Ken Fisher: Value-Aktien müssen warten

Gastkommentar. Die Kurse von niedrig bewerteten Titeln von Banken, Airlines oder Tourismusunternehmen werden nicht so schnell wieder steigen.

Ken Fisher, US-Investmentberater und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

Ken Fisher, US-Investmentberater und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

VALUE-COMEBACK? Nach einem Jahrzehnt der Dominanz von Wachstumsaktien sei nun die Zeit von Value-Aktien gekommen, denn diese würden zu Beginn einer Hausse gerne führen -sagen die einen. Andere sehen deren langes Zaudern und meinen, der Aufstieg von Index-Orientierung und Private Equity sei das Ende der Value-Aktien. Beides ist falsch. Value-Aktien werden eines Tages führen, nur nicht allzu bald. Das merkwürdige Jahr 2020 bringt sie und das bei Value-Aktien starke Österreich aus der Mode.

Schon im vergangenen Monat schrieb ich, dass die von den Datenjüngern erwartete globale Führung der Value-Aktien nicht eintreffen wird. Warum? Weil der Aktienabsturz viel zu schnell kam. Normalerweise geht es langsam bergab, während die Aktien eine anstehende Rezession einpreisen. Anleger blenden den zögerlichen frühen Rückgang aus - starke, panikartige Einbrüche häufen sich erst spät.

2020 jedoch gab es einen rasanten Abschwung inmitten einer starken Weltwirtschaft. Zwischen 2014 und 2019 wuchs das österreichische BIP in jedem Jahr, auch 2019 um immerhin noch 1,4 Prozent. Aber es fehlte die Euphorie, die meist den Untergang einer Hausse einleitet. Durch die Lockdowns stürzten die Aktien weltweit in nur 13 Handelstagen von ihrem Allzeithoch ab. Diese Talfahrt dauerte etwa einen Monat, wobei der ATX fast halbiert wurde.

Trotz seiner Wucht verhielt sich der Absturz wie eine massive Marktkorrektur. Dies verzerrte den Kreditzyklus, der die übliche Outperformance der Value-Aktien in einer frühen Hausse befeuert. Wenn sich das Wachstum dann verfestigt, beginnen Zentralbanken ihren Kampf gegen die Inflation. Sie verschärfen die Geldpolitik, am Ende sogar zu stark. Die kurzfristigen Zinsen übersteigen die langfristigen, was zu einer Umkehrung der Zinsstrukturkurve führt. Den Banken - die kurzfristig ausleihen und langfristig verleihen und die Marge einstreichen -fehlt der Anreiz, Kredite zu vergeben; diese werden knapp. Aktien geraten in einen Abwärtstrend und preisen die Rezession vorab ein.

Value-Aktien, die häufig höhere Kreditrisiken enthalten, stürzen ab, weil Anleger sie meiden. Viele fürchten um ihr Überleben. Schließlich führt Panik dazu, dass die Aktien zu weit fallen. Die Zentralbanken senken die kurzfristigen Zinsen -üblicherweise um mehr, als die marktbestimmten langfristigen Zinssätze zurückgehen, und die Zinsstrukturkurve wird steiler. Die Märkte reagieren, erwarten breitere Kreditaufschläge und eine erneute Kreditvergabe -und Value-Aktien steigen und führen.

WIENER BÖRSE. Der Abschwung 2020 jedoch wurde von den Lockdowns ausgelöst. Value-Aktien litten nicht unter dem Druck, der sie sonst für die Führung bei einem einsetzenden Aufschwung in Stellung bringen würde. Vom Märztief bis zum 28. Oktober hinkte der Zuwachs der Value-Aktien (plus 21,4 Prozent) dem der Wachstumsaktien (plus 44,4 Prozent) hinterher.

Der kleine österreichische Markt ist da keine Ausnahme. Die weltweiten Aktien sind seit dem Tief im März um 33,2 Prozent gestiegen, der ATX liegt mit 11,0 Prozent weit zurück. Die Furcht vor einem erneuten Lockdown erklärt dies teilweise. Ein anderer Aspekt ist, dass Value-Aktien wie Banken, Industrie- und Rohstoffunternehmen über 60 Prozent der österreichischen Marktkapitalisierung ausmachen. Auch wenn die inländischen Wachstumswerte um 31,0 Prozent zulegen, sind die mageren 6,2 Prozent der Wertaktien eine große Belastung.

Value-Aktien kämpfen zudem mit einer Reihe von fundamentalen Faktoren. Die massive Lockerungspolitik der Zentralbanken drosselt die langfristigen Zinssätze und verhindert den benötigten Kreditschub. Die geringen Kreditaufschläge drücken auch auf die Gewinne der Banken, die klassische Wertaktien sind. Die Ölschwemme erstickt die Energieaktien. Hotels, Restaurants, Fluggesellschaften und Freizeitunternehmen sind alles Wertaktien -mit großen Problemen.

Fachleute ignorieren das und behaupten, dass die Value-Aktien "fällig" seien. Aber Marktführung kehrt sich nie um, weil ein Stil "fällig" ist. Ebenso wenig ist ein Stil nach einer Schwächephase "am Ende". Die Marktführung wechselt, wenn sich fundamentale Faktoren verändern, die die Unternehmensaussichten beeinflussen. Im Fall von Value-Aktien ist das ein Kreditboom -der ist in absehbarer Zukunft unwahrscheinlich. Daher dürfte der Rückstand der Value-Aktien - und damit der von Österreich - bestehen bleiben. Halten Sie einige davon für die Diversifizierung ihres Portfolios; entscheidend ist aber, globale Wachstumstitel zu erwerben.


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