Bitcoin & Co: Achterbahnfahrt bei Kryptowährungen

Bitcoin & Co: Achterbahnfahrt bei Kryptowährungen

Bitcoins und andere Kryptowähungen halten die Anleger in Atem. Am Mittwoch, den 17. Jänner 2017 fiel ihr Wert zum ersten Mal seit Monaten deutlich unter 10.000 Dollar. Auf weniger als die Hälfte ihres Werts vom Dezember. Zahlreiche Staaten wollen den Handel regulieren. Die Märkte sind seither extrem nervös.

Es gibt eine aktuellere Version des Artikels vom 2.2.2018

Im freien Fall: Bitcoin fällt unter 8.000-Dollar-Marke

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Platzt die Bitcoin-Blase? Mehrere Tage land war die Kryptowährung im freien Fall. Am Mittwochnachmittag (17. Jänner 2017) stürzte der Wert nach Monaten des ungezügelten Wachstums weit unter die 10.000-Dollar-Marke ab. Aus Sorge vor immer mehr Verboten im Handel mit Kryptowährungen wandten sich Anleger ab. Der Tiefststand vom 17. Jänner an der Luxemburger Handelsplattform Bitstamp lag bei 9.222 Dollar. Drei Tage in Folge ist der Kurs um bis zu 20 Prozent abgestürzt.

In der Folge erholte sich der Wert der Kryptowährungen - mittlerweile gibt es rund 1.400 derartiger Digitalwährungen - wieder leicht, doch die Märkte sind extrem nervös. Am Donnerstag, den 18. Jänner wurden Bitcoins wieder um rund 11.800 Dollar gehandelt - gegenüber dem Vortag ein Plus von rund 4,9 Prozent. Am Montag, den 22. Jänner ist die Digitalwährung dann wieder bis auf 10.330 Dollar gefallen und hat somit wieder rund zehn Prozent an Wert verloren.

Eine ähnliche Entwicklung war bei den zunehmend beliebten Bitcoin-Alternativen Ether und Ripple zu beobachten.

Gegenüber dem Höchststand vom Dezember 2017 bedeutete der jüngste Kursrutsch einen Verlust von rund 50 Prozent. Und der Bitcoin ist - wie auch Kritiker immer wieder gewarnt haben - weiterhin extrem volatil. So etwa auch Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny, im trend-Interview, in dem er Bitcoins als "spekulativ, volatil und unseriös" bezeichnete.

Der Österreichische Verband Financial Planners, in dem sich Finanzberater zusammengeschlossen haben, warnt vor digitalen Kryptowährungen. Diese seien mit keinerlei Werten hinterlegt. Ein Investment in Bitcoins gleiche einem Casinobesuch und sei "in höchstem Maße riskant". "Bitcoin und Co. sind keine Anlageklassen und keine Währungen. Etwaige Ertragserwartungen sind reine Spekulation, niemand kann seriöserweise sagen, wie sich der Preis entwickelt", so Otto Lucius, Vorstandsvorsitzender des Verbands, am Donnerstag in einer Aussendung. Statt über Nacht reich werden zu wollen und dann womöglich das investierte Geld mit einem Schlag zu verlieren, sollten sich die Leute besser an seriöse Finanzberater wenden.

Reglementierung verunsichert

Immer mehr Länder schieben dem Handel mit Kryptowährungen inzwischen einen Riegel vor. Deutschland und Frankreich wollen die Digitalwährung stärker kontrollieren. Geplant sind dem französischen Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire zufolge gemeinsame Vorschläge zur Regulierung. Die gemeinsamen Vorschläge sollen für das Treffen großer Industrie- und Schwellenländer (G-20) im März in Argentinien vorliegen. Der deutsche Finanzminister Altmaier sagte, es gebe eine Verantwortung gegenüber den Bürgern, Risiken über eine Regulierung zu vermindern.

In Südkorea denkt man gar über ein komplettes Verbot nach. Sämtliche lokalen Handelsplattformen für virtuelle Währungen sollen geschlossen werden, erklärte der Chef der Finanzdienstleistungskommission. Das Land bereitet einen Gesetzesentwurf vor, der den Börsenhandel mit Bitcoin und Co untersagt.

Auch in China gibt es ähnliche Überlegungen. Die chinesischen Behörden planen laut Bloomberg den Zugang zu in- und ausländischen Börsen für Cyber-Devisen zu blockieren. China untersagte bereits im vergangenen Jahr die sogenannten Initial Coin Offerings (ICO). Dabei sammeln Firmen Geld bei Anlegern ein und geben statt Aktien oder Anleihen digitale Anteile (Token) aus. Diese werden dann als Kryptowährung an speziellen Börsen gehandelt.Außerdem will die chinesische Regierung offenbar den hohen Stromverbrauch durch das Schürfen von Kryptowährungen wie Bitcoin drosseln. Der Bitcoin hat in Asien eine große Fangemeinde, weshalb die Kurse auf Nachrichten aus den Krypto-Hochburgen China und Südkorea besonders stark regieren.

Die Europäische Union hat bereits im Dezember einen ersten Schritt zur Regulierung von Kryptowährungen getan. Anleger sollen laut einer neuen Geldwäscherichtlinie künftig nicht mehr anonym bleiben können, wenn sie digitales in staatliches Geld umtauschen. Der deutsche Bundesbankvorstand Joachim Wuermeling hat Regulierungsschritte als eine Frage der Zeit bezeichnet.

Warnung vor massiven Sicherheitsproblemen

Die US-Börsenaufsicht SEC hat ihre kürzlich geäußerten Bedenken an Kryptowährungs-Fonds einmal maher bekräftigt. Daraufhin hatten bereits mehrere Fondsanbieter ihre Zulassungsansträge für derartige Produkte zurückgezogen. In einem neuen Schreiben an Fonds-Verbände warnte die Behörde nun vor Sicherheitsproblemen bei Anlageprodukten, die auf Kryptowährungen basieren. Die zuständige SEC-Vertreterin Dalia Blass machte deutlich, dass es erst grünes Licht geben werde, wenn die Bedenken ausgeräumt seien.

"Es gibt eine Reihe substanzieller Probleme mit dem Investorenschutz, die geprüft werden müssen, bevor die Emittenten diese Fonds Investoren anbieten", betonte Blass. Sie forderte darin Antworten auf mindestens 31 detaillierte Fragen zum Zuschnitt der geplanten Produkte. So müsse geklärt werden, wie bei den anvisierten Investmentfonds und börsennotierten Fonds (ETFs) die Anlegergelder geschützt sind und die Preise festgelegt werden. Wichtig sei ferner, dass die Investoren die Risiken verstehen und eine Manipulation der Bitcoin-Märkte verhindert wird.

Insidern zufolge will sich der US-Senat im kommenden Monat mit den Risiken von Bitcoin & Co befassen. Demnach ist für Anfang Februar eine Befragung der Chefs von SEC sowie der Derivate-Aufsicht (CFTC) geplant.

Un die schwedische Großbank Nordea verbietet ihren Angestellten den Handel mit Kryptowährungen wie Bitcoin. Die Risiken seien zu hoch und der Schutz der Angestellten sowie der Bank sei ungenügend, erklärte die größte nordeuropäische Bank. Ab dem 28. Februar dürfen Mitarbeiter demnach nicht mehr in Kryptowährungen investieren. Der Handel mit Digitalwährungen sei, anders als bei Wertpapieren und Devisen, von keiner Behörde reguliert, warnte Nordea. Daher hätten Investoren "keinen Schutz vor illegalen Handelspraktiken und Geldwäsche".

Bitcoin-Vetranen ziehen weiter

Für die Anstrengungen der Behörden, den neuen und bis jetzt unregulierten Markt für Cyber-Devisen an die kurze Leine zunehmen, haben Veteranen des Krypto-Geschäfts aber nur ein müdes Lächeln übrig. "Falls die Regierung alle hiesigen Börsen schließt, können Anleger immer ein Konto im Ausland eröffnen", betont ein südkoreanischer Student. "Ich kann einen Freund fragen, der im Ausland studiert oder selbst dorthin reisen." Südkoreanischen Branchen-Insidern zufolge ist bereits ein Trend zur Abwanderung ins Ausland erkennbar.

Es gebe aber auch eine Reihe technischer Möglichkeiten, ein Verbot zu umgehen, betonen Experten. In einem ersten Schritt könnten Anleger ein sogenanntes Virtuelles Privates Netzwerk (VPN) aufbauen, über das Daten zwischen Computern verschlüsselt übertragen werden. Einige Börsen wie Shapeshift oder Stellar Dex verlangen keine Identifikationsnachweis von ihren Kunden und können von jedem Ort der Welt genutzt werden. Dort eröffnete Depots können mit Online-Kryptowährungskonten, sogenannten Wallets, von Anbietern wie Exodus oder Jaxx gekoppelt werden, die ebenfalls Anonymität versprechen. Guthaben an Bitcoin & Co können auch in Offline-Wallets in der Größe eines USB-Sticks gebunkert werden.

"Mein gesamtes Guthaben liegt in einem Hardware-Wallet von der Größe meines Daumens", sagt etwa ein Hongkonger Investor, der nach eigenen Angaben Kryptowährungen im Volumen von rund einer Million Dollar hält. "Ich habe Kopien meiner Verschlüsselungskennwörter in einem Safe. Ich habe Konten bei vier Börsen auf drei Kontinenten. Wenn eine Regierung an mein Geld will - viel Glück!"


Lesen Sie mehr zum Thema in der neuen Ausgabe des trend (Nr. 1-3/2018) vom 19. Jänner 2018

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