Kryptowährung Libra von Facebook am Weg zur Startlinie

Nach einem Medienbericht will Facebook bereits Jänner 2021 seine eigene Währung Libra einführen. Nicht nur Notenbanker sehen Facebooks Pläne mit großer Skepsis.

Kryptowährung Libra von Facebook am Weg zur Startlinie

London/Zürich/Menlo Park. Das weltgrößte Internetnetzwerk Facebook bringt einem Zeitungsbericht zufolge seine Kryptowährung bereits im Jänner an den Start. Dies meldete die "Financial Times" (FT) unter Berufung auf drei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die in der Schweiz für den Aufbau des Kryptogeldes gegründete Libra Association wolle zunächst eine digitale Münze anbieten, die an den Dollar angebunden ist. Damit würde der Marktstart schmaler als erwartet ausfallen.

Noch im April hatte der US-Konzern - nach massiven Bedenken von Regierungen und Finanzwächtern - seine Pläne zurückgeschraubt und angekündigt, mehrere Cyberdevisen anbieten zu wollen, die an einzelne Währungen wie möglicherweise den Euro, den Dollar oder an das britische Pfund angebunden sind.

Facebook wollte keine Stellung zu dem Bericht nehmen. Das Internet-Netzwerk, zu dem auch Whatsapp und Instagram gehören, ist eines von 27 Mitgliedern der Libra Association. Im Juni 2019 hatte Facebook die Pläne für eieneeigene Währung erstmals konkretisiert.

Zahlungsinstrument oder Investmentform

Die Pläne von acebook haben Regierungen, Aufseher und Zentralbanken seither weltweit immer wieder aufgeschreckt. Die EZB hatte unlängst einen umfassenden Bericht über die mögliche Ausgabe eines digitalen Euro veröffentlicht, der von einer Taskforce um EZB-Direktor Panetta erarbeitet wurde. Laut EZB-Präsidentin Christine Lagarde muss der Euro "fit für das digitale Zeitalter" werden, wie sie im Oktober sagte. Die EZB sollte darauf vorbereitet sein, einen digitalen Euro bereitzustellen, falls es Bedarf dafür gebe. Bis etwa Mitte 2021 will die EZB eine Entscheidung fällen. Eine öffentliche Konsultation zu einem digitalen Euro läuft gerade. Sie soll im Jänner abgeschlossen werden.

Der deutsche Finanzminister Scholz konstatiert einen starken Trend hin zu bargeldlosen, digitalisierten Bezahlmöglichkeiten in Europa: "Es gibt eine Nachfrage nach digitalem Geld unter Verbrauchern und Unternehmen gleichermaßen." Dieser Nachfrage müsse nachgekommen werden. "Ich unterstütze die Arbeit der EZB an einem digitalen Euro voll", sagte er. Überlegtes, aber rasches Handeln sei notwendig.

EZB-Direktor Panetta zufolge sollte ein digitaler Euro Zahlungsinstrument sein, "nicht eine Investmentform, die mit anderen Finanzinstrumenten im Wettbewerb steht." Ulrich Bindseil, EZB-Generaldirektor für Marktinfrastrukturen, hatte dazu vor Monaten ein vielbeachtetes Modell vorgestellt: Darin würde jeder Bürger im Währungsraum ein Konto für digitales Zentralbankgeld bei den Notenbanken bekommen können. Bis zu einer bestimmten Summe - etwa 3.000 Euro, das durchschnittliche monatliche Haushaltseinkommen im Euroraum - würden dort attraktive Zinsen gezahlt, darüber hinaus aber nicht.

Die Risiken

Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer sieht mehrere Risiken, die mit einem digitalen Euro verknüpft sind. So könnten Bankkunden Geld von ihrem Konto abziehen und auf ihr E-Euro Konto bei der Notenbank überweisen. "Dann verlieren Banken eine wichtige Finanzierungsquelle, müssen auf die EZB ausweichen", so Krämer. Geldhäuser würden dann noch mehr dem Markteinfluss entzogen und in der Finanzierung noch stärker an der EZB hängen. "Es ist auch das grundsätzliche Problem eines digitalen Bankruns da, dass bei vermeintlichen Problemen quasi per Wischbewegung Milliarden ruckzuck bewegt werden." Dagegen sollten Vorkehrungen getroffen werden.

Aus Sicht von Bundesbank-Präsident Weidmann müssen die Vor- und Nachteile von digitalem Zentralbankgeld (CBDC) genau untersucht werden. "Klarerweise müssen Zentralbanken sicherstellen, dass das Gute, das mit CDBC verknüpft ist, jedwede Schäden, die es verursachen könnte, überwiegt", sagte er. Ein digitaler Euro müsse einerseits so gestaltet werden, dass er für die Verbraucher attraktiv sei. "Andererseits - falls CBDC zu attraktiv ist, könnte es das bestehende Finanzsystem durcheinanderbringen", warnte er.

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