Weltwirtschaft: Kommt doch die große Inflation?

Sind Inflationsraten in zweistelliger Höhe wahrscheinlich?

Sind Inflationsraten in zweistelliger Höhe wahrscheinlich?

Viele Ökonomen fürchten, dass die Weltwirtschaft am Rand einer Deflation steht. Doch Michael Hasenstab, Chef der US-Fondsgesellschaft Templeton Global Macro, ist anderer Ansicht. Er rechnet bereits zu Jahresende mit einem kräftigen Anstieg der Inflation. Wie sich Anleger wappnen sollten.

Hasenstab, Chef der US-Fondsgesellschaft Templeton Global Macro, zählt zu jenen Stars in der Börsenszene, der immer wieder mit einer konträren Meinung aufhorchen lässt und auch öfter ins Schwarze trifft. So hält Hasenstab die Hypothese einer dauerhaften Stagnation der Weltwirtschaft, die zahlreiche Experten vertreten, für falsch. Seiner Einschätzung nach leidet die Weltwirtschaft nicht unter einem strukturellen Mangel an Gesamtnachfrage und einem chronischen Spargedanken. Die Folge davon wäre ein dauerhaft niedriges Wachstums-, Inflations- und Zinsniveau.

Hasenstab, Chef für die makroökonomische Division von Templeton, hält die Sorgen um eine weltweite Deflation für unbegründet. Dafür sprechen mehrere Faktoren: So vergrößert sich, laut Berechnungen von Tempelton, die globale Produktionslücke allmählich. Zudem erwartet er eine Fortsetzung der Erholung in den Schwellenländern, was Aufwärtsdruck für die Inflationsraten bedeutet. In einer Reihe von Schwellenländern sei die Inflation schon jetzt hoch. Gleichzeitig wurde in vielen Industrieländern die Gesamtinflation durch den plötzlichen Einbruch der Rohstoffpreise gedrückt.

Hasenstab hält die aktuelle Inflationsrate jedoch alleine wegen des niedrigen Ölpreises weltweit für zu niedrig. „Rechnet man den Ölpreis-Effekt heraus, würde die Inflation bereits heute bei zwei Prozent stehen“, so Hasenstab. Denn, so seine Berechnung, bereits ein Anstieg auf 30 Dollar per Barrel würde die Inflation auf rund zwei Prozent ansteigen lassen.

Entwicklung in den USA für die Welt entscheidend

Wesentlich für die Entwicklung der Inflationsrate weltweit ist die USA, der wichtigste Motor für die Weltwirtschaft. Die dortige Inflationsdynamik, ist deshalb entscheidend für die Prognosen zur weltweiten Entwicklung.

Selbst ein stärkerer Dollar würde die Inflation nur um zehn Basispunkte senken.

Vollbeschäftigung in den USA wird Löhne steigen lassen

Doch es gibt noch andere wichtige Faktoren, die, die Inflation beeinflussen. Dazu zählt der US-Arbeitsmarkt. Derzeit herrscht in den USA mit einer Arbeitslosenrate von fünf Prozent de facto Vollbeschäftigung. Und die Firmen tun sich bereits schwer neue Mitarbeiter einzustellen. Hasenstab: „Die Gehälter werden deshalb solide um etwa 2,7 Prozent steigen, wenn nicht noch höher. Das sind eindeutig keine Indizien, die für ein deflationäres Szenario sprechen. Eine stärkere Lohndynamik wiederum spricht für steigenden Privatkonsum und einer steigenden Gesamtnachfrage.
Nimmt man den Ölpreis-Effekt heraus und kalkuliert die hohe Beschäftigungsrate mit ein, dürfte die Inflationsrate gegen Ende des Jahres in den USA bereits laut Hasenstab bei 2,3 Prozent liegen. Das ist höher als der Markt derzeit erwartet und deutlich höher als die US-Notenbank vorhersagt.

Inflation auf deutlich zweistelligem Niveau erwartet

Hasenstab warnt auch vor den Folgen des Quantitative Easings, das Gelddrucken, der Notenbanken. Als Reaktion auf die globale Finanzkrise haben die Zentralbanken in den USA, der Eurozone und Japan ihre Bilanzen massiv erweitert. "Gleichzeitig ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes rapide gefallen, was eine plötzliche Entschuldung des Finanzsystems erkennen lässt. Wenn die Umlaufgeschwindigkeit jedoch wieder auf ihre Vorkrisenniveaus steigt, wird das eine deutliche Zunahme der Inflation in den deutlichen zweistelligen Bereich bedeuten", warnt Hasenstab. Wenn er auch keine Hyperinflation erwartet.

Inflation in den 1960iger Jahren nach gleichen Problem stark gestiegen

Hasenstab warnt davor die Lehren der Geschichte zu vergessen. Von den späten 1950er Jahren bis Mitte der 1960er Jahre lag die Inflation in den USA niedrig und stabil bei etwa einem Prozent. Ab 1965 jedoch stieg die Inflation 15 Jahre lang und gipfelte in einer Gesamtinflationsrate von fast 15 Prozent. Diese „Große Inflation“ wurde ausgelöst von einer Kombination aus negativen Angebotsschocks (insbesondere den Ölschocks 1973 und 1979) und einer Lockerung der Geldpolitik. Hasenstab: „Das zeigt, wie gefährlich der Glaube ist, struktureller Wandel könne Inflationsrisiken verschwinden lassen.“

US-Verbraucherpreise ziehen bereits an

Die aktuelle Entwicklung in den USA spricht für die These von Hasenstab. Die US-Verbraucherpreise zogen im Jänner stärker an als erwartet. Sie kletterten zum Vorjahresmonat um 1,4 Prozent. Dies ist der stärkste Anstieg seit Oktober 2014. Im Dezember lag das Plus nur bei 0,7 Prozent.

Tipps für Anleger

Für Anleger, die, die Sichtweise von Hasenstab teilen, empfiehlt es sich riskantere Investments wie Aktien ins Depot zu legen. Diese profitieren von steigender Inflation und schützen vor Wertverlust.

Wer jedoch dem Deflationszenario zuneigt, sollte seine riskanten Investments abstoßen und in sichere Staatsanleihen umschichten.

Hasenstab erwartet, dass die Märkte Ende des Jahres von steigenden Inflationsraten überrascht werden. Bei sicheren US-Staatsanleihen, die bisher bei Anlegern beliebt waren, hält er einen Trendwechsel für wahrscheinlich. „Die Notenbanken von Japan und der Opec-Staaten, die ihre Länder mit billigem Geld geflutet haben und dieses in US-Anleihen angelegt haben und nun mit einem niedrigen Ölpreis kämpfen, werden diese Assets zurückfahren. Zudem kostet die US-Notenbank mit ihrer Geldschwemme Anlegern in US-Staatsanleihen, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, rund 130 Basispunkte an jährlicher Zinsung. Den fairen Wert für 10-jährige US-Staatsanleihen sieht Hasenstab bei rund vier bis fünf Prozent. Derzeit liegen diese unter zwei Prozent.

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