Ken Fisher - Die Schwächen der Austro-Stocks

Ken Fisher - US-Investmentberater und Autor

Ken Fisher

Gastkommentar von Ken Fisher: Erst nach dem nächsten Marktrückgang werden österreichische Aktien wieder zu glänzen beginnen.

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Nach jeder Marktkorrektur steigen in der Regel diejenigen Sektoren am stärksten, die am meisten verloren haben. Nach den Verlusten des ATX (AT0000999982) mit minus 20,1 Prozent im Q4 2018 (weltweit: minus 16,5 Prozent) müssten Österreichs Aktien nun boomen. Tun sie aber nicht. Weltweit sorgte die Erholung bis Mitte Juli für ein Plus von 20,1 Prozent, der ATX schaffte (einschließlich Dividenden) nur 11,4 Prozent. Warum? Das Problem Österreichs hat nichts mit der Wirtschaft, dem Euro oder Populismus zu tun. Schuld ist die aktuelle Phase des Bullenmarkts - und die daraus resultierenden Ziele der Anleger.

Der Marktanstieg läuft seit zehn Jahren. Gegen Ende eines solchen Bullenmarkts bevorzugen Anleger in der Regel große Unternehmen mit hohen Bruttogewinnmargen (Umsatz minus Produktionskosten). Käufer, die zu einem späten Zeitpunkt neu einsteigen, suchen nicht nach der Nadel im Heuhaufen mit besonders hohem Potenzial. Sie wollen bekannte Namen mit globaler Präsenz, Beständigkeit, wachsenden Erträgen und hoher Bruttogewinnmarge zur Finanzierung des Wachstums.

Das kleine Österreich

Dies benachteiligt österreichische Aktien. Im ATX gibt es nicht einmal annäherungsweise Großunternehmen. Die gewichtete durchschnittliche Marktkapitalisierung beträgt global 143 Milliarden Euro. Größtes österreichisches Unternehmen ist die Erste Group (AT0000652011) mit gerade mal 9,0 Milliarden Euro. OMV (AT0000743059) und Raiffeisen Bank (AT0000606306) folgen mit 7,0 Milliarden bzw. 3,5 Milliarden Euro. Global gesehen ist das wenig. Der gesamte ATX enthält 44,6 Milliarden Euro - Microsoft (US5949181045) allein ist aber schon 887,3 Milliarden Euro schwer und damit fast zwanzigmal größer als der ATX!

Es geht jedoch nicht nur um Größe. Die Zusammensetzung der Sektoren im ATX ist ebenfalls nichts für die Spätphase. Der ATX besteht zu 36,6 Prozent aus Finanztiteln. Mit einer gleichbleibenden Zinsstrukturkurve, Negativzinsen in Europa und laufender Angst vor Finanzkrisen hinken Banken weltweit hinterher. Das belastet natürlich auch Österreich.

Darüber hinaus zählen viele Firmen außerhalb der Finanz in Österreich zur Grundstoffindustrie und zur nicht fördernden Rohstoffbranche wie z. B. Bauprodukte oder Spezialstahl. Diese zyklischen Aktien sind eng mit dem Wirtschaftswachstum verbunden. Sie zeichnen sich durch geringe Bruttogewinnmargen aus und geben Anlegern wenig Ausblick auf die Zukunft des Unternehmens. Für Späteinsteiger ist das kaum attraktiv.


Amerikas Vorsprung beruht auf Technologie-Unternehmen.

Der Vergleich amerikanischer und europäischer Renditen verdeutlicht dies. Seit Anfang 2017 haben US-Aktien Europa klar geschlagen. Bis Mitte Juli stiegen sie in Euro um 29,8 Prozent, deutlich mehr als die 15,2 Prozent in Europa. Die meisten Fachleute würden wohl das langsamere Wirtschaftswachstum oder den Populismus in Europa dafür verantwortlich machen.

Aber: In den USA sorgen speziell der riesige Technologiesektor und die FANGs - Facebook (US30303M1027), Amazon (US0231351067), Netflix (US64110L1061) und Google (US02079K3059) - für besonders großen Einfluss schnell wachsender Mega-Caps mit hohen Bruttomargen. Nimmt man Technologie und Kommunikation aus den US-Renditen heraus, entsprechen sie den europäischen. Anders gesagt: Der Vorsprung Amerikas gegenüber Europa beruht vor allem auf den Mega-Technologieunternehmen und den FANGs.

Österreichs Vorteil

Österreichs kleine Firmen mit geringen Bruttogewinnmargen sind jedoch nicht ständig im Nachteil. Ihre Zeit ist die Anfangsphase eines Bullenmarkts. Es ist eine Frage der Denkweise: Fallende Märkte verschrecken alle - bis auf nervenstarke, risikobereite Anleger, die auf potenziell stark steigende Schnäppchen aus sind. Dies sind oft Aktien, die untergegangen wären, wenn die Befürchtungen für die Talsohle eines Bärenmarkts eingetroffen wären. Für Risikoanleger sind große, wachstumsorientierte Unternehmen mit hohen Margen zu langweilig. Wenig kapitalisierte zyklische Firmen mit geringen Margen steigen infolgedessen stark.

Denken wir an den ATX in den frühen Tagen dieses Bullenmarkts. Zwischen 9. März 2009, dem weltweiten Aktien-Tiefststand, und dem Jahresende wuchs der ATX um erstaunliche 84,9 Prozent. Damit übertraf er die Zugewinne der globalen Aktien um 52,3 Prozent (in Euro). Nach dem nächsten Marktrückgang - wann immer das sein mag - sollten die wenig kapitalisierten österreichischen Unternehmen und die Schwerindustrie wieder glänzen. Fassen Sie diese dann ins Auge.

Derzeit stehen aber die großen, hochwertigen Wachstumsaktien im Hoch. Stellen Sie sich global auf, um davon zu profitieren.


Zur Person

Ken Fisher ist einer der erfolgreichsten Investmentberater der USA und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.


Die Gastkommentar ist der trend-Ausgabe 35/2019 vom 30. August 2019 entnommen.

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