Die 10 Länder mit der geringsten Zahlungmoral

Die 10 Länder mit der geringsten Zahlungmoral

Vereinigte Arabische Emirate: Reiches Land, dessen Unternehmen aber gerade knapp bei Kasse sind.

Exporteure müssen wissen in welchen Ländern die Zahlungen am schleppensten erfolgen. Der Kreditversicherer Acredia hat das aktuelle Ranking der Länder mit den längsten Zahlungsverzügen erstellt.

Der österreichische Kreditversicherer Acredia veröffentlicht für das zweite Quartal 2017 die zehn Exportländer mit den höchsten Zahlungsverzügen gegenüber ihren Versicherungsnehmern. Verglichen wurden die Zahlen zum Ende des zweiten Quartals mit jenen des ersten Quartals 2017.

Unternehmen treffen protektionistische Maßnahmen

„Zahlungsverzüge sind für die österreichische Wirtschaft ein wichtiger Indikator. Denn genau in den betroffenen Ländern werden erfahrungsgemäß künftig auch die Zahlungsausfälle steigen“, erklärt Karolina Offterdinger, Vorstand der Acredia Versicherung, nach eigenen Angaben Marktführer bei Kreditversicherung. Aktuell würden Versicherungsnehmer besonders die globalen protektionistischen Maßnahmen spüren. „Nicht nur die Weltwirtschaft leidet unter den internationalen Sanktionen, sie stellen auch unsere Exporteure und deren Abnehmer vor große Herausforderungen“, bemerkt Offterdinger.

Russland: Zahlungsverzüge sind sprunghaft gestiegen

„Die Zahlungsverzüge bei unseren nach Russland liefernden Versicherungsnehmern sind im vergangenen Quartal sprunghaft angestiegen,“ stellt Offterdinger fest. „Österreichs Exporteure haben treue Abnehmer. Aber die russische Wirtschaft befindet sich noch immer in einer Talsohle und so warten die Lieferanten zunehmend auf ihr Geld.“ Die Ursachen dafür sieht die Kreditversicherung vor allem in den internationalen Sanktionen, im zu niedrigen Ölpreis und in der Abwertung des Rubels.

Russland-Sanktionen wurden verlängert und ausgedehnt

Die geltenden Wirtschafts- und Finanzsanktionen der EU gegenüber Russland wurden vom EU-Rat bis Ende Jänner 2018 verlängert und die EU-Krim-Sanktionen – konkret Export- und Investitionsverbote – bis Ende Juni 2018. Außerdem hat der US-Senat zuletzt ein Gesetzespaket verabschiedet, das eine Ausweitung der Sanktionen gegen Russland vorsieht. Davon werden nach derzeitiger Expertenmeinung auch europäische Unternehmen betroffen sein.

Kanada: aufkommende Unsicherheit über Handelspolitik der USA, dennoch ein Land mit guten Exportchance

Kanada ist erstmals auf der Liste jener Länder zu finden, aus denen Zahlungen an österreichische Unternehmen am häufigsten ausbleiben. Für Offterdinger spiegelt dies die aktuell unberechenbare Handelspolitik mit dem wichtigsten Wirtschaftspartner USA wider, sieht aber insgesamt eine positive Tendenz: „Auch wenn die derzeitige Unsicherheit zu einem Aufschub mancher Investitionsentscheidungen führt, bietet Kanada zukünftig verstärkte Chancen für österreichische Exporteure, besonders für jene aus der Fahrzeug- und Maschinenbranche.“ Denn der amerikanische Protektionismus und damit die Unsicherheit über das nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) stärken den Handel zwischen der EU und Kanada.

Emirate: Niedriger Ölpreis hemmt wirtschaftliches Wachstum

Das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) hat sich durch den anhaltend niedrigen Ölpreis verlangsamt, das Investitionsklima hat sich eingetrübt. Darunter leide laut Offterdinger derzeit auch die Zahlungsmoral der Abnehmer in den VAE und rät daher Exporteuren, Außenstände gut im Auge zu behalten.

China: mit den versicherten Forderungen steigen auch Zahlungsverzüge

Die heimischen Qualitätsprodukte finden regen Absatz am, nach wie vor chancenreichen, chinesischen Markt. Daher sind mit dem gestiegenen Obligo im vergangenen Jahr ebenso die Zahlungsverzüge angewachsen. Schäden aus Zahlungsausfällen sind im Vergleich zum März 2017 gesunken. Laut Acredia bietet China demnach eine insgesamt erfreuliche Entwicklung für die österreichischen Exporteure.

Kommentar
Ariel Bezalel, Jupiter Asset Management

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