Aktiencrash: Steuern wir auf eine Rezession zu?

Aktiencrash: Steuern wir auf eine Rezession zu?

Die Notenbanken haben als Retter der Börsen und der Wirtschaft zunehmend ausgedient. Mit welchen Folgen?

Der Crash an Aktienmärkten lässt nach Einschätzung von Experten eine Rezession erwarten. Wie wahrscheinlich ist es, das diese tatsächlich kommt, wie die Aktien derzeit bewertet sind und worauf Anleger jetzt achten sollten.

Crash ohne Eigenschaften?

Das deutsche Börsenbarometer ist von seinem Höchstkurs im April 2015 um knapp 30 Prozent gefallen, seit Jahresanfang sind es knapp 20 Prozent.
Doch der Ausverkauf an den Märkten ist für Wallwitz schwer zu begreifen. „Manchmal ist er auch zu eng, wenn die Anleger händeringend eine Geschichte suchen, um das zu rechtfertigen, was sie tun."Es ist, als handle es sich um einen Crash ohne Eigenschaften“, beschreibt von Wallwitz, Fondsmanager der Phaidros Funds und Geschäftsführer der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement, die aktuelle Situation. Aus Sicht von Wallwitz befindet sich der Markt nach diesem starken Rückgang bereits in einem Bärenmarkt. Das trifft auch für andere Märkte mit starken Abschlägen zu.

Aktienmärkte bewertet als wäre eine Rezession zu erwarten

Nach dem Kursverfall werden die für dieses Jahr geschätzten Gewinne etwa elf Mal gezahlt (KGV) und die Dividendenrendite liegt bei 3,8 Prozent. „Geht man davon aus, dass die Gewinne, wie in einer ordentlichen Rezession üblich, um 20 Prozent fallen, haben wir ein KGV von 13,7 und eine hohe Dividendenrendite“, erläutert von Wallwitz. Der langjährige Durchschnitt des KGV liegt etwa bei 12,5. Die Bewertung des DAX liegt damit aktuell unter dem Durchschnitt und die Dividendenrendite deutlich darüber. Die Aktienmärkte sind also etwa so bewertet, wie es in einer Rezession zu erwarten wäre.

Rezession weder in Europa noch in den USA erwartet

Aber eine Rezession ist nach Einschätzung von Experten bisher weder eingetreten noch nicht in Sicht. So sind etwa wichtige Indikatoren, die auf eine Rezession hinweisen, wie die Daten über die Entwicklung der Produktion und der Auftragseingänge im amerikanischen Einkaufsmanager-Index derzeit solide. Die Unternehmensgewinne waren 2015 nur im Rohstoffbereich weiter abgeschlagen vom Schnitt, aber alle anderen Branchen verzeichneten leicht steigende Gewinne. Und auch der GDPnow-Indikator der Atlanta Fed sieht die gegenwärtigen Bedingungen als konsistent mit einem jährlichen Wachstum von 2,5 Prozent an. Dieser Indikator versucht nahezu in Echtzeit das BIP für das laufende Quartal vorherzusagen. So beträgt das Wachstum im ersten Quartal 2016 laut dem Prognosetool 2,7 Prozent. Aus diesen Fakten lässt sich keine Rezession herauslesen. Die Prognosen für 2016 und 2017 stimmen ebenfalls zuversichtlich. So soll die US-Wirtschaft laut Schätzungen der DZ Bank in diesem Jahr um zwei Prozent wachsen, im kommenden sogar um 2,4 Prozent.


Allerdings schwächelt Europa. Im Dezember war die deutsche Industrie in einer schwachen Verfassung. Saisonbereinigt ging sie gegenüber dem Vormonat deutlich um 1,2 Prozent zurück. Dabei war die schwache Produktionsentwicklung im Dezember kein rein deutsches Phänomen. Auch in Frankreich und Italien bleiben die Daten zur Industrieproduktion mit deutlichen Rückgängen auf Monatsbasis weit hinter den Erwartungen zurück. Doch laut Schätzung der DZ Bank soll das Wirtschaftswachstum in Europa sowohl 2016 als auch 2017 anziehen. Wenn mit 1,5 Prozent in Euroland in diesem Jahr und 1,7 Prozent im nächsten nur moderat.

Drei Gründe für den Kurseinbruch

1. Seit Alan Greenspan gehörte die Pflege der Märkte zum Repertoire der Zentralbanker. „Die aktuelle US-Notenbankerin Yellen scheint das aber ihrer eigenen Vernunft überlassen zu wollen“, sagt Wallwitz. „So paradox es klingt, die Börsen sind nach dem endgültigen Ende der Finanzkrise riskanter geworden: Ihnen fehlt der Rückhalt durch die Zentralbanken.“
Die Notenbanken haben damit als Retter der Börsen ausgedient. „Wer rational ist, sollte auf die Bewertungen der Aktien sowie den Zustand der Bilanzen und der Geschäftsmodelle achten, das Rezessionsrisiko richtig einschätzen und sich einen langen Zeithorizont bewahren“, rät von Wallwitz

Die DZ Bank dazu in einer Studie: "Die Aktienmärkte sind im Zuge der Korrektur deutlich billiger geworden. Viele Unternehmen werden am Aktienmarkt so tief bewertet wie seit vielen Jahren nicht mehr. Auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung zunächst noch gehemmt verlaufen sollte, scheinen die Abschläge übertrieben.“

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