Kontostudie: Hohe Preisunterschiede, Bargeld boomt

Kontostudie: Hohe Preisunterschiede, Bargeld boomt

Der Kontakt mit Schalterbeamten nimmt zwar ab, aber Barbehebungen boomen.

Das Verhalten der Bankkunden hat sich in den vergangenen sieben Jahren radikal verändert - bis auf eine Ausnahme. Der Umbruch beim Nutzerverhalten hat auch Auswirkungen auf die Kosten.

In Österreich und im Rest Europas hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, was die Kontonutzung und die Preise dafür betrifft. So hat sich das Pauschalverrechnungskonto mittlerweile auf breiter Front durchgesetzt. Gleichzeitig sind die Kosten für ein Konto, zu dem auch Extras die verrechnet werden zählen, in Österreich um 23 Prozent gefallen. Ein ähnlicher Trend ist auch im Rest Europas zu beobachten. Das ergab eine breit angelegte Studie der Wirtschaftskammer und den Unternehmensberatern von Capgemini. Dazu wurden Daten von 61 Banken aus 11 euopäischen Ländern analysiert.

Ein durchschnittliches Konto kostet 75 Euro

Ein Konto in Österreich ist demnach im Schnitt deutlich billiger als in anderen EU-Ländern. So lag der Durchschnittspreis für ein Kontopaket 2016 bei 75 Euro im Jahr. In der EU lag der Schnitt dagegen bei rund 123 Euro, also um 48 Euro höher als in Österreich. Kosten für Überweisungen, Last- und Gutschriften sind anderswo ebenso teurer. Seit dem Jahr 2010 sind die Preise in Österreich von damals 97 Euro für ein Paket im Schnitt um 20 Euro gesunken. Laut Studie haben seither vor allem Online- und Mobilbanking die Preise gedrückt.

Bargeldbehebungen nach wie vor beliebt

Die Studie zeigt auch, dass die Österreicher nicht bereit sind von Bargeld zu trennen. Denn nach wie vor heben viele gerne - meist am Selbstbedienungsschalter ihrer Bank - Geld ab und machen, gerade bei größeren Ausgaben, den Geldfluss nicht nachweisbar. Dieses Verhalten erhöht laut der Erhebung jedoch die Kosten der Kontoführung. Für dieses Extraservice wird ein sogenanntes Bargeldentgelt eingehoben. Zwei Prozent der behobenen Summe können da schon einmal fällig werden. Der Anteil solcher und anderer zusätzlicher Spesen an den Gesamtkosten beträgt im Schnitt pro Jahr für einen "normalen" Nutzer nicht mehr als fünf Euro. Extrageld verlangt die Bank nicht nur für Behebungen auch für Einzahlungen in der Filiale und im Selbst-Service-Bereich.

Über 100 Euro Preisunterschied für ein und dasselbe Konto

Weitere Erkenntnis der Studie: Die Preisunterschiede für Kontopakete sind gewaltig. Sehr aktive Nutzer zahlen innerhalb ihres Nutzungslevels für ihr Bankdienstleistungen zwischen 81 und 183 Euro pro Jahr. Im Schnitt sind es 99 Euro. 20 Prozent der Nutzer gelten als „sehr aktiver Nutzer“. Doch auch der durchschnittliche Nutzer (rund 60 Prozent der Bankkunden) tut gut daran, Preise für Kontogebühren zu vergleichen. Otto-Normalverbraucher zahlt bis zu 133 Euro für ein Kontopaket. Wer eine günstige Bankverbindung wählt, zahlt dagegen nur 53 Euro im Jahr. Wer wie beispielsweise Pensionisten nicht mehr so starke Kontobewegungen hat, sollte ebenfalls auf die Spesen achten. Auch bei diesen „wenig aktiven Kunden“, ist das Preisband zwischen dem teuersten und dem billigsten Gebühren von 31 bis 99 Euro erheblich.

Bargeld-Behebungen am Selbstbedienungsgerät boomen wie eh und je

Nicht nur die Preise auch die Gewohnheiten der Kunden haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. So sind die Behebungen am Schalter seit 2010 um mehr als die Hälfte gesunken. Von fast fünf Mal im Jahr auf etwas über zwei Mal. Behebungen am Selbstbedienungsgerät boomen jedoch nach wie vor. 2010 wurde so im Schnitt fast 20 Mal pro Jahr Geld behoben, 2016 waren es nach wie vor etwas über 18 Mal.

Online- und Handybanking: Großer Anstieg

Stark gestiegen ist das Online-und auch das Mobil-Banking. 2010 registrierten die Banken in Österreich im Schnitt pro Kunden erst zehn Logins im Jahr, 2016 waren es schon knapp 86,6 Logins. Davon 46,3 via Onlinebanking, aber auch bereit 40,3 Logins die am Handy durchgeführt wurden.
Wurden 2010 erst rund 15 Überweisungen pro Jahr online getätigt, waren es 2016 schon fast 25 elektronische Transaktionen.

63 Prozent zahlen bargeldlos

Die meisten zahlen beim Einkaufen mittlerweile bargeldlos. So verliefen 2016 rund 63 Prozent aller Zahlungen am sogenannten Point of Sale, also direkt beim Kauf ohne Bargeld. Beliebt ist auch der Bankeinzug. 57 Prozent der Nutzer verwenden diese sogenannte Lastschrift, um sich Geld automatisch abbuchen zu lassen.

Kommentar
Ariel Bezalel, Jupiter Asset Management

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