Latinostaaten beenden Protektionismus – Börsen jubeln

Latinostaaten beenden Protektionismus – Börsen jubeln

Die neue brasilianische Regierung will die Preise nicht mehr kontrollieren und den Wettbewerb ankurbeln.

In Brasilien und Argentinien geht im Gegensatz zum Westen die Epoche der Staatsinterventionen zu Ende. Welche Auswirkungen diese Politik auf die Volkswirtschaften hatte, wie sich der neue Kurs auswirkt und wie die Börse reagieren. Welche Fonds sich empfehlen.

1000 Prozent Inflation und ein Niedergang der Wirtschaft: Protektionismus und andere hohe staatliche Interventionen können hohen Schaden anrichten, wie Venezuela, Brasilien oder Argentinien zeigen. Doch in Lateinamerika kehren große Nationen dieser Politik immer öfter den Rücken.

Die Rohstoffexporteure Argentinien, Brasilien und Venezuela haben in den vergangenen Jahren stark unter sinkenden Rohstoffpreisen gelitten. Um ihre so unter Druck geratenen Volkswirtschaften wieder auf die Beine zu helfen, haben die sozialistischen Regierungen diese Länder tief in die Trickkiste gegriffen. Preise wurden kontrolliert, Devisen beschränkt, Wechselkurse beeinflusst, Sozialleistungen erhöht, ebenso der Druck auf die Privatwirtschaft.

Protektionismus im Westen hätte ähnliche Folgen

Doch es hat kein gutes Ende genommen. Brasilien und Argentinien steuern inzwischen in die entgegengesetzte Richtung, Venezuela weigert sich jedoch seinen Kurs zu ändern. "Unserer Ansicht nach liefert ein Vergleich der jeweiligen Erfahrungen wertvolle Lektionen für politische Entscheidungsträger, die derzeit Gefahr laufen, dem Sirenengesang der staatlichen Abschottung zu verfallen", so Michael Hasenstab, Chef des Global Makro Teams der US-Fondsgesellschaft Franklin Tempelton.

Selbst wenn sich fortgeschrittene Volkswirtschaften in Bezug auf ihre makroökonomische Daten in einer sehr viel stärkeren Position als diese Länder befinden, "würde die wirtschaftlichen Folgen einer fehlgeleiteten Politik ähnlich ausfallen", resümiert Hasenstab.

Sinkender Wettbewerb, teure Währung, hohe Verschuldung

So haben die Folgen des Protektionismus zu erheblichen negativen Folgen geführt. So stieg in diesen Ländern die Inflation deutlich, das Wirtschaftssystem des jeweiligen Landes wurde stark verzerrt, das Produktivitätswachstum wurde belastet. „Die Folgen, die diese fehlgeleitete makroökonomischen Politik angerichtet hat, wird derzeit in Argentinien und Brasilien wieder rückgängig gemacht“, so Hasenstab.

Reich, aber hoffnungslos: Venezuela

In Venezuela sind die Auswirkungen staatlicher Interventionen besonders stark spürbar. Preiskontrollen haben in dem Land dazu geführt, dass die Supermarktregale leer sind und das Geld rapide an Wert verliert. Templeton ist daher, was die Zukunft Venezuela betrifft, äußerst pessimistisch. Das extrem protektionistisch agierende Land verfügt zwar über umfangreichere Ölreserven als Saudi-Arabien, gleichzeitig aber auch über die weltweit am schnellsten schrumpfende Wirtschaft, eine Inflation, die Schätzungen zufolge auf die Marke von 1000 Prozent zusteuert.

Lebensmitteln und Medikamente sind knapp und das Land am Rande einer humanitären Krise. Die Verfügbarkeit von Devisen wurde eingeschränkt. Mit der Folge, dass Güter knapp wurden. "Man kann sich kaum desolatere Zustände vorstellen“, erzählt Hasenstab. Der Mangel an Devisen ließ gleichzeitig die Inflation steigen, weil er die Preise der importierten Waren erhöhte.

Argentinien nach Liberalisierungen wieder auf Kurs

Staatliche Kontrollen und ein hohes Maß an Isolationismus haben auch die argentinische Wirtschaft an den Rand des Abgrunds gedrängt. Bereits 2001 legte die Nation den bislang größten Staatsbankrott der Geschichte hin. Danach regierten Linke in Buenos Aires, erst Néstor Kirchner, dann seine Witwe Cristina, die das Land wirtschaftlich abschotteten - und in die nächste Pleite führten. Die Währung wurde künstlich hoch gehalten und so wiederum Exporte künstlich verteuert, Energiepreise wurden subventioniert.

Die anhaltende Verschlechterung der Wirtschaftslage hat schließlich im November 2015 zu ihrer Ablöse geführt. Der neue Präsident, Mauricio Macri, hat das Land an die internationalen Finanzmärkte zurückgeführt, Subventionen gekürzt und den Wechselkurs des Peso freigegeben. Die Geldpolitik wurde gestrafft, der Haushalt konsolidiert.

Die Kontrollen der Nahrungsmittelpreise, Getränke, Parfums und Reinigungsmaterialien werden aufgehoben.„Diese große angelegten Reformen sind auch ein wichtiges Signal für Anleger“, so Fondsmanager Hasenstab. De Regierung in Buenos Aires begibt 2016 sogar erstmals seit 15 Jahren wieder eine Anleihe aus.

Brasilien erlaubt wieder Zinsanstieg, um die Inflation zu senken

Auch Brasilien zahlte für den protektionistischen Kurs von Präsidentin Dilma Rousseff einen hohen Preis. Die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt leidet in Folge dessen unter der schwersten Rezession seit hundert Jahren, mit wohl acht Prozent Rückgang der Wirtschaftsleistung im vergangenem Jahr. Teuerung dürfte heuer einen zweistelligen Wert erreichen. Millionen Privathaushalte sind überschuldet. Der Konsum ist eingebrochen. Investitionen bleiben aus. Der Staatshaushalt ist in eine bedrohliche Schieflage geraten.

Doch die neue brasilianische Regierung will nun das Ruder herumreißen und ist dabei die öffentlichen Ausgaben zu senken, Privatisierungen einzuleiten und bereitet die Reform des teuren Sozialhilfesystems vor. Hasenstab: „Einer der größten Schritte war die 2015 eingeleitete Deregulierung kontrollierter Preise.“

Angesichts der weiterhin steigenden Inflation und der anhaltenden Rezession musste die Zentralbank 2015 einen schwierigen Kompromiss eingehen. Nachdem sie die Realzinsen bis Mitte 2015 stabil gehalten hatte, erlaubte sie schließlich einen leichten Anstieg (begann gleichzeitig jedoch eine Senkung der Nominalzinsen), womit 2016 gelang die Inflation zurückzuschrauben. Auch die exzessive Vergabe von Krediten wurde eingedämmt.

Liberalisierung trägt Früchte: Bis zu 75 Prozent Kursgewinn in einem Jahr

Die Börsen honorieren die ersten Schritte der Liberalisierung der Wirtschaften in diesen beiden Ländern. Die Kurse der brasilianischen Börse Bovesa sind in nur einem Jahr um 66 Prozent nach oben gerauscht. Der argentinische Aktienindex Merval verzeichnete einen Anstieg von knapp 75 Prozent.

Beachtliche Fortschritte erwartet

Franklin-Templeton-Investmentexperte Hasenstab: „Es gibt sowohl in Argentinien als auch Brasilien Gründe für Optimismus, auch wenn die politische Korrektur dort gerade erst begonnen hat“. Es werde in den kommenden Jahren von zentraler Bedeutung sein, ob die Reformdynamik beibehalten wird. „Derzeit scheinen beide Länder aber dazu entschlossen zu sein“, sagt Hasenstab. Er geht sogar davon aus, dass die Fortschritte beachtlich ausfallen werden.

Hasenstab, der auch Fondsmanager und CIO bei Franklin Templeton in ist, sieht in Brasilien und Argentinien gute Gelegenheit für langfristig orientierte Investoren. "Nachdem die toxische Politik dort zu ende geht, bieten diese Länder großartiges Potential."

Zu den Top-Fonds in Lateinamerika zählen, gemessen an der Performance, auf Basis von drei Jahren, der T. Rowe Price - Latin American mit einer jährlichen Rendite von 8,3 Prozent. Innerhalb eines Jahres lag der Wertzuwachs 52 Prozent.

Der Henderson Gartmore Latin American Funds machte 44 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten und setzte dabei erfolgreich auf Investments in Brasilien oder Chile.

RLB OÖ - Geldanlage mit Verantwortung

Onlinebroker: Das Wohnzimmer als Tradingroom

Das Smartphone und der Laptop sind die wichtigsten Werkzeuge der Online-Trader.

RLB OÖ - Geldanlage mit Verantwortung

Was ein Onlinebroker können sollte

Manfred Nosek, Leiter bankdirekt.at

RLB OÖ - Geldanlage mit Verantwortung

Online-Trading: Sie verdienen einen Spezialisten