabien und Russland mit dem Absturz des Ölpreises um bis zu 30 Prozent hat die Anleger nervös gemacht.

Die Fed legt kräftig nach

Unterdessen weitete die US-Notenbank inmitten der Corona-Krise ihre Notmaßnahmen aus. Knapp eine Woche nach der überraschenden Leitzinssenkung erhöht sie ihre Geldspritzen für das Finanzsystem. Wie die regionale Fed von New York mitteilte, steigt das Volumen ihrer Übernachtgeschäfte mit den Banken von bisher 100 Milliarden auf mindestens 150 Milliarden US-Dollar. Das Volumen ähnlicher Geschäfte mit 14-tägiger Laufzeit werde von 20 Milliarden auf 45 Milliarden Dollar erhöht.

Bereits im asiatischen Handel wurden aufgrund dessen herbe Verluste verzeichnet. Der Nikkei-225 in Tokio rutschte um mehr als fünf Prozent ab. Aber auch Futures auf die US-Indizes signalisierten zuletzt einen Einbruch. Der Terminkontrakt auf den Dow Jones deutete einen Kursrutsch von mehr 1.300 Punkten an.

Die Börsen in Asien haben zum Wochenauftakt unter dem Eindruck des Ölpreisverfalls und der Sorgen über das Coronavirus teils deutlich nachgegeben. Chinas Leitindex Hang Seng notierte zum Börsenschluss am Montag mit 4,23 Prozent im Minus. An der Leitbörse in Tokio stürzte der Nikkei-Index für 225 führende Werte am Montag um mehr als 1.000 Punkte unter die psychologisch wichtige Marke von 20.000 Punkten auf den tiefsten Stand seit 14 Monaten.

Zum Handelsende notierte der Nikkei-225-Index mit einem Abschlag von 1.050,99 Punkten oder 5,07 Prozent beim Stand von 19.698,76 Zählern.

Japanische Exporttitel gerieten zudem durch ein Anziehen des Yen gegenüber dem Dollar unter Druck. Auch an anderen Börsenplätzen der Region gaben die Kurs teils deutlich nach.

Die Aktienkurse an der Börse in Seoul rutschten um mehr als 4 Prozent. Der Leitindex ging um 85,45 Punkte oder 4,2 Prozent auf den Schlussstand von 1.954,77 zurück. In China büßte der Shanghai Composite Index deutlich um 3,01 Prozent auf 2.943,29 Punkte ein. Der Shenzhen Component Index ging mit einem Verlust von 4,09 Prozent bei 11.108,55 Punkten aus dem Markt.

Russland gegen Saudi-Arabien

Der Ölpreis ist am Montag ebenso kräftig abgestürzt. Montagfrüh fielen die Notierungen für Rohöl aus der Nordsee und für US-Öl um jeweils etwa 30 Prozent - der stärkste prozentuale Einbruch seit fast 30 Jahren. Als Ursache für den Ölpreis-Crash gelten die gescheiterten Verhandlungen des Ölkartells OPEC mit den in der sogenannten OPEC+ zusammengefassten Förderländern wie Russland. Außerdem belastet die Sorge vor den wirtschaftlichen Folge der Coronavirus-Krise. Die Ölpreise sind somit auf den tiefsten Stand seit Anfang 2016 zurückgefallen.

Der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee brach am Montag um zeitweise bis zu 31,5 Prozent auf 31,02 Dollar je Barrel (159 Liter) ein und steuerte auf den größten Tagesverlust seit dem Golfkrieg 1991 zu. Dem Terminkontrakt auf die US-Sorte WTI drohte mit einem Rückgang von bis zu 33,8 Prozent das größte Minus seiner fast 40-jährigen Geschichte. Der Brent-Preis erholte sich am Vormittag wieder leicht auf 32,83 Dollar.

"Damit hat Saudi-Arabien einen neuen Preiskrieg um Marktanteile eröffnet", schrieb Commerzbank-Experte Carsten Fritsch in einem Kommentar. Russland habe sich am Freitag geweigert, die von der OPEC vorgeschlagenen zusätzlichen Produktionskürzungen um 1,5 Mio. Barrel pro Tag mitzutragen und damit die 3-jährige Kooperation innerhalb der OPEC+ aufgekündigt.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung des Ölpreises sieht Fritsch eine "längere Phase der Bodenbildung mit stärkeren Preisausschlägen in beide Richtungen". Das niedrige Preisniveau wird jedoch dazu führen, dass das Ölangebot außerhalb der OPEC, vor allem beim Angebot von US-Schieferöl, weniger stark steigt und dass die Nachfrage angefacht werde, sobald die Folgen der Covid-19-Pandemie nachlassen.

Das Coronavirus blieb auch bei der Internationalen Energie-Agentur (IEA) im Fokus. Sie rechnete wegen der Ausbreitung des Erregers in diesem Jahr erstmals seit 2009 mit einem sinkenden Erdöl-Verbrauch. Die weltweite Nachfrage dürfte voraussichtlich um 90.000 Barrel pro Tag im Vergleich zum Jahr 2019 sinken, erklärte die Agentur am Montag in Paris.

In einem pessimistischen Szenario hält die IEA sogar einen Rückgang um 730.000 Barrel pro Tag für möglich. Vorausgesetzt ist, dass sich das Virus stärker ausbreitet als bisher angenommen wurde und die betroffenen Regionen längere Zeit brauchen, um sich wirtschaftlich davon zu erholen.

Der Preis für OPEC-Öl ist am Freitag auf 48,33 Dollar pro Barrel gefallen. Am Donnerstag hatte das Barrel nach Angaben des OPEC-Sekretariats in Wien noch 51,74 Dollar gekostet. Der OPEC-Preis setzt sich aus einem Korb von zwölf Sorten zusammen.

Der Goldpreis zeigte sich mit etwas leichter. Im Londoner Goldhandel wurde heute gegen 11.00 Uhr die Feinunze (31,10 Gramm) bei 1.676,42 Dollar (nach 1.699,76 Dollar am Freitag) gehandelt.

Ebenfalls im Zentrum des Marktgeschehens bleibt der sich weiterhin auf die Wirtschaft auswirkende Coronavirus. Am Freitag hatten Experten bereits erste Schätzungen zu seinen Folgen für die Weltwirtschaft präsentiert: So soll sich in China das Wachstum im laufenden Quartal annähernd halbieren.

Finance for Future: Klimaschutz durch Geldanlage

Klima- und Umweltschutz gehören zu den größten Herausforderungen für die …

Gewinnfreibetrag: Mit diesen Wertpapieren senken Sie Ihre Steuer

Einkommensteuerzahler können Ihre Bemessungsgrundlage für die Steuern …

USA zapfen Ölreserven an - Freigabe von 50 Millionen Fass

USA zapfen Ölreserven an - Freigabe von 50 Millionen Fass

Damit soll der starke Preisanstieg abgemildert werden.

Italiens Kartellbehörde verhängt Strafe gegen Amazon, Apple

Italiens Kartellbehörde verhängt Strafe gegen Amazon, Apple

Strafe wegen wettbewerbschädlicher Kooperation