Lufthansa stellt sich auf den Sichtflug ein

Lufthansa stellt sich auf den Sichtflug ein

Lufthansa Carsten Spohr rechnet mit mindestens leichten Turbulenzen für die Airline-Branche.

Die AUA-Mutter Lufthansa avisiert ihren Aktionären abermals eine Dividende - trotz rückläufigem Ergebnis. Die Airline stellt sich auf ein schwieriges zweites Halbjahr ein. Vorsorglich hat die Airline für den Winterflugplan die die Flotte reduziert sowie mehrere Langstrecken gestrichen. Der Rotstift wird auch bei den Frachtfliegern gezückt.

Frankfurt. Die gute Nachricht zuerst, die vor allem Aktionäre freut: Die AUA-Muttergesellschaft Lufthansa will trotz der jüngst gekappten Gewinnerwartungen für das Geschäftsjahr 2016 eine Dividende zahlen. "Alles, was derzeit an Kennzahlen vorliegt, macht uns dividendenfähig und lässt eine Auszahlung zu", erklärt Finanzchefin Simone Menne. Die endgültige Entscheidung über eine Auszahlung liege freilich beim Aufsichtsrat. Im Vorjahr hatte der Konzern eine Gewinnbeteiligung von 50 Cent je Aktie an seine Aktionäre ausgeschüttet.

Wie hoch die Dividende für 2016 ausfallen wird, ist indes noch schwer abschätzbar, wenngleich sich die Lufthansa selbst bei der Umsetzung seiner "Drei-Säulen-Strategie" gut im Plan sieht. "Überall dort, wo wir Veränderungen selbst beeinflussen können, sehen wir Fortschritte", sagt Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Das gelte vor allem bei der Kostensenkung und dem Ausbau der Billigflugtochter Eurowings, deren Aufbau laut Spohr gut vorankommt, die mit 67 Millionen Euro zur Jahresmitte unter dem Vorjahresergebnis liegt und rote Zahlen (Ebit: minus 89 Millionen Euro) schreibt trotz steigender Umsätze.

Die Lufthansa steht aber unter Druck. "Die Branche muss sich auf ein schwieriges zweites Halbjahr einstellen", räumt auch der Lufthansa-CEO ein. Die Terroranschläge in Europa sowie die zunehmende politische und wirtschaftliche Unsicherheit würden im Passagierverkehr Spuren hinterlassen. "Insbesondere die Vorausbuchungen auf der Langstrecke nach Europa sind deutlich zurückgegangen", sagt Spohr. "Wir rechnen mit einem weiterhin hohen Preisdruck."

Vor eineinhalb Wochen hatte sich die Lufthansa vom Ziel verabschiedet, den Vorjahres-Betriebsgewinn von 1,8 Milliarden Euro heuer zu übertrumpfen. Stattdessen dürfte es weniger werden, was der Lufthansa-Chef heute nochmals bestätigt hat. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Gewinn von knapp 1,5 Milliarden Euro. Die Umsätze der Lufthansa Group sind im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2016 um 2,1 Prozent auf 15,0 Milliarden Euro gesunken. Die Verkehrserlöse nahmen trotz höherer Passagierzahlen um 4,5 Prozent ab. Dies würde laut Lufthansa vor allem den Preisdruck bei den Airlines und im Frachtgeschäft widerspiegeln. Das Adjusted EBIT ist trotz geringerer Umsätze um 13 Prozent auf 529 Millionen Euro gestiegen.

Der Anlass für die Gewinnwarnung waren rückläufige Buchungen von Touristen aus Übersee, die üblicherweise lange im Voraus Flüge nach Europa buchen. Unter dem Eindruck der Terroranschläge in Europa seien die Buchungen aus Asien rückläufig. Neben rückläufigen Ergebnissen bei den Töchtern SunExpress und Brussels Airlines sowie bei der Billigflugtochter Eurowings drücken auch Rückgang im Frachtverkehr sowie bei Lufthansa Technik auf das Ergebnis.

Die Streichungen

Um weitere Kosten noch für das laufende Geschäftsjahr zu sparen, hat die Lufthansa für den Winterflugplan die Kapazitätsplanung angepasst: Ein Langstreckenflug sowie sechs Kurzstreckenflugzeuge werden aus dem Betrieb genommen. Sieben A330-Flugzeuge wurden aus dem Verkehr gezogen. Das führt allerdings auch zu einem geringeren Kapazitätswachstum - statt 4,1 Prozent wird die Kapazität somit nur um 3,6 Prozent wachsen.

Neben der Flottenreduzierung wurden für den Winter auch Strecken gestrichen. Dabei handelt es sich um sechs Langstrecken - darunter auch die Strecken Wien-Dehli sowie Wien-Tokio, die von Austrian Airlines bisher angeflogen wurden.

Den Rotstift setzt die Lufthansa derzeit auch im Management an. Heuer wurden laut Lufthansa 61 Managementpositionen in der Lufthansa-Gruppe gestrichen. Dies sei durch die Herausnahme einer Hierarchie-Ebene geschehen. Insgesamt sollen bis Ende 2017 die Zahl der Management-Positionen um 15 Prozent reduziert werden.

Trotz der angekündigten Kürzungen, konnten sich die Investoren für die jüngsten Zahlen nicht erwärmen. Der Kurs der Lufthansa-Aktie ging am Dienstag auf Talfahrt - die Aktie hat 3,31 Prozent an Wert verloren. Der Abwärtstrend setzt sich somit fort. Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 30 Prozent an Wert verloren.


Der Kranich als Ergebnisbringer

Die Treibend für die Ergebnisverbesserung der Lufthansa Group im ersten Halbjahr war die positive Entwicklung der Lufthansa-Mutter (einschließlich German Wings). Die sogenannte Lufthansa Passage ein um 281 Millionen Euro auf 387 Millionen Euro gestiegenes Ergebnis aus, entsprechend einer Margenverbesserung um 3,8 Prozentpunkte auf 5,2 Prozent. Dies ist unter anderem auf strikte Kapazitätsdisziplin zurückzuführen.

Die beste Marge der Netzwerk-Airlines hat mit 6,3 Prozent weiterhin SWISS, obwohl sich deren Ergebnis im ersten Halbjahr aufgrund der ökonomischen Effekte des starken Schweizer Franken um 47 Millionen Euro verschlechtert hat. SWISS schreibt ein Ebit in Höhe von 131 Millionen Euro. Der Umsatz ging hingegen um 110 Millionen Euro auf rund 2,1 Milliarden Euro zurück.

Die Austrian Airlines konnte ebenso ihr Ergebnis um 16 Millionen Euro verbessern und liegt nach dem vorläufigen Ebit nur noch knapp mit 1,0 Millionen Euro im Minus. Beim Umsatz konnte die AUA um 20 Millionen auf 972 Millionen Euro zulegen.

Sorgenkinder sind SunExpress und Brussels Airlines, deren Ergebnis sich um 40 Millionen Euro verschlechtert hat. Beide Beteiligungsgesellschaften sind derzeit in sehr schwierigen Märkten unterwegs.

Die Billigfluftochter Eurowings liegt zum Halbjahr um 67 Millionen Euro unter Vorjahresergebnis, was im Wesentlichen auf Aufbau- und Anlaufkosten sowie das anspruchsvolle Wettbewerbsumfeld zurückzuführen ist. Das negative Ebit ist somit auf ein Minus von 89 Millionen Euro angestiegen. Der Umsatz ist um 68 Millionen auf 922 Millionen Euro gestiegen.

Eien Verschlechterung steuert auch Lufthansa Cargo bei mit einem Rückgang von 95 Millionen Euro. Bei Cargo ist das Ergebnis (adjusted Ebit) auf minus 45 Millioen Euro gedreht. Im Frachtverkehr liegen die Durchschnittserlöse aufgrund der massiven Überkapazitäten mittlerweile auf dem Niveau der Finanzkrise von 2009. Lufthansa Cargo wird deshalb über ein Kostensenkungsprogramm 80 Millionen Euro einsparen, doppelt so viel wie ursprünglich geplant.

Auch bei den Servicegesellschaften Lufthansa Technik und der Catering-Sparte LSG Sky Chefs läuft das Geschäft nicht rund - sie liegen beim Halbjahresergebnis um 64 Millionen Euro bzw. 2 Millionen Euro unter den Vorjahreszahlen. Beide Bereiche schreiben aber mit 204 Millionen Euro und 24 Millionen Euro schwarze Zahlen.


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