Kommt 2018 der Inflationsschub?

Kommt 2018 der Inflationsschub?

Je höher die Inflation, umso rascher schmilzt der Wert des Geldes.

Notenbanker Ewald Nowotny lässt damit aufhorchen, die Inflation könnte 2018 stärker steigen als bisher erwartet. Wie andere Experten die Entwicklung einschätzen und wie man sich an der Börse bei einer steigenden Inflation am besten positioniert.

Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny warnte auf Bloomberg TV vor einem kräftigeren Anstieg der Inflation im kommenden Jahr als bisher angenommen. Aktuell beträgt die Inflationsrate in der EU 1,4 Prozent, bei einem langjährigen Durchschnitt von 1,67 Prozent. In Österreich bei 1,8 Prozent. Noch im September hatten die EZB-Volkswirte für nächstes Jahr 1,2 Prozent vorhergesagt.

Doch nicht nur Nowotny - auch andere Experten gehen davon aus, dass die Inflationsrate im nächsten merklich höher ausfallen könnte. Sie erklären, was die Inflation derzeit am stärksten beeinflusst, welche Einflüsse zurückgehen und warum es für Anleger sogar zu einem Schock auf der Angebotsseite kommen kann. Wie wichtig die Entwicklung der Inflation ist, zeigt sich daran, dass diese zu den wichtigsten Variablen bei Geldentwertung, Wertpapierkäufe und Zinsentwicklung zählt. Von ihr hängt etwa ab, was Sparern und Anlegern von ihren Geldanlagen übrig bleibt.

Höherer Ölpreis? Grund für höhere Inflation?

Als einen wesentlichen Grund für eine höhere Inflation nennt Nowotny die Entwicklung des Ölpreises. Zwar hätten die Prognosen der EZB im September für das nächste Jahr niedrigere Inflationswert von 1,2 Prozent ergeben, aber unter der Annahme eines niedrigeren Ölpreises. Noch Ende August lag dieser bei 50 Dollar per Barrel Brent. Das aktuelle Niveau liegt bereits bei knapp unter 65 Dollar per Barrel.

Bei der Entwicklung des Ölpreises scheiden sich jedoch die Geister. Laut einer neuen Einschätzung der Internationalen Energie-Agentur IEA wird das Wachstum der Nachfrage künftig langsamer ausfallen als bisher.

Inflation unter EZB-Ziel

Noch ist der Preisdruck, trotz der guten Konjunktur in der Eurozone vergleichsweise gering und liegt unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese strebt für den Währungsraum Raten von knapp zwei Prozent an, die sie für die Konjunktur als ideal ansieht.

Weniger Arbeitslose, steigende Preise?

Wie in der Eurozone liegt die Inflationsrate auch in den USA, Großbritannien, Japan und China unter ihrem 20-Jahresdurchschnitt. „In all diesen Regionen steigt die Inflation aber. Und aufgrund einer Verknappung der Arbeitsmärkte und steigender Öl- und Güterpreise ist es wahrscheinlich, dass die Inflation auch in der Eurozone zulegt“, prognostiziert James Athey, Anleihenexperte bei Aberdeen Investments. So ist die US-Notenbank Fed ihrem Ziel einer Inflationsrate von zwei Prozent nun überraschend einen kleinen Schritt näher gekommen. Der US-Wert legte im Oktober auf 1,8 Prozent zu

Inflationsrate von knapp zwei Prozent prognostiziert

Wie sich die Inflation aber entwickeln wird, "ist schwer einschätzbar und nicht erkennbar", gibt Martin Hüfner, Ökonom von Assenagon gibt offen zu. „Viele hatten erwartet, dass die Inflation in den letzten Monaten wegen der überbordenden Konjunktur und höherer Ölpreise steigt. Tatsächlich schwächte sie sich aber bisher ab“, analysiert Hüfner.

Das sollte sich aber auch seiner Einschätzung nach 2018 ändert. Vor allem da die Wirtschaft auf Kurs ist. „Trotz aller Irritationen steigt die Inflationsrate seit kurzem. Sie wird den angestrebten Zielwert von nahe unter zwei Prozent in Europa erreichen. Nur dauert es etwas länger“, so Hüfner in einem aktuellen Kommentar. Vorausgesetzt eine Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar mache das nicht zunichte.

Existiert noch ein Zusammenhang zwischen Arbeitslosenrate und Inflation?

Warum die Inflation so niedrig ist, liegt laut einer Analyse von Mark Burgess, Investmentchef der britischen Fondsgesellschaft Columbia Threadneedle, auch daran, dass der Zusammenhang zwischen Arbeitslosenquote und Verbraucherpreisinflation, auch Philips-Kurve genannt, nicht mehr funktioniere. Die Philips-Kurve besagt: Je niedriger die Arbeitslosenquote, desto höher die Inflation, da die Löhne steigen – und umgekehrt. Die Regel sei deshalb außer Kraft gesetzt, da die Globalisierung immer stärker an Bedeutung gewinnt.

"Der Wettbewerb auf dem weltweiten Arbeitsmarkt sorgt dafür, dass die Löhne niedriger bleiben“, so Burgess. Damit entwickelt sich die Inflation nicht mehr auf Länderebene sondern auf globaler Ebene. „Es spricht daher vieles dafür, dass die Volkswirtschaften der länderbezogenen Phillips-Kurve entwachsen sind und sich stattdessen eine globale Phillips-Kurve herausgebildet hat.“

Globalisierung ein Grund für niedrige Inflation

Daran, dass die Globalisierung Hauptursache der niedrigen Inflation ist, glaubt Columbia Threadneedle dennoch nicht: Während im Zuge der Globalisierung Waren rund um die Welt gehandelt werden und damit globalen Preiskräften unterliegen, werden Dienstleistungen im Inland erbracht. Demzufolge müsste dort eine Preissteigerung zu beobachten sein. „Dem ist aber nicht so, und das ist ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass hier andere Kräfte am Werk sein müssen“, schreibt Burgess.

Arbeitslosenquote vermittle kein wahrheitsgetreues Bild mehr

Eine dieser Kräfte sei der Wandel hin zu einer „Sharing Economy“, in der Menschen sich Arbeitsplätze teilen. Diese Entwicklung wirke deflationär und werde von herkömmlichen Messgrößen für die Inflation nicht erfasst. Angesichts einer zunehmenden „Sharing Economy“ vermittle die Arbeitslosenquote kein wahrheitsgetreues Bild von der Arbeitslosigkeit, und der Anstieg der Löhne verzögere sich somit, glaubt Burgess.

Sinkende Arbeitslosenrate durch alternde Bevölkerung

Hinzu komme, dass aufgrund der alternden Bevölkerung in den Industrieländern die Arbeitslosenquote zurückgeht. Ferner lasse sich das Rätsel um die Lohnentwicklung in Industrieländern teilweise lösen, wenn man bedenke, dass Strukturreformen nach der Krise zur Verringerung der natürlichen Arbeitslosenquoten geführt haben. So seien die Messgrößen für Unterauslastung auf dem Arbeitsmarkt breiter gefasst worden und berücksichtigten nun auch freiwillige Unterbeschäftigung. „Niedrige Löhne sind zudem unter anderem eine Folge anhaltend geringer Produktivitätssteigerungen“, resümiert Burgess.

Unternehmensanleihen und Aktien bevorzugt

Hüfner erwartet dennoch, dass Anleger auch im nächsten Jahr mit Anleihen Geld verdienen werden. "Man sollte es aber nicht in Staatsanleihen tun, sondern in höher verzinsliche Unternehmenspapiere. Dies auch deshalb, weil die EZB im nächsten Jahr vermutlich mehr Unternehmenbonds kauft als in diesem."
Selbst bei einem Anstieg der Inflation auf rund zwei Prozent kommt dieses Inflationsniveau aber vor allem Aktien zu gute.

Angebotsschock bei Staatsanleihen möglich

Anleihenexperte Athey von Aberdeen Investments ist für europäische Staatsanleihen besonders pessimistisch. „Die Zentralbanken beginnen, die vielen Jahre ihres aggressiven und unkonventionellen Stimulus zurück zu fahren. Gleichzeitig wird das Angebot an Staatsanleihen 2018 ansteigen. Vor diesem Hintergrund könnte sich ein Angebotsschock abzeichnen." Noch hat der Verlust der Kaufkraft durch die niedrige Inflation an den Anleihenmärkten aber keine Spuren hinterlassen. Nur wer Anleihen mit langen, etwa solche mit zehn Jahren Laufzeit, kauft, kann überhaupt eine positive Rendite erzielen. Doch das könnte sich 2018 schnell ändern.

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