Kunstmarkt: Nachfrage kühlt deutlich ab

Kunstmarkt: Nachfrage kühlt deutlich ab

Viele Sammler scheuen sich zunehmend vor dem Kauf von Kunstwerken, wenn nicht sicher ist, dass damit keine Geldwäsche verbunden ist.

Der Kunstmarkt kühlt sich ab. Die aktuellen Ursachen, was das Marktwachstum langfristig hemmt, welche neuen Technologien zum Einsatz kommen könnten, um mehr Transparenz zu schaffen und warum neue Regeln für den Kunstmarkt nötig sind.

Der Kunstmarkt kühlt sich deutlich ab. Diese Entwicklung spiegelt sich in den Ergebnissen der großen Auktionshäuser wieder. So verzeichnen die Auktionen der drei größten Auktionshäuser Christie’s, Sotheby’s und Philips im ersten Halbjahr 2019 ein Minus von 20,3 Prozent im Jahresvergleich.

Die Auktionshäuser verkaufen Kunstwerke an Superreiche, die sich um die spannendsten Lose der Welt matchen.

„Der Kunstmarkt bleibt von der globalen wirtschaftlichen Entwicklung nicht verschont. Die Stimmung hat sich eingetrübt und das wirkt sich auch auf Investitionen in Kunst aus“, erklärt Gernot Schuster von Deloitte Österreich. „Darauf muss die Branche reagieren", meint der Kunstexperte.

Zu geringes Angebot
Vor allem die Kunst der Moderne, die weltweit beliebteste Kunstgattung, verzeichnete einen Umsatzeinbruch von 22 Prozent im ersten Halbjahr. In diesem Bereich waren jedoch auch fehlende Angebote der Grund für den starken Rückgang.

Der Umsatz auf dem Weltkunstmarkt betrug im Vorjahr 67,4 Milliarden Dollar. Online wurden 2018 Kunstwerke im Wert von 4,6 Milliarden Dollar verkauft. Das aktuell teuerste Kunstwerk nach dem Verkaufspreis ist das Bild von Leonoardo Da Vinci "Salvador Mundi", das um 450 Millionen Dollar versteigert wurde.

Die teuersten Gemälde der Welt
1.) 450 Millionen Dollar: "Salvator Mundi", Leonardo da Vinci, 2017 an einen Privatmann nach Saudi-Arabien verkauft
2.) 179 Millionen Dollar: "Frauen in Algier", Pablo Picasso, 2015 verkauft
3.) 170,4 Millionen Dollar: "Nu couché", Amadeo Modigliani, 2015 an einen chinesischen Geschäftsmann verkauft

Hohe Preissteigerungen in den vergangenen beiden Jahren, hohe Schwankungen insgesamt
2017 und 2018 waren, was die Preisentwicklung anbelangt, für die Kunst gute Jahre. 2017 legten laut Statista.de Kunstwerke, die auf namhaften Auktionen versteigert wurden, um 12 Prozent zu, im Vorjahr betrug der Anstieg sechs Prozent. Die Zahl der verkauften Werke ist im Vorjahr aber um neun Prozent gesunken. Es wurden also weniger Kunstwerke verkauft, dafür sind die Preise gestiegen.
Doch die Preise am Kunstmarkt schwanken relativ stark. Sowohl 2014 als auch 2015 betrug das Minus einmal sieben, einmal elf Prozent. Im Finanzkrisenjahr 2018 brachen die Preise gar um 36 Prozent ein, um im Jahr darauf um 44 Prozent zu steigen.

Kunstsammler verdienen im Schnitt 100.000 Euro und mehr
Die Ausgangslage für den Markt bleibt, trotz konjunkturellem Dämpfer, günstig. Menschen, die für Kunst Geld ausgeben, verfügen im Schnitt über ein Jahreseinkommen von 100.000 Euro und mehr. Dafür kommen weltweit 480 Millionen Menschen in Frage, ihre Zahl hat sich in den beiden vergangenen Jahrzehnten verdoppelt.

Teure Kunstwerke mit höchsten Nachfrage und höchsten Wertsteigerungspotential
Gefragt sind am internationalen Kunstmarkt vor allem Werke im Wert von einer Million Dollar und mehr. Dieser Trend dürfte sich laut internationalen Kunstexperten weiter fortsetzen. Kunstwerke, die um eine Milliarde Dollar verkauft werden, dürften in Zukunft Realität zu werden. Schwierig ist und bleibt es für mittelgroße und kleinere Galerien. Auch für viele Künstler, dürfte ein gutes Einkommen schwer zu erlangen sein.

Studie über Markthemmnisse, Regulierungen und neue Technologien
Um besser zu verstehen, was den Kunstmarkt treibt und wie Verbesserungen herbeigeführt werden könnten, um das Wachstum anzukurbeln, haben die Berater von Deloitte und ArtTactic, ein auf den Kunstmarkt spezialisierten Research-Unternehmen, den internationalen Kunst- und Finanzmarkt untersucht. Zwischen April bis Juni 2019 wurden 54 Privatbanken und 25 Family Offices sowie 105 Kunstsammler und 138 Kunstfachleute befragt. Die Ergebnisse im Detail

Angst vor Geldwäsche hemmt Absatz
Deloitte macht in der Studie mit ArtTactic noch andere Gründe für den Abschwung am Kunstmarkt aus. Als einen davon wird von den befragten Sammlern mangelnden Transparenz und dem daraus resultierenden Misstrauen gegenüber dem Kunstmarkt genannt. Das behaupten drei Viertel der befragten Sammler. Bei den Privatbanken geben sogar 85 Prozent die Gefahr von Geldwäsche als größtes Problem für die Reputation des Kunstmarktes an.

Verbesserte Richtlinien gefordert
Deloitte rät deshalb zu neue Regularien. „Bei der Entwicklung von neuen Richtlinien sollten der Gesetzgeber eng mit Kunst- und Finanzexperten zusammenarbeiten. Da ist Augenmaß gefragt", so Deloitte Kunstexperte Schuster. Die EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Geldwäsche sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig bestehe aber die Gefahr von Überregulierung:

Mit Blockchain Kunstwerke nachverfolgen
Neue Technologien könnten das Wachstum am Kunstmarkt ankurbeln. Die Mehrheit aller Befragten erwartet einen positiven Effekt durch Innovationen bei Kunst und die damit verbundenen Finanzdienstleistungen. So kann beispielsweise mittels der Blockchain die Nachverfolgbarkeit und Echtheit von Kunstwerken leichter sichergestellt werden als bisher.

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