Ken Fisher: "Es kommen weitere Bullenjahre"

Auch wenn Covid-19, hohe Energiepreise und Straffungen der Notenbanken drohen - die Börsen werden anders reagieren als erwartet, ist Ken Fisher Börsen-Experte Ken Fisher überzeugt und meint: "Erwarten Sie ein großartiges Jahr 2022 für Aktien."

Ken Fisher, US-Investmentberater und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

Ken Fisher, US-Investmentberater und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

Der Ausblick

Aktien tun immer das, was am wenigsten erwartet wird, was aber rückblickend, wenn man die Fundamentaldaten kennt, überraschend rational war. Am wenigsten erwartet werden wohl derzeit zwei oder drei weitere Bullenmarktjahre - und gerade das macht sie sehr wahrscheinlich. Lassen Sie mich das erklären.

Zunächst meine Prognose für 2022: ein ängstlicher globaler Aktienmarkt bis zum Sommer, mit Seitwärtsbewegungen. Gefolgt von einer starken zweiten Jahreshälfte, die 2022 für zweistellige Zuwächsesorgen wird.

Im letzten Jahr habe ich angekündigt, dass der politische Zyklus in Amerika für ein gutes 2021 sorgen würde. In rund der Hälfte der ersten Regierungsjahre eines neuen US-Präsidenten verzeichneten Aktien seit dem Jahr 1925 Einbußen. Und in der anderen Hälfte? Da legten sie zumeist kräftig zu, so wie 2021. Da betrug der Zuwachs weltweit 31,1 Prozent, der ATX stieg um 43,6 Prozent. Die Prognose für zweite Amtsjahre ist eher riskant. Aktuell wird keine oder eine nur leicht steigende Entwicklung erwartet. Aber die Reaktion der Märkte ist häufig nur für ganz wenige verständlich.

Der Midterm-Faktor

Covid-19, Inflation, Energiepreise, Straffungen der Zentralbanken etc. torpedierten den Optimismus von Anfang 2021 und verlängerten den weltweiten Bullenmarkt. Das erwartete BIP-Wachstum geriet ins Straucheln. Mit den Sorgen um Omikron, steigenden Infektionszahlen, dem EU-Taxonomie-Streit und möglicherweise steigenden Zinsen erwartet jeder noch Schlimmeres. Das erste Halbjahr 2022 dürfte damit holprig werden. In den USA wird das politische Getöse üblicherweise angesichts der anstehenden Midterm-Zwischenwahlen lauter.

Aber das ist ganz normal. Seit 1925 mäandern die Aktien im zweiten Amtsjahr eines Präsidenten, typischerweise mit Stagnation oder leichtem Anstieg in der ersten Jahreshälfte.

Dann gibt es Bewegung: In 83 Prozent der vierten Quartale steigen Aktien wieder. Sie preisen ein, dass die Partei des Präsidenten in der Regel bei den Midterms an Einfluss verliert und damit extreme Gesetze unmöglich werden und politische Ruhe einkehrt. Aktien lieben das.

Der Präsidenten-Faktor

Erwarten Sie ein großartiges Jahr 2022. Die aktuellen Sorgen werden bis zum Herbst verblassen. Die Inflation wird sich abschwächen, da die durch Lieferengpässe und Arbeitskräftemangel bedingten Probleme schneller abklingen, als die meisten erwarten. Die lang-und kurzfristigen Zinsen dürften damit trotz der Rücknahme der Anleihekäufe von EZB und US-Notenbank günstig bleiben, was von den Märkten bereits eingepreist wird. Omikron ist zwar hoch ansteckend, aber mit deutlich milderen Verläufen. Dies trifft wohl auch für neue Varianten zu. Bis Ende 2022 wird die Welt gelernt haben, mit Covid-19 zu leben, so wie mit der Grippe.

Die Klarheit nach den US-Midterms wird eine gewaltige Jahresendrallye entfachen. Es glaubt zwar niemand, also wiederholt es sich regelmäßig. Joe Bidens Demokraten verfügen derzeit nur über eine knappe Mehrheit im Kongress. Die Republikaner dürften daher im November die Kontrolle an sich reißen und damit Stillstand im politischen Geschehen auslösen. Die Aktien preisen das ein und befeuern damit den zweistelligen Renditeanstieg für das gesamte Jahr 2022.

Weiter Luft nach oben

Dieser Stillstand wird auch ein großes Jahr 2023 und möglicherweise 2024 prägen. In 92 Prozent aller dritten Amtsjahre von US-Präsidenten legten Aktien zu, seit 1939 gab es keine Rückgänge. Und die vierten Jahre? Die waren zu 83 Prozent positiv, mit durchschnittlichen Renditen von elf Prozent. Dies hallt weltweit nach. Der ATX weist eine Korrelation von 0,68 mit dem amerikanischen S&P 500 auf. Das ist hoch, da 1,00 eine gleichlaufende Bewegung und Minus 1,00 den polaren Gegensatz anzeigt. In der breiteren Eurozone beträgt sie 0,82.

Anfang 2023 könnte die Aussicht auf eine mehrjährige positive Marktentwicklung gierige Kaufanreize auslösen und für einen letzten euphorischen Spurt in das Jahr 2024 sorgen.

Es sind große Wachstumsunternehmen, die in späten Bullenmärkten am hellsten glänzen. Die Outperformance 2021 im wertlastigen Österreich ist ungewöhnlich und dürfte kaum anhalten. Setzen Sie also auf französische Luxusnamen, dänische und britische Pharma-und Biotech-Unternehmen sowie auf die großen Namen bei US-Technologie-und technologieähnlichen Werten.

Anlageerfolg baut darauf, das Unergründliche zu erfassen. Im Jahr 2022 bedeutet dies, zu erkennen, dass dieser Bullenmarkt noch kräftig Luft nach oben hat - bevor es die anderen tun.


Der Gastkommentar ist der trend. PREMIUM Ausgabe vom 28. Jänner 2022 entnommen.

Brutto-Netto-Rechner: Was Sie verdienen, was Sie kosten

Wie viel vom Bruttogehalt landet monatlich tatsächlich auf dem Konto? Und …

Dietrich Mateschitz bei Formel 1 Tests in Jerez, 2015

Die reichsten Österreicher: Die Liste der Milliardäre & Clans

Die 100 reichsten Österreicher besitzen mehr als 200 Milliarden Euro und …

EZB-Präsidentin Christine Lagarde

Lagarde: "Kein anhaltendes Inflationsproblem zulassen"

EZB-Präsidentin Christine Lagarde betont, dass die Zentralbank weiter, …

Geld am Sparbuch: Wertverlust so hoch wie seit 50 Jahren nicht mehr

Seit 2011 verlieren Sparbuchsparer durch sinkende Zinsen Geld am Konto. …