Anlagestrategie: So denken drei Milliardenmanager

Anlagestrategie: So denken drei Milliardenmanager

Die drei Asset-Management-Bosse von US-Fondsriesen Franklin Templeton rechnen mit fallenden Eurokursen.

Die drei Investmentchefs der US-Fondsgesellschaft Franklin Templeton sind weltweit Herr über rund 800 Milliarden Dollar. Nun geben sie Einblick in ihre Einschätzung zur Entwicklung der Märkte für die nächsten Monate.

Was die drei CIOs von Franklin Templeton, Ed Perks, Aktienchef, Michael Hasenstab, Global-Makro-Boss und Asset Allocation-Boss Rick Frisbie empfehlen, hat Gewicht. Schließlich zählen sie zu den ganz großen Playern am Markt. Sie haben nun ihre Einschätzungen präsentiert. trend.at hat die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

1. US-Staatsanleihen meiden

Hasenstab: "Angesichts steigender Inflation und der Widerstandskraft der US-Wirtschaft können US-Schatzanleihen genauso schnell fallen, wie sie gestiegen sind, deshalb vermeiden wir dieses Feld."

2. Resistente US-Wirtschaft

Perks: "Wenn ich den Zustand der Wirtschaft und der Märkte in den USA in zwei Wörtern beschreiben müsste, dann würde ich sagen: stabil und widerstandsfähig. Letztendlich denke ich, dass die Widerstandskraft der Aktienmärkte sich zumindest zum Teil aus der Erkenntnis speist, dass die Verfassung der Unternehmen eigentlich ziemlich gut ist. Die Unternehmen sind weiterhin ziemlich im Gleichgewicht, und viele haben sich entschieden, ihr Kapital auf eine Weise einzusetzen, die Anteilsinhaber begünstigt, darunter die Einleitung oder Erhöhung von Dividenden und der Rückkauf von Anteilen."

Frisbie: "Die US-Wirtschaft ist tatsächlich beeindruckend resistent. Die Produktivitätssteigerung in den USA bietet zwar eine ideale Gelegenheit für eine Ablösung der Negativ- und Nullzinspolitik, aber wir sehen einfach keine verbreiteten Anzeichen für ein Wirtschaftswachstum in den entwickelten Märkten."

Frisbie: "Wir schauen weiterhin zuversichtlich auf den US-Markt, doch was Weltmarktführerschaft betrifft, sehen wir die Möglichkeit, dass der US-Aktienmarkt den Stab an Schwellenländer weitergibt."

2. Absicherung gegen fallenden Euro

Hasenstab: "Steigender Nationalismus stellt das gesamte Konstrukt der Eurozone in Frage. Angesichts der geopolitischen Schwierigkeiten, die sich innerhalb Europas entwickeln, erscheint die Möglichkeit, eine Fiskalunion zu bilden, zunehmend problematisch. Deshalb bevorzugen wir Shortpositionen im Euro als Absicherung gegen politische Risiken, die in Zukunft noch wachsen könnten. Der Aufstieg von Nationalismus und Populismus könnte sogar die gesamte Eurozone in Frage stellen."

3. Yen-Rallye könnte ins Gegenteil umschlagen

Hasenstab: "Die außergewöhnliche Rally auf den japanischen Yen drosselt die Wirtschaft und verstärkt den Deflationsdruck im Land. Unserer Ansicht nach werden die japanische Wirtschaft und japanische Politiker große Schwierigkeiten haben, den Yen auf diesem Inflationsniveau zu handhaben. Deshalb glauben wir, dass die massive Yen-Rally unbedeutend ist und vermutlich umschwingen wird."

4. Schwellenländer als große Chance für Anleger 2017

Hasenstab: " Es gibt mehrere globale Brennpunkte, und es besteht politische Unsicherheit in den USA. Wir konzentrieren uns dagegen auf Schwellenmärkte, weil wir festgestellt haben, dass etliche dieser Ökonomien, die wir früher als politisch instabil betrachtet haben, sich als weit stabiler herausgestellt haben. So haben die Schwellenländer zuletzt eine unglaubliche Widerstandskraft bewiesen. Dass sich höhere Zinsen negativ auf die Schwellenländer auswirken könnten, glaubt Hasenstab nicht. Auch künftige Zinserhöhungen sollten seiner Ansicht nach keine negativen Auswirkungen haben.

Chancen in Braslien, Mexiko, Indien und Indonesien

Wir haben lange Zeit mit angehaltenem Atem die Widerstandskraft der Schwellenmärkte beobachtet und es ist ermutigend zu sehen, dass dort nun reales Wirtschaftswachstum stattfindet. Gegenden, die früher als hochriskant und verwundbar eingeschätzt wurden wie Mexiko, Indonesien und Indien, verfolgen einen unserer Einschätzung nach sehr konsequenten Weg, wovon Investoren profitieren.

In Schwellenmärkten haben Länder wie Brasilien und Argentinien eine Zeit lang eine unorthodoxe Politik verfolgt und eine Art von Planwirtschaft betrieben. Nun sind diese Länder wieder zu einer herkömmlicheren, orthodoxen Politik zurückgekehrt. Mexiko ist ein weiteres Beispiel. Abgesehen von einigen Ausnahmen wie die Türkei und Venezuela sind die Schwellenmärkte im Großen und Ganzen relativ stabil, meiner Meinung nach weil ihre Ökonomien sich trotz eines verlangsamten Wachstums als widerstandsfähig erwiesen haben.

Wir gehen jedoch in den Schwellenländern sehr selektiv vor. Die Unterschiede werden vermutlich massiv ausfallen. Doch die Fundamentaldaten der Länder muss man sich individuell anschauen. Im Falle Brasiliens zum Beispiel ist die Währung (Real) gegenüber dem US-Dollar um 20 Prozent gestiegen, und die Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen ist von 16 Prozent Anfang des Jahres auf unter 12 Prozent in den vergangenen Tagen gefallen." Auch für Brasilien sieht der Emerging-Markets-Profi für Anleger gute Chancen auf Rendite: Das Land sei zwar in einer Krise, habe aber alles Negative ist inzwischen eingepreist, und erste Probleme werden gelöst. " Wir werden als Investoren schon bald für das Abwarten bezahlt werden."

5. Portfolio defensiver aufstellen

Frisbie: "Wir agieren defensiver an den Märkten als bisher. Es gibt einen Spruch, der lautet: „Wenn der CBOE-Volatilitätsindex (VIX) niedrig liegt, ist es Zeit, zu gehen.“ Der VIX wird oft als Gradmesser für Ängste bezeichnet, und wenn er niedrig steht, halten wir es für ratsam, sich ein wenig aus riskanten Anlagen zurückzuziehen. Derzeit steht der VIX bei etwa 13, aber der 20-Jahres-Durchschnitt liegt ein wenig über 20 oder 21. Dass der Index unter dem Durchschnitt liegt, weist darauf hin, dass Investoren sich weniger um Risiken sorgen und möglicherweise ein wenig nachlässig geworden sind."

673 Zinssenkungen seit 2008 - Vertrauen in Notenbanken sinkt

Frisbie: "Die Menschen verlieren allmählich das Vertrauen in Zentralbanken. Seit dem Zusammenbruch der Lehman Brothers 2008 haben die 50 wichtigsten Zentralbanken die Zinsen 673 Mal gesenkt, und Versuche mit negativen Zinsraten haben nicht funktioniert. Wir glauben, dass weltweit etliche Risiken lauern, deshalb ist es angebracht, defensiv zu agieren. Zugleich ist jedoch das positive Wachstum in Schwellenmärkten zum ersten Mal in vier Jahren gestiegen, und der übertriebene Absturz in Rohstoffen hat sich stabilisiert. In unserer Sicht gibt es jedoch zahlreiche Verwerfungen rund um die Welt, und vermutlich wird es zu Entkopplungen zwischen verschiedenen Zinsraten- und Währungssystemen kommen."


Die Fonds, die die drei Manager persönlich verwalten, zählen unter anderem der
Mischfonds Templeton Global Income Funds
und der globale Anleihenfonds Templeton Global Bond

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