Kurstrends mit Donald Trumps Aktien-Action

US-Präsident Doanld Trump sprengt mit seinen Tweets alle Regeln der Börsenwelt. Wie Anleger und Trader der INVESTORS CHALLENGE jetzt Kurstrends einschätzen können.

Kurstrends mit Donald Trumps Aktien-Action

Das US-Investmenthaus JP Morgan hat einen neuen Index kreiert. Er heißt Volfefe - eine Mischung aus Volatilität und Covfefe, jenem Kunstwort, das der amerikanische Präsident einmal twitterte und bei dem bis heute nicht sicher ist, was er damit meinte.

Sicher ist jedoch, dass die Tweets von Donald Trump die Börsenkurse in den Himmel schicken oder in den Keller rasseln lassen. Genau das haben die Anlageexperten von JP Morgan nun minutiös analysiert. Sie haben jene Worte in Trumps Kurznachrichten identifiziert, die für steigende, und jene, die für fallende Kurse sorgen. Daraus haben sie den neuen Trendindikator Volfefe geschaffen. Er misst die "implizite Volatilität" von Trumps Tweets. Steigt der Index, ist das ein Zeichen für kommende Schwankungen an den Aktienmärkten.

Trader "WeInvest", der in der niedrigsten Risikostufe Führende in der trend Investors Challenge, dürfte jedenfalls ein gutes Gespür für die Folgen der Tweets des US-Präsidenten auf Aktien haben. Er hat mit seinem breiten, hauptsächlich aus US-Technologiewerten bestehenden Portfolio seit Spielbeginn ein Plus von 22,2 Prozent erzielt. Auch "SSteiner", der führende Trader in der höchsten Risikogruppe, weiß Trumps Einfluss auf die Börsen zu nutzen. Mit seinem hauptsächlich aus Goldminen-Aktien bestehenden Portfolio hat er durch die Verunsicherung, die der US-Präsident in den letzten Monaten gebracht hat, auf den steigenden Goldpreis gesetzt und so ein Plus von 32 Prozent erzielt.

Eine Möglichkeit für Anleger ist es auch, sich weniger Fragen um die künftige Kursentwicklung zu stellen und in ETFs, die einfach einem Index folgen, zu veranlagen. Wie man ETFs nutzt und auch die richtigen Trends erkennt, weiß Georg Frischmann, Leiter Private Banking der Hypo Tirol Bank (siehe Interview).

TRENDFOLGE. Selbst wenn die Analysten von JP Morgan ihren Trump-Index mit einem Augenzwinkern entworfen haben, der Wunsch, Kursentwicklungen mathematisch vorherzusagen, beschäftigt Anleger schon seit Langem. Zu Beginn der 80er-Jahre hat der Rohstoffhändler Richard Dennis als Erster ein Modell entwickelt, das die Wahrscheinlichkeit von steigenden oder fallenden Kursen prognostizierte. Es basierte auf der einfachen Regel, einen Wert zu kaufen, wenn der Preis über sein höchstes Niveau der vergangenen 50 Tage steigt, und ihn zu verkaufen, wenn der Preis unter sein 50-Tages-Tief fällt. Der Gedanke dahinter: Wer einem Trend folgt, gewinnt immer. Steigen die Märkte, bleiben die Trittbrettfahrer investiert. Wenn die Kurse aber fallen und den bestehenden Aufwärtstrend durchbrechen, dann steigen sie aus und lassen die Kurse erst mal weiter sinken.



Für die Beurteilung eines Trends sind bei Aktien neben dem Momentum auch die Fundamentaldaten wichtig.
Peter Schrey
Wikifolio-Trader

Diese Regel wurde in sogenannten "Trendfolgemodellen", die mit hochkomplexen Computerprogrammen agieren, noch stark verfeinert. Der Gedanke dahinter: Gewinne laufen lassen und Verluste vermeiden. Oder, simpel ausgedrückt: The Trend is your Friend. Doch ganz so einfach funktionieren die Märkte nicht mehr.

Peter Schrey beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Welt der Börsen und betreibt bei wikifolio.com mehrere Portfolios. Mit seinem erfolgreichsten liegt er nach drei Jahren mit knapp 60 Prozent im Plus. Er meint zu Trendfolgemodellen: "Sie sind ein zweischneidigen Schwert. Sie funktionieren in bestimmten Marktphasen nur eine Zeit lang. Wenn der Trend aber zu Ende ist, klappt diese Strategie oft nicht. Das ist dann ein großes Risiko fürs Portfolio."

Nach dem Ende der Finanzkrise 2009 kannten die Kurse durch die Niedrigzinspolitik der Notenbanken nur mehr eine Richtung: die nach oben. Trendfolgemodelle hatten es leicht. Doch durch die wachsende Konjunkturängste oder die Folgen des Handelskriegs schwanken die Kurse nun stark. Wikifolio.com-Experte Schrey: "Wenn sich Märkte seitwärts bewegen, tun sich Trendfolgemodelle deutlich schwerer."

Fundamentale Trends

Um künftig die Trends an den Börsen einschätzen zu können, gibt es bei Aktien eine wichtige Kennzahl: das Momentum. Dafür gibt es komplexe Berechnungsmodelle. Man kann diesen Wert für die weitere Trendentwicklung aber auch leicht am Chart erkennen. Steigt er steil an, ist das Momentum intakt, flacht er sich ab, wird auch der Trend schwächer.

Aktienkurse laufen einer Entwicklung aber manchmal auch voraus. Mitte der 90er-Jahre, als sich das Internet etablierte, kauften Anleger wie wild Technologie-Werte hoch verschuldeter Unternehmen, von denen sie sich in einigen Jahren tolle Gewinne erwarteten. Die Kurse stiegen, das Momentum war stark. Im Jahr 2000 platzte dann die Dot.com-Blase, die Tech-Aktien stürzten ins Bodenlose.

Derzeit kann man an den Börsen zwar noch von keiner Blase sprechen, die Aktienkurse steigen immer noch leicht, aber die Wirtschaftsdaten gehen zurück. Wikifolio-Trader Schrey warnt daher: "Zusätzlich zum Momentum ist die Beurteilung von Fundamentaldaten wie Umsatz und Gewinn von Unternehmen und auch der Wirtschaftslage für die richtige Einschätzung eines Trends unerlässlich."


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