Lufthansa und AUA in Turbulenzen: Airlines mit Verlusten

Die deutsche Lufthansa und die heimische AUA sind in Turbulenzen geraten. Das Konzernergebnis ist in die roten Zahlen gerutscht, der AUA machen die Billigairlines zu schaffen. Die Lufthansa-Aktie ist unter Druck.

Lufthansa und AUA in Turbulenzen: Airlines mit Verlusten

Der Lufthansa-Konzern und mit ihm die österreichsche-Tochter Austrian Airlines (AUA) sind auf Sinkfug. Ein deutlicher Gewinneinbruch und düstere Prognosen für die kommenden Monate haben der Aktie einen deutlichen Dämpfer verpasst. Der Konzern leidet unter den gestiegenen Kerosin-Preisen und dem starken Konkurrenzdruck in Europa. In Deutschland und Österreich ist der Wettbewerb der Airlines um die Passagiere besonders aggressiv, und es ist zunächst keine Änderung in Sicht.

Der Gewinn der Lufthansa ging im zweiten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahr um 70 Prozent zurück. Trotz eines um vier Prozent auf 9,6 Milliarden Euro gewachsenen Umsatzes blieben am Ende auch wegen einer unerwarteten Steuerrückstellung nur 226 Millionen Euro Gewinn.

AUA: Vorgabe klar verfehlt

Den Austrian Airlines hatte die Lufthansa einen Gewinn von mindestens 100 Millionen Euro pro Jahr vorgeschrieben, damit Investitionen in die Flotte finanziert werden können. Die Vorgabe wurde allerdings weit verfehlt. Statt der angepeilten Gewinne gab es deutliche Verluste. Die AUA spürt gestiegene Kerosinpreise und die Konkurrenz durch Billigairlines massiv. Der Aufwand für Flugbenzin stieg um 34 Millionen Euro, die Billigflieger kosteten laut Finanzvorstand Wolfgang Jani einen weiteren zweistelligen Millionenbetrag. Unter dem Strich ergab sich daraus im ersten Halbjahr ein Verlust von 53 Millionen Euro Verlust. Im gesamten Jahr soll das Ergebnis aber noch knapp positiv werden.

Dennoch geht Jani nicht von einer Kürzung des Investitionsprogramm aus: "Unser Ziel ist es, nachhaltig und langfristig im Durchschnitt die Profite zu steigern. Man geht nicht davon aus, wenn einmal ein schlechtes Jahr dabei ist, dass man gleich die ganzen Investitionspläne verwirft." Im Moment gebe es keine Anhaltspunkte, wieso Investitionen in die Langstreckenflotte über Bord geworfen werden sollten.

Marktbereinigung wird erwartet

Jani rechnet damit, dass der Konkurrenzdruck in absehbarer Zeit wieder abnehmen wird: "Es kann kein Neuer reinkommen, das ist völlig ausgeschlossen. Wir gehen eher davon aus, dass irgendwann eine Marktbereinigung stattfinden wird, denn zu diesen tiefen Preisen kann keine Airline langfristig ökonomisch wirtschaften."

Der AUA-Finanzchef setzt auch darauf, dass die Kunden die Preise mancher Airlines als "Mogelpackung" erkennen. Er wies auf - vom OLG Wien untersagte - hohe Gebühren für das Check-In am Flughafen hin und auch darauf, dass Ryanair etwa inzwischen aus Zusatzangeboten ähnlich hohe Einnahmen lukriert wie aus den Ticket-Verkäufen. Was seiner Schlussfolgerung nach bedeute, dass im Schnitt sich jedes Ticket durch Zusatzkosten im Preis verdopple.

Alle Sparten im Abwärtstrend

Der Abschwung trifft jedoch nicht nur die Marken Lufthansa und AUA. Alle Sparten des Airline-Konzerns verzeichneten Rückgänge. Auch die Billigtochter Eurowings, die nun zur Sanierung ansteht, und das Frachtunternehmen Lufthansa Cargo schrieben im Tagesgeschäft rote Zahlen. Zusammen mit dem negativen ersten Quartal hat Lufthansa in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 116 Millionen Euro Verlust eingeflogen. Vor einem Jahr stand hier noch ein Gewinn von 713 Millionen Euro.

Als Stütze des Geschäfts erwiesen sich bisher die Langstreckenflüge der Marken Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines. Vor allem auf den Strecken nach Nordamerika und Asien entwickelten sich Nachfrage und Ticketpreise sehr positiv. Allerdings warnte das Management vor einer allgemein schwächeren Wirtschaftsentwicklung, die bis Jahresende vor allem die kurzfristigen Buchungen in der Business und First Class beeinträchtigen könnten.

Das Europa-Geschäft bleibt umkämpft. Ryanair und Lufthansa beschuldigen sich gegenseitig, mit nicht kostendeckenden Preisen die Nachfrage anzuheizen. Die zu Ryanair gehörende Laudamotion ist teilweise mit Werbepreisen von unter 5 Euro für den Sitz unterwegs. Lufthansa-Finanzchef Ulrik Svensson bekräftigte den Willen seines Unternehmens, in den hochattraktiven Heimatmärkten Deutschland, Schweiz und Österreich die Marktanteile und Flugrechte zu verteidigen. "Daher ist es sinnvoll, einige Einbrüche in unserer Gewinn- und Verlustrechnung hinzunehmen."

Börse reagiert verschnupft

Lufthansa-Aktie; ISIN DE0008232125; 5-Jahres-Entwicklung

Lufthansa-Aktie; ISIN DE0008232125; 5-Jahres-Entwicklung

An der Börse wurden Zahlen und Prognosen sehr negativ aufgenommen. Die Lufthansa-Aktie (DE0008232125 ) gab nach Bekanntgabe des Halbjahresergebnisses zeitweise mehr als sechs Prozent ab und war damit größter Verlierer im Dax. Seit dem Jahreswechsel hat die Aktie bereits gut ein Viertel an Wert verloren. Im Vergleich zum Rekordhoch von Anfang 2018 hat sich ihr Kurs mehr als halbiert.

Für das laufende Jahr hat die Lufthansa-Führung um Vorstandschef Carsten Spohr ihre Erwartungen bereits Mitte Juni zusammengestrichen. Sie geht nun von einem operativen Gewinn zwischen 2,0 und 2,4 Milliarden Euro aus. Ursprünglich hätten es 2,4 bis 3,0 Milliarden Euro werden sollen. Im Vorjahr hatte die Lufthansa bei dieser Kennzahl (bereinigtes Ebit) 2,8 Milliarden Euro erzielt. Trotz des erwarteten Rückgangs will sich das Unternehmen bemühen, für 2019 eine stabile Dividende von 80 Cent je Aktie auszuschütten.

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