Kostenmanagement: Wie Banken profitabler werden

Besseres Ertrags- und Kostenmanagement gilt nicht nur für die Kunden von Banken, sondern auch für die Geldhäuser selbst. Ein Gastbeitrag von Frank Schindera, Horváth & Partners.

Thema: Management Commentary
Frank Schindera, Leiter des Bereichs Banking & Financial Institutions bei Horváth & Partners

Frank Schindera, Leiter des Bereichs Banking & Financial Institutions bei Horváth & Partners

Das was die Banken gewöhnlich von ihren Kunden einfordern – mehr Profitabilität und besseres Zahlenmanagement – gilt immer mehr für sie selbst. Steigende Kosten und sinkende Marken halten die Branche konstant in Atem.

Die klassischen Finanzdienstleister sehen sich heute einer Vielzahl neuer Herausforderungen gegenüber. Anhaltende Niedrigzinsphase, strenge regulatorische Vorschriften und neue (digital versierte) Wettbewerber sind das eine, stetig steigende Transformationskosten bei gleichzeitig sinkenden Erträgen durch erodierende Zinsmargen und rückläufige Einlagen-Volumina das andere Problemfeld.

Um diesen immer größer werdenden Spagat zu meistern, braucht es eine integrierte Ergebnisrechnung, also ein bereichs- und funktionsübergreifendes intelligentes Ertrags- und Kostenmanagement, das die nötige Transparenz zur Ableitung der richtigen Steuerungsimpulse liefert. Diese Gegenüberstellung ist nicht nur essentiell für das Unternehmen selbst, sondern ist auch eine Voraussetzung für konzernweite Akzeptanz.

Intelligentes Zahlenmanagement

Die Ergebnisrechnung hat die Aufgabe, Ertrags- und Kostenmanagement auf Basis einer umfassenden Einzelgeschäftskalkulation zusammenzuführen. Das Resultat sind Kennzahlen, die sich an bankweit definierten Methoden und Parametern orientieren. Diese Kennzahlen beinhalten etwa externe wie interne Zinsergebnisse, Betriebskosten der Prozesskostenrechnung oder auch die Kosten der internen Leistungsverrechnung. Sie werden im Überblick zusammengefasst und so für Reportings verfügbar gemacht.

Klar dabei ist, dass bestimmte Ergebnisgrößen oft unterschiedlich berechnet und aufbereitet werden müssen – für die externe Sicht (Rechnungswesen) wie auch für die interne Sicht (Deckungsbeitragsrechnung) mit jeweils eigenen Methoden. Dies erfordert neben der parallelen Kalkulation auch eine komplexe Überleitungsrechnung.

Das Fundament dafür ist eine gut harmonisierte und qualitätsgeprüfte Datenbasis, die aus Stammdaten und Cashflows aller relevanten Einzelgeschäfte sowie Kunden- und Marktdaten besteht. Die Daten werden dabei je nach Berechnungsfrequenz täglich, wöchentlich oder monatlich aus Vorsystemen geladen, geprüft und harmonisiert. In dieselbe Datenbasis gehören natürlich auch die Resultate der Ergebnisrechnung.

Die damit errechneten Kennzahlen der Ergebnisrechnung können schließlich entlang verschiedener Dimensionen (bspw. Produkt, Kunde, Vertriebsweg, Profitcenter) ausgewertet werden. Darüber hinaus fließen sie auch in die unterschiedlichen Bereichsberichte der Bank ein, etwa ins Financial Reporting, Sales Reporting oder das Management Reporting.

Erfolgreiche Steuerung

Die Vorteile einer bankweit integrierten Ergebnisrechnung liegen auf der Hand: Das Management hat damit möglichst auf Knopfdruck einen einheitlichen und damit vergleichbaren Blick auf die Profitabilität aller Produktbereiche. Das vereinheitlichte Zahlenwerk bietet überdies eine konsistente Steuerungsbasis für das Controlling, die Vertriebssteuerung, das Produktmanagement und die Gesamtbanksteuerung.

Hinzu kommt, dass die integrierte Ergebnisrechnung eine konsistente Zuordnung von Verantwortlichkeiten entlang der berechneten Kennzahlen und verschiedener Auswertungsdimensionen erlaubt. So werden Vertriebsbereiche und Produktbereiche am Marktergebnis (Bruttoergebnis nach Standardkosten) gemessen, während Servicecenter und Cost Center-Verantwortliche nach ihrem jeweiligen internen Ergebnis bzw. der Budgeteinhaltung gesteuert werden.

Die einzelnen Messgrößen können auf Zielgrößen der Gesamtbankebene aggregiert werden. So werden in jedem operativen und dispositiven Bereich der Bank die richtigen Steuerungsimpulse gesetzt. Gleichzeitig können – auf Basis der kalkulierten Kennzahlen sämtlicher Einzelgeschäfte – Anfragen aus operativen Bereichen der Bank sowie Anfragen für strategische Entscheidungen schnell und präzise beantwortet werden. Dies wird durch das Aggregieren der Kennzahlen entlang verschiedener Auswertungsdimensionen ermöglicht.

So können beispielsweise ad-hoc stichtagsbezogene Vergleiche zwischen Kennzahlen oder anderen Datenpunkten gezogen und Einschätzungen getroffen werden, etwa zum Ertrag pro Kunde, Wachstum von Marktbereichen oder Kampagnenwirkungen. Zusätzlich können auch längerfristige Entwicklungen von Vertriebskanälen oder Produkten verfolgt und adäquate Steuerungsimpulse abgeleitet werden, wie die Frage, ob ein bestimmtes Produkt auf längere Sicht noch lohnenswert ist.

Fazit: Die drei wichtigsten Erfolgsfaktoren für die erfolgreiche Umsetzung einer integrierten Ergebnisrechnung in Banken sind die konzernweite Harmonisierung der Methoden, die zentrale Bereitstellung der erforderlichen Daten(-basis) und die Definition von klaren Prozessen im Betrieb. Für die kurzfristige Umsetzung des Vorhabens und langfristige Akzeptanz der kalkulierten Ergebnisse braucht es zudem gute Feedback-Schleifen und laufende Anpassungsfähigkeit von Methoden und Instrumenten.

Tipp: White Paper „Erträge und Kosten bankweit optimieren“ zum => Download .


Über den Autor

Frank Schindera ist Leiter des Bereichs Banking & Financial Institutions bei der Managementberatung Horváth & Partners.
E-Mail: FSchindera <AT> horvath-partners.com


Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


Die Elite der Vermögensverwalter 2021

Für den größten Bankentest im deutschsprachigen Raum hat der …

Inflation steigt im Euroraum auf ein 30-Jahres-Hoch

Die Inflation steigt weiter und erreicht in Europa teilweise Werte von …

Investieren in den Klimaschutz

Zur Bekämpfung des Klimawandels sind enorme finanzielle Mittel …

ESG-Aufsteiger: Heute gut, morgen top

Viele Unternehmen sind bei der Erreichung ihrer Nachhaltigkeitsziele …