Lohnt sich der Einstieg in Japan-Aktien noch?

Trend.at sprach mit Japan-Experten Tadahiro Fujimura aus Tokio und Manager eines milliardenschweren Small- und Midcap-Fonds über die wirtschaftliche Verfassung Japans, die Folgen strikter Einwanderungspolitik und Überalterung der Gesellschaft und warum er Nippon-Aktien für gute Investments hält.

Lohnt sich der Einstieg in Japan-Aktien noch?

Menschen so weit das Auge reicht. Doch in Japan herrscht akuter Arbeitskräftmangel, doch die Firmen sind in Aufbruchstimmung.

In den vergangenen fünf Jahren war Wirtschaft und Börse im Land der aufgehenden Sonne im Glückstaumel. Die Kurse des Börsenbarometers Nikkei reagierten darauf mit einem Luftsprung von 75 Prozent. Insgesamt ist die Wirtschaft bis 2018 acht Quartale in Folge gewachsen. Das hat es seit den Boomjahren in den 80er Jahren nicht gegeben.


Doch seit Jahresanfang ist die Wirtschaft ins Stocken geraten. Die längste Wachstumsphase der japanischen Wirtschaft seit Jahrzehnten hat Anfang des Jahres vorerst ihr Ende genommen. Und nun droht Japan sogar in die Rezession abzugleiten. Die bis dahin robuste Nachfrage bei Verbrauchern knickt ein. Der starke Yen macht den Exporteuren, das Land ist ähnlich wie Deutschland stark von Exporten abhängig, zunehmend das Leben schwer. Und die Inflation will und will nicht steigen. Die Kerninflation liegt bei 0,7 Prozent und damit weit entfernt von der von der Bank of Japan, der Notenbank des Landes, angepeilten zwei Prozent.

War es das nun? Aktien verkaufen oder gar nicht erst mehr in Nippon-Aktien einsteigen?

Doch Experten gehen davon aus, dass sich die japanische Wirtschaft wieder erfängt. Dafür sorgt schon einmal die Notenbank, die nach wie vor Geld in den Markt pulvert und die Zinsen unter null Prozent hält. Damit sollen Banken davon abgehalten werden, Geld bei der Notenbank zu parken, statt es als Kredite für Investitionen zu vergeben. Wie in Europa und den USA könnte das, wie nach der Finanzkrise, einer darniederliegenden Wirtschaft, über Jahre neues Leben einhauchen.

Geldflut hält an

„Firmen sind wieder positiv gestimmt und beginnen ihre Mentalität zu ändern“, erzählt Tadahiro Fujimura gegenüber trend.at. Er sitzt in der Chefetage von Sparx Asset Management, einer der größten Small- und Midcap-Manager Japans und managt für den Asset Manager Swisscanto den Small & Mid Caps Japan Fonds (ISIN: LU0123487463) „Jahrzehntelang war es für Firmen eine gute Idee abzuwarten und nichts zu investieren“. Schließlich haben alle abgewartet: Konsumenten mit Käufen, in der Hoffnung auf sinkende Preise, und in Folge dessen Firmen mit Investitionen. Diesen Teufelskreis hat Premierminister Shinzō Abe und in seinem Auftrag die Notenbank mit ihrer massiven Geldflut durchbrochen. Nach dem Wachstumsknick seit Jahresbeginn hat Notenbankchef Haruhiko Kuroda deshalb auch einer baldigen Abkehr von der Politik des billigen Geldes eine Absage erteilt. Das wiederum sollte auch die Börse wieder beleben.

Doch der Aufschwung in den vergangenen Jahren hat ein Problem verschärft. Japan fehlen an allen Ecken und Enden die Arbeitskräfte. „Es gibt keine Region und keine Industrie, die nicht unter Arbeitskräftemangel leidet. Manche müssen Geschäfte oder Produktionen schließen, weil sie keine Leute finden andere können gar nicht erst welche eröffnen“, so Fujimura. Die Firmen tun mittlerweile alles um Mitarbeiter zu bekommen oder auch nur zu halten. „Viele investieren beispielsweise in neue Büromöbel, damit sich die Mitarbeiter wohl fühlen“, so der Experte von Sparx Asset Management.

Arbeitsmark für Ausländer leichter zugänglich

Selbst die strickte Beschränkung von Immigranten wurde zuletzt etwas gelockert, um für Entspannung am Arbeitsmarkt zu sorgen. Bisher erhielten Ausländer nur in äußerst beschränkter Zahl und mit einem hohen Ausbildungslevel für maximal drei Jahre eine Arbeitsbewilligung. Nach den neuen Visa-Regeln dürfen Immigranten bis zu fünf Jahre bleiben dürfen. Hilfsarbeitsjobs waren jene Immigranten zugänglich, die einen temporären Praktikanten-Status erhielten. Sie dürfen künftig länger und bis zu zehn Jahre bleiben. Der Ausländeranteil liegt in Japan derzeit bei einem Prozent.

Gehälter steigen, Konsum sollte langfristig angekurbelt werden

Hoffnung wecken bei Ökonomen auch die steigenden Gehälter der Japan. Sie sind im Grund zwischen dem Jahr 2000 und 2014 nicht gestiegen und ziehen seither an. Auch 2018 rechnet das Handelsministerium mit einem leichten Plus. Die Firmen sind auch in der Lage höhere Gehälter zu zahlen, steigen doch auch die Gewinne.


Viele Firmen können das erste Mal seit 20 Jahren die Preise erhöhen

2018 werden die Gewinne laut Prognosen von Vermögensverwalter Sparx im Schnitt um vier Prozent steigen. Die höchsten Ertragszuwächse werden in der Elektronikindustrie erwartet, gefolgt von Informations- und Kommunikationsindustrie, Großhandel, Maschinenbau, Versicherungen und im Bau. "Viele Firmen können das erste Mal nach zwanzig Jahren ihre Preise erhöhen", erläutert Fujimura die neue ökonomische Realität in Japan.

Firmen werden rentabler - Firmen sitzen auf viel Cash

Die Rentabilität von Kapitalanlagen großer Unternehmen im Japan-Aktienindex Topix sind in den vergangenen acht Jahren von Minus einem Prozent auf plus elf Prozent geklettert. Und das obwohl die Umsätze der Firmen nur moderat gestiegen sind und sich die makroökonomischen Rahmenbedingungen in dieser Zeit nicht so stark geändert haben. Die Firmen verfügen, nach Jahren in denen sie nur geringe Investitionen getätigt haben und sparsam mit Ressourcen umgegangen sind, im Vergleich zu anderen entwickelten Volkswirtschaften über wesentlich mehr liquides Kapital. Das Geld investieren Unternehmen nun sehr diszipliniert oder nehmen zusätzliche Ausschüttungen für Aktionäre vor. Unabhängig davon, wie sich die Preissteigerungsraten in Japan entwickeln werden, sind die fundamentalen Rahmendaten der Unternehmen weiterhin sehr robust


Die Europäer lieben die Vorstellung Chinas Wirtschaft könnte kollabieren und die Schulden das Land erdrücken, aber das wird nicht passieren

Japan profitiert vom starken Wachstum Chinas

Auch das robuste Wirtschaftswachstum in China kommt Japan zugute. „Die Europäer lieben die Vorstellung Chinas Wirtschaft könnte kollabieren und die Schulden das Land erdrücken, aber das wird nicht passieren .Das Land steht gut da und wird weiter kräftig wachsen“, prognostiziert Fujimura. Und davon werde auch Japans Wirtschaft profitieren. "


Ich möchte, dass mit den Olympischen Spielen 15 Jahre Deflation und wirtschaftlicher Niedergang passé sind

Was ebenfalls für japanische Aktien spricht, ist Olympia. Das Ergeignis steht 2020 ins Haus. Experten rechnen deshalb mit höherem Wirtschaftswachstum und einem Anschub der Börse. Premierminister Shinzō Abe, der alles daran setzt die Wirtschaft anzukurbeln, hofft darauf. „Ich möchte, dass mit den Olympischen Spielen 15 Jahre Deflation und wirtschaftlicher Niedergang passé sind.“ Nach Einschätzung der Bank of Japan ist das durch höhere Infrastrukturausgaben vor den Spielen und durch mehr Tourismus. So wurden jetzt schon viele Maßnahmen gesetzt, um den Tourismus anzukurbeln. Insgesamt soll die Zahl ausländischer Besucher von 28,7 Millionen im Jahr 2017 auf 40 Millionen im Jahr 2020 und 60 Millionen im Jahr 2030 steigen.

Nippon-Aktien deutlich billiger als Aktien im Dax oder S&P

Nippon-Aktien sind, trotz der Kursanstiege in den vergangenen fünf Jahren, im Unterschied zu hoch bewerteten, amerikanischen oder europäischen Aktien, noch günstig bewertet. Betrachtet man die Relation von Aktienkursen zu Buchwerten, den Substanzwerten der Firmen, sind japanische Aktien auf einem ähnlichen Niveau, wie zu Zeiten der globalen Finanzkrise vor rund zehn Jahren. Das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis für den Nikkei-Index liegt dank steigender Gewinne bei 17, die Dividendenrendite liegt bei im Schnitt 1,8 Prozent. Somit bieten viele japanische Aktien ein weitaus attraktiveres Risiko-Rendite-Verhältnis, als etwa der amerikanische Dow Jones-Index mit einem KGV von knapp 23.

Vorteil von Investments in kleiner Firmen japanischer Aktien

Die Auswahl japanischer Small und Midcaps ist groß. So stehen 233 großkapitalisierte Unternehmen (Marktkapitalisierung von 5,6 Milliarden Dollar und mehr) rund 3.400 Small- und Midcaps gegenüber. "Kleiner Unternehmen sind in der Lage wesentlich besser und schneller auf den technologoischen Wandel zu reagieren als die großen Unternehmen in Japan, die vielfach über starre Strukturen verfügen", argumentiert Fujimura. Kleinere Firmen würden deshalb auch im Schnitt deutlich höhere Wachstumsraten aufweisen. Sparx-Manager Fujimura erzählt von der Schwerfälligkeit manche großer Player: "Es gibt etwa ein Bank in Japan, die hat vor zehn Jahren ein Software-Update gestartet und sind bis heute damit noch nicht durch." Viele Big Caps täten sich auch mit den neuen höheren Wachstumsraten schwer.

Trotz vieler guter Argumente für japanische Aktien, sollte man mit einem Investment noch abwarten. Erst wenn die Wirtschaft wieder wächst, sollte man mit einer kleinen Tranche einen Einstieg wagen, am besten mit Fonds.

Die besten Japan-Aktienfonds in den vergangenen fünf Jahren:

Parvest Japan Samll Cap Classic (ISIN: LU0251807987) brachte Investoren in fünf Jahren pro Jahr 19,6 Prozent Rendite. Der Fonds hält rund 150 Aktien mit Schwerpunkt Tech, Industriewerte und zyklische Konsumgüter.
Swisscanto Equity Fund Small Mid Cap Japan (ISIN: LU0644935313). Der Fonds erzielte in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt eine Rendite von 16,9 Prozent. Das Fondsmanagement besucht sämtliche Firmen in die sie investieren laufend. Im Portfolio sind rund 60 Firmen. Das Management verfügt über 28 Jahre Erfahrung im Managen von Smallcaps. Der Gründer war früher ein Berater des Georg Soros Fonds Qunatum gewesen. Sparx Asset Management, die für Swisscanto den Japan-Fonds managen, verwalten insgesamt 10,6 Milliarden Dollar. Hauptsitz der Firma ist in Tokio, mit Büros in Hongkong und Seoul.

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