Lebensversicherung: Das Ende des Garantiezins?

Lebensversicherung: Das Ende des Garantiezins?

Die extreme Niedrigzinspolitik der EZB lassen den Garantiezins für Lebensversicherungen zu einem Drahtseilakt werden.

Die Niedrigzinspolitik der EZB zwingt die Finanzmarktaufsicht dazu, den Garantiezins immer weiter zu senken, um die Lebensversicherungen nicht in ihrer Stabilität zu gefährden. 2017 soll noch ein Minimum gezahlt werden. Doch wie lange noch? Wie ausländische Assekuranzen auf das Zinsproblem reagiert haben und welche Lösungen Experten vorschlagen.

Mit den Lebensversicherungen geht es rapide bergab. Zumindest für die Anleger, denn der Garantiezins sinkt beständig. Bereits seit 1. Jänner 2016 dürfen Lebensversicherer maximal 1,0 Prozent Zinsen garantieren. Bis dahin waren es noch 1,5 Prozent gewesen. Doch dabei soll es nicht bleiben. Im kommenden Jahr soll der Zins laut den Oberösterreichischen Nachrichten auf 0,5 Prozent sinken. Ob das das Ende der Fahnenstange ist, bleibt jedoch zu bezweifeln. 2018 könnte sich die Finanzmarktaufsicht (FMA) - sie ist die Hüterin der Versicherungen und legt den Garantiezins fest - gezwungen sein, diesen sogar noch einmal zu kappen.

Die FMA legt die Höhe des Garantiezinses per Verordnung fest. r Garantiezins wird nach einer Formel berechnet, die sich an der zuletzt stark gesunkenen Rendite für Staatsanleihen orientiere.Basis für den neuen Zinssatz ist ein Verordnungsentwurf. Die FMA bestätige zwar den Entwurf, nicht aber dessen Inhalt. Dem Vernehmen nach hat die Finanzmarktaufsicht schon längst einen Zinssatz unter ein Prozent gefordert. Bisher hat sich die Branche dagegen gewehrt und argumentiert ein Prozent wäre darstellbar. Damit dürfte aber 2017 Schluss sein.

Versicherer wollen Aufschub

Manche Versicherungen wollen dem Vernehmen nach erreichen, dass der niedrigere Garantiezins erst im Laufe des Jahres 2017 in Kraft tritt, weil sie ihre Produkte darauf abstimmen müssten. Aufsicht und Branche verhandelten darüber noch.

Niedrige Zinsen, große Versprechen

Dass die Finanzmarktaufseher aus Sorge, um die Versicherungswirtschaft die Zinsen senken will, kommt nicht von ungefähr. Die Branche ächzt seit Jahren unter den Niedrigzinsen. Diese schmälern die Erträge von Lebensversicherungen erheblich. Je länger diese Niedrigzinsphase dauert, umso schwieriger wird die finanzielle Lage der Assekuranzen, wenn viele von ihnen derzeit auch noch einen guten Finanzpolster haben.
Zusätzlich verschärfen hochdotierte Altverträge das Problem, da in diesen vielfach noch Garantiezinsen von bis zu vier Prozent garantiert werden. Die geplante Senkung des Garantiezinses nennt die Manfred Rapf, Vorsitzender der Sektion im Versicherungsverband und Vorstand der s Versicherung denn laut den Oberösterreichischen Nachrichten auch eine logische Konsequenz der Zinspolitik in Europa: "Wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen bei null oder sogar darunter hält, kann man als Anbieter von Garantieprodukten nicht durchgehend darüber anbieten." Es sei aber immer noch besser, "eine Garantie und damit Sicherheit auf niedrigem Niveau zu haben als keine Sicherheit"

Deutsche und Schweizer Assekuranzen ziehen die Reißleine

Viele deutsche und Schweizer Versicherungen haben deshalb ihre Strategien bereits geändert. Sie geben bereits an, keine garantierten Zinsen mehr erwirtschaften zu können. In Deutschland haben sich aufgrund des Renditedrucks in Deutschland gar bereits immer mehr Versicherungen komplett aus dem klassischen Geschäft mit Lebensversicherungen verabschiedet.

Austro-Versicherer noch optimistisch

Nicht so jedoch österreichische Versicherungen. Viele von ihnen halten trotz des schwierigen Zinsumfelds an der klassischen Form der Lebensversicherung, inklusive Garantiezins, fest, etwa die OÖ-Versicherung und die s-Versicherung.

Uniqa setzt auf Nettobeitragsgarantie

Die Uniqa hat dagegen bereits die Konsequenzen aus den anhaltend niedrigen Zinsen gezogen und bietet bereits seit längerem Lebensversicherungen ohne Garantiezins an. Stattdessen gibt es eine Nettobeitragsgarantie. Im Gegensatz zu anderen Produkten fallen so laut Uniqa geringere Abschläge bei Versicherungsrückkäufen an.

Bei Lebensversicherungen fließen die Prämien in den Deckungsstock. Dieser ist bei einer Insolvenz der Versicherung geschützt. Hinzukommt eine Gewinnbeteiligung. Dieser zusätzliche Ertrag wird an den Kapitalmärkten erwirtschaftet und jährlich von den Versicherungen angepasst.

Lösung: Zinssatz von Jahr zu Jahr neu festlegen und nur am Ende garantiert

Experten wie Jochen Ruß, Geschäftsführer der Gesellschaft für Finanz- und Aktuarwissenschaft in Ulm plädiert als alternative Lösung für einen flexibleren Garantiezins, der von den Assekuranzen Jahr zu Jahr neu festgelegt werden kann. Im Gegenzug erhalte der Kunde eine garantierte Ablaufleistung, die mit einem höheren Zins kalkuliert ist, erklärte Ruß. Für den Versicherer bedeutet das, dass er den Zinssatz von 1,5 Prozent zwar über die Laufzeit, aber nicht in jedem einzelnen Jahr erreichen muss und dürre Jahre so glätten kann.

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