„Massive Unterbewertung der China-Währung bietet Chancen“

„Massive Unterbewertung der China-Währung bietet Chancen“

Derzeit wird in Peking der jährliche Volkskongress abgehalten. An der Währungspolitik dürfte sich vorerst nichts ändern.

China ist wirtschaftlich ein Riese, spielt aber in der Welt der Finanz keine Rolle. Dieses Ungleichgewicht wird, nach Einschätzung von Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assenagon nicht ewig so bleiben. Welche Chancen das für Anleger bietet und welche Fonds sich für diese Wette auf eine steigende Währung anbieten.

China ergeht es derzeit ähnlich wie den USA vor 100 Jahren, zu Beginn des ersten Weltkriegs. Die Amerikaner waren damals zwar die größte und bedeutendste Handelsnation der Welt, aber der Handel wurde in Britischen Pfund finanziert. Unternehmen wickelten ihre Zahlungen über das Finanzzentrum London ab. Sterling war die Schlüsselwährung der Welt.

Heute ist China ist realwirtschaftlich ein Riese, aber monetär ein Zwerg. So ist das Land der Mitte heute der größte Exporteur der Welt und die zweitgrößte Volkswirtschaft und verfügt über die größten Währungsreserven aller Länder. Seit zwei Jahren gehört seine Währung offiziell zu den fünf Reservewährungen der Welt. Aber in der Realität spielt sie keine Rolle. Von den globalen Währungsreserven werden weniger als ein Prozent in der chinesischen Währung Renminbi gehalten, verglichen mit 63 Prozent in Dollar oder 23 Prozent in Euro. Nur bei der Außenhandelsfinanzierung werden diese zu 16 Prozent in Renminbi fakturiert.

„Dieses Ungleichgewicht wird nicht so bleiben“, ist Martin Hüfner, Chefvolkswirt der luxemburgischen Fondsgesellschaft Assenagon in seinem jüngsten Kommentar überzeugt. In den USA hat sich nach dem Ausbruch des ersten Weltkriegs das Bild binnen zehn Jahren geändert. Der Dollar war mit einem Mal die Schlüsselwährung der Welt geworden. Das Pfund hat sich nie wieder richtig erholt.

Chinesische Währung lässt Aufwertung nicht zu

Noch lässt die chinesische Regierung nicht zu, dass sich der Kapitalmarkt öffnet. Geld und Kapital sollen weiter staatlich gelenkt werden, wenn das Geld so auch nicht dorthin fließt, wo es die höchsten Erträge bringt.

Der Staat will auch den Wechselkurs nicht den Kräften des Marktes überlassen. Vor 25 Jahren wurde die chinesische Währung Renminbi vom damaligen Parteiführer Deng Xiaoping drastisch abgewertet und Teil der damaligen Industrialisierungsstrategie. Seit 2005 wertet die chinesische Währung staatlich kontrolliert leicht auf.

Vor 25 Jahren wurde die chinesische Währung drastisch abgewertet. Waren konnten so billig exportiert werden.

50 prozentige Aufwertung wäre angemessen

Hüfner: „Die Folge ist eine massive Unterbewertung des Renminbis. Der Wechselkurs müsste gegenüber dem Dollar heute nicht bei 6,3 Renminbi je Dollar liegen, sondern bei etwa 3,5. Das wäre eine Aufwertung von über 50 Prozent.“ Das ergibt sich aus der Kaufkraftparität, wie sie die OECD berechnet. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt man mit dem "Big Mac-Index" des Economists. „Natürlich kann man solche Rechnungen nur bedingt auf China anwenden, aber es gibt ein ungefähres Bild von den Größenordnungen, um die es hier geht.“

Dieses große Ungleichgewicht bringt große Chancen für Anleger. „In den kommenden Jahren wird es im monetären Bereich ähnlich große Umbrüche geben. Die Geld- und Kapitalmärkte werden offener werden. Der Renminbi wird aufwerten. Das bringt auch erhebliche Chancen für Investoren mit sich. Sie müssen aber geduldig sein. Es wird auch Rückschläge geben“, prognostiziert der oberste Ökonom der luxemburgischen Fondsgesellschaft Assenagon.


Für all jene, die in China investieren wollen, die Fonds, die in den vergangenen Jahren die beste Performance erzielt haben und dafür kein überdurchschnittlich hohes Risiko eingegangen sind.

Vor allem Fonds, die in die junge Aktienkategorie A-Shares investieren, würden von einer Aufwertung der chinesischen Währung profitieren, da Aktien der Börsen Shanghai, Shenzhen und Shanghai in Renminbi notieren. Die Aktien in Hongkong, wo die für alle Ausländer zugänglichen China-Aktien notieren, jedoch in Hongkong-Dollar. Bei einer Aufwertung der China-Währung sollten letztlich jedoch auch Aktien der Börse in Hongkong profitieren.

Zu den Top-Fonds bei A-Shares-Aktien zählt der

LionGlobal China A-Share Fund (ISIN: LI0280427258). Der Fonds erzielte im vergangenen Jahr eine Rendite von 22,11 Prozent.

Der Fonds investiert sein Vermögen vorwiegend (mindestens 51 Prozent) in chinesische A-Aktien von Unternehmen, die ihren Sitz oder den überwiegenden Anteil ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten in der Volksrepublik China haben und an den Börsen von Shanghai, Shenzhen oder an der Shanghai gehandelt werden.

Einer der besten China-Fonds, die auch breiter in Asien investieren, ist der
Comgest Growth China (ISIN IE0030351732). Der von der Ratingagentur Morningstar mit fünf Sterne hochdekorierte Fonds erzielte im vergangenen Jahr eine Rendite von 16,4 Prozent, in den vergangenen fünf Jahren jährlich 16,6 Prozent und auf zehn Jahre gesehen per anno 10,3 Prozent.

Kommentar
Ariel Bezalel, Jupiter Asset Management

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