"Leute haben Gold gekauft, als ob die russische Armee einmarschiert"

Rudolf Brenner, Geschäftsführer des Wiener Edelmetallhändlers philoro, mit Filialen von Hamburg bis Hongkong, sprach mit dem trend wie die Kunden in den ersten Tage nach dem Ausbruch des Corona-Virus reagiert haben, wie das Online-Geschäft während des Shutdowns lief und wie er die Chancen auf weitere Kurszuwächse nach der jüngsten Goldrallye sieht.

"Leute haben Gold gekauft, als ob die russische Armee einmarschiert"

Rudolf Brenner, Chef des österreichischen Edelmetallhändlers philoro, hat in fünf Ländern Filialen, eine davon sogar in Hongkong.

trend: philoro zählt zu den größten Goldhändlern Europas und ist mit 14 Filialen in Österreich, Deutschland, Liechtenstein der Schweiz und in Asien vertreten. Wie hat sich der Beginn der COVID-19-Pandemie in ihren Filialen bemerkbar gemacht?
Brenner: Zu Beginn der Pandemie wurden unsere Filialen regelrecht gestürmt. Die Leute sind Schlange gestanden. Es wurde hierzulande Gold gekauft, als ob die russische Armee einmarschieren würde. Das waren reine Angstkäufe. Unser Umsatz hat sich in diesen Wochen verzehnfacht.


Der Goldmarkt war fast leergefegt

Wie ist es philoro im darauffolgenden Shutdown ergangen? Konnten Sie die Nachfrage durch den Onlinehandel ausreichend bedienen?
Wir hatten schon vorher einen gut funktionierenden Onlinehandel, wenn auch nicht mit der Dimension vergleichbar, die nach den Betretungsverboten von Geschäften kam. Aber wir waren in einer guten Ausgangslage. Wir haben schon vor dem Ausbruch der Pandemie, auch dank unseres neuen Investors Max Turnauer, hohe Gold-Bestände aufgebaut und konnten so selbst die große Menge an Bestellungen gut bewältigen. Das obwohl der Goldmarkt fast leergefegt war. 70 Prozent des weltweit geförderten Goldes, wird in der Schweiz zu Goldbarren verarbeitet wird, davon war im März auf Grund der Maßnahmen gegen den Corona Virus nicht mehr viel verfügbar.

Vielen Onlinehändlern machte durch den sprunghaften Anstieg der Nachfrage auch die Logistik zu schaffen. Wie ist es Ihnen ergangen?
Wir haben mittlerweile ein eigenes Logistikcenter für unsere Gold- und Silbertransporte und waren daher, trotz hoher Nachfrage, jederzeit praktisch voll lieferfähig. Nur die Lieferzeiten mussten wir geringfügig von zwei auf maximal fünf Tage ausdehnen.


Hatten bis zu 2.500 Bestellungen am Tag

Wie viele Bestellungen hatten Sie zu Spitzenzeiten auf philoro.at?
2.500 Bestellungen am Tag waren schon dabei. Im Schnitt waren es in den vergangenen Wochen rund 1.000 Bestellungen am Tag.

Wie ist die Nachfrage nach physischem Gold mittlerweile und gibt es am Markt wieder genügend Ware?
Die Nachfrage hat sich auf einem nach wie vor hohen Niveau stabilisiert und es sind auch wieder ausreichend Goldbarren und –münzen am Markt und natürlich bei philoro verfügbar.


Gold hat die besten Voraussetzungen auch heuer wieder die beste Assetklasse zu werden

Seit den Ankündigungen der Notenbanken in den USA und in Europa Mitte März gewaltige Summen für die Rettung der Wirtschaft locker zu machen, haben sowohl Aktienmärkte als auch der Goldkurs eine starke Rallye hingelegt. So mancher Anleger fürchtet das Beste bereits versäumt zu haben. Hat der Goldpreis heuer noch Potential?
Gold war schon im Vorjahr die erfolgreichste Assetklasse und hat beste Voraussetzungen es auch heuer zu werden. Selbst wer erst im März eingestiegen ist, zählt bei einem zweistelligen Kursanstieg seither zu den großen Gewinnern. Es wird 2020 noch längst nicht alles an Performance gewesen sein. Leute die in der Corona Krise gekauft haben sind wenigstens in diesem Bereich Gewinner.


Prognostiziere Kursanstieg auf 2.600 Dollar

Die Bank of America hat nach einem Kurssprung des Goldpreises auf 1.700 Dollar das Kursziel jüngst für die kommenden eineinhalb Jahr von 2.000 Dollar je Feinunze auf 3.000 Dollar erhöht. Mit welchem Kursanstieg rechnen Sie?
Ich prognostiziere einen Kursanstieg auf 2.600 Dollar in den nächsten zwölf Monaten.


Rettungspakete in Billionenhöhe führen zwangsläufig zu Inflation

Was sind die Gründe für einen weiteren Anstieg des Goldpreises?
Das Umfeld für Gold und Silber ist extrem gut, und das gleich aus mehreren Gründen.
- Die Zinsen sind historisch niedrig und werden es noch lange bleiben. Denn die hoch verschuldeten Staaten können es sich nicht leisten, höhere Zinsen zu zahlen, private Haushalte ebenso wenig. Sparbücher und Anleihen sind unter diesen Umständen keine lohnende Anlageform. Schon alleine deshalb bleibt Gold attraktiv.
- Hinzu kommt, dass die Wirtschaft durch die Corona-Krise nachhaltigen Schaden erlitten hat, was bei den Anlegern für Unsicherheit sorgt. Es mussten Rettungspakete in Billionenhöhe bereitgestellt werden, das führt zwangsläufig zu Inflation. Es wird zu einer massiven Umverteilung von Vermögen kommen, wie bei der letzten Krise von Arm zu Reich.
- Auch soziale Spannungen sind deshalb zu befürchten, zumal Politiker mitunter auch Angst schüren, um ihre Maßnahmen zu rechtfertigen. Schon jeder einzelne dieser Faktoren ist Grund genug, um den Goldpreis weiter steigen zu lassen.


Relevant ist, was der Realwirtschaft bevorsteht

Was könnte die Flucht in Gold in nächster Zeit anheizen?
Relevant ist, was der Realwirtschaft bevorsteht. Mit dem Ende des Lockdowns wird keine Normalität einkehren. Es wird zu vielen Pleiten kommen, die ersten waren bereits im Frühjahr, aber im Herbst wird es zu einer enormen Welle von Insolvenzen kommen. Dann wird sich auch zeigen, in welchem desaströsen Zustand sich die Wirtschaft tatsächlich befindet.


Solange es keine Zinserhöhungsphantasie gibt, bleibt Gold gefragt

Wie lange schätzen Sie, wird der Goldpreis steigen?
Solange es keine Zinserhöhungsphantasie gibt, bleibt Gold gefragt. Die Goldpreisrallye wird schon alleine deshalb noch viele Jahre anhalten. Erst nach einer Währungsreform oder einem Schuldenschnitt, beides unumgängliche Notwendigkeiten , rechne ich mit möglichen Zinserhöhungen.

Gold gilt auch als gute Absicherung gegen steigende Inflation. Halten Sie eine solche Entwicklung für wahrscheinlich?
Die Inflation wird kommen, wenn nicht morgen, dann mit Sicherheit übermorgen. Die Preise einzelner Güter, vor allem Sachwerten, wie Gold und Immobilien, werden schon früher anziehen. Zu Preisanstiegen wird es auch durch Schocks in der Lieferkette kommen, die Globalisierung kehrt sich gerade ins Gegenteil um. Fehlt beispielsweise bei der Produktion eines Smartphone-Modells auch nur ein Teil und kann deshalb nicht gebaut werden, steigt der Preis der noch lieferbaren Stücke. Mit Fortschreiten der Wirtschaftskrise werden zudem protektionistische Maßnahmen gängige Praxis werden, das haben wir auch bei der letzten Krise gesehen.


In Indien ist die Nachfrage seit 100 Jahren konstant hoch

Die Menschen in Indien und China kaufen traditionell große Mengen physischen Goldes, speziell während der Hochzeitssaison im Herbst. Droht wegen den Folgen der Pandemie eine Abschwächung der Nachfrage?
In Indien ist die Nachfrage seit 100 Jahren konstant hoch, das wird auch so bleiben. China ist ein riesiger Goldmarkt. Viel Kapital sucht dort nach wie vor nach Anlagegelegenheiten es gibt in diesen Regionen eine andere Mentalität im Bezug auf Gold , weshalb ich davon ausgehe, dass auch die Nachfrage hoch bleibt.

Weltweit hat sich die Nachfrage nach physischem Gold im ersten Quartal sprunghaft erhöht. Wer waren die großen Käufergruppen seit Ausbruch der Pandemie?
Private, Hedgefonds und Banken. Diese haben in einer Dimension zugekauft, die den Goldmarkt extrem beflügelt haben. Auch physisch hinterlegte Gold-ETFs waren gefragt. Alleine im ersten Quartal betrugen die Mittelzuflüsse in Gold ETFs über 23 Milliarden Dollar. Das entspricht 300 Tonnen Gold. Zukäufe von Gold-ETFs korrelieren stark mit der Entwicklung des Goldpreises.


Erwarten einen Umsatzzuwachs von 80 Prozent

Welche Umsatzzuwächse erwarten Sie für Ihr Unternehmen, angesichts solcher Entwicklungen?
philoro hat bereits in den vergangenen Jahren ein starkes Wachstum verzeichnet. Für heuer rechne ich mit einem Umsatzzuwachs von 80 Prozent. Damit dürften wir die Eine-Milliarde-Euro-Marke knacken. Noch 2019 lag unser Umsatz bei rund einer halben Milliarde Euro.


Unser Green-Gold-Fonds investiert ausschließlich in nachhaltig geschürftes Gold

Sie haben in den vergangenen Jahren stark expandiert. Was ist Ihr aktuelles Projekt?
Wir haben in der Vergangenheit unser Filialnetz ausgebaut und verfügen nun über zusätzliche Zweigstellen in Hamburg, Zürich und Hongkong. Von den insgesamt 14 Filialen sind vier davon in Österreich, fünf in Deutschland. Unser aktuelles Projekt ist der philoro responsible Gold ETC. Ein Green-Gold-Fonds, der ausschließlich in nachhaltig geschürftes Gold investiert. Das bedeutet, der Abbau des Goldes läuft unter ethisch korrekten Bedingungen ab, was auch genau überprüft und dokumentiert wird, das gilt generelle für alle Produkte der Marke philoro. Mit diesem Nachhaltigkeitsfonds, dessen Goldbestand an eine Anleihe gebunden ist, sind wir Pioniere. Der Fonds wird von institutionellen Investoren bereits gut angenommen.

Zur Person:
Rudolf Brenner ist seit rund 20 Jahren im Veranlagungsbereich tätig, unter anderem bei der Deutschen Bank, Dale Investment Advisors und dem Bankhaus Vontobel. Er ist Verfechter der österreichischen Schule der Nationalökonomie. Um seine Idee eines bankenunabhängigen Edelmetall-Handelshauses zu verwirklichen, gründete er gemeinsam mit René Brückler und Mark Valek die philoro EDELMETALLE GmbH.

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