Ken Fisher: Health Care hat hohes Potenzial

Ken Fisher - US-Investmentberater und Autor

Ken Fisher - US-Investmentberater und Autor

Gastkommentar. Pharma-Aktien könnten bald genauso einen Boom erleben wie die Tech-Werte in den vergangenen Jahren.

PERSPEKTIVEN. Welche Segmente haben für das nächste Jahrzehnt und darüber hinaus die besten Perspektiven? Dies ist eine übliche Frage für Anleger. Ich setze auf Health Care. Hier treffen innovative Unternehmen, die aktuell schon gute Gewinne machen, auf strukturellen Rückenwind, der noch Jahrzehnte anhalten dürfte. Außerdem sind die großen Pharma-Aktien günstig und befinden sich in einer Position, die von Bullenmärkten speziell in der späten Phase eines Zyklus honoriert wird. Dem ATX fehlt es an Health-Care-Aktien. Sie müssen diese daher anderswo einkaufen, um daran zu verdienen.

Viele Beobachter würden stattdessen Tech-Aktien wählen, da diese sich zuletzt so gut entwickelten. Ein heißes Thema! Tech stieg im aktuellen Bullenmarkt um 678 Prozent, weit mehr als Health Care (plus 379 Prozent). In den vergangenen drei Jahren betrug der Zuwachs bei Tech-Aktien 80 Prozent, doppelt so hoch wie der Schnitt der globalen Aktien (plus 38 Prozent). Health Care kam gerade einmal auf 30 Prozent. Die hohen Renditen der Tech-Aktien und die spannenden Geschichten dazu - Firmen, die radikal die Welt verändern - sind für viele attraktiv.

Was für Health-Care-Aktien spricht

Ich bin bei Tech-Aktien, speziell bei den großen Unternehmen, jedenfalls auf kurze Sicht optimistisch. Aber Health Care bietet ähnlich weltverändernde Unternehmen. Forscher setzen zunehmend auf künstliche Intelligenz, um Datensätze über klinische Studien hinaus auszuweiten. Wege wurden gefunden, tiefgefrorene Organe wiederzubeleben - bahnbrechend für Transplantationen. Forscher der MedUni Wien sind Vorreiter bei Prothesen, die per Funk und über Biosignale gesteuert werden. In Wien werden Nerventransfers zur Wiederherstellung von Muskelfunktionen genutzt. Pionierleistungen wie diese gibt es fast täglich.

Die Nachfrage nach Health Care wird mit zunehmendem Alter und Wohlstand steigen. Laut Weltbank stieg die Lebenserwartung in den einkommensstarken Ländern von 70,1 (1967) auf 80,7 Jahre (2017), in Österreich von 69,9 auf 81,6 Jahre. Arme Länder holen rasch auf. Dort verlängerte sich die Lebenserwartung von 42,4 Jahren (1967) auf 63,4 (2017). Die Weltbevölkerung über 65 Jahre wuchs in dieser Zeit von 179 auf 678 Millionen. Bis 2030 erwartet die UNO eine Milliarde. In Österreich hatten über 65-Jährige vor 50 Jahren einen Bevölkerungsanteil von 13,7 Prozent, heute sind es 19 Prozent.


Pharma-Aktien sind perfekt geeignet für nächsten Zyklus.

Ein längeres Leben ist großartig, geht aber - als Nebenwirkung - Hand in Hand mit altersbedingten Erkrankungen. Diabetes nimmt als Folge von Lebensstil und zunehmendem Wohlstand auch in den Schwellenländern zu. Weltweit leben 425 Millionen Menschen mit Diabetes. Bis 2045 dürfte diese Zahl um fast die Hälfte wachsen. Die Zahl der Krebspatienten stieg nach Angaben des Institute for Health Metrics and Evaluation weltweit zwischen 1990 und 2017 von 45 auf 100 Millionen. 94 Millionen Menschen weltweit sind mittlerweile von Demenz und Alzheimer betroffen. Je länger die Menschen leben, desto stärker steigen diese Zahlen.

Die neuen "Tech"-Aktien

Die globale Alterung, kombiniert mit der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung in Asien, lässt die Nachfrage nach Medikamenten und medizinischen Geräten boomen. Die Gesundheitsausgaben pro Kopf haben sich in den USA, in Deutschland, Frankreich und Österreich seit 2000 inflationsbereinigt etwa verdoppelt.

In den bevölkerungsreichsten Ländern, Indien und China, explodierten diese Ausgaben um 234 bzw. 840 Prozent. Mit zunehmendem Wohlstand bleibt dieses Wachstum ungebrochen. Kurzfristig betrachtet haben Pharma-Aktien alles, was Anlegern in späten Bullenmärkten gefällt: ein berechenbares Renditewachstum, große operative Bruttomargen, Qualitätssicherung, kräftige Bilanzen, globale Präsenz und weltweit bekannte Namen. So wie Tech-Aktien!

Normalerweise führen Kategorien, die in einem Bullenmarkt vorn lagen, den nächsten nicht mehr an. Geschichte wiederholt sich: Tech-Aktien lagen in den 1990er-Jahren vorne, aber nicht im Bullenmarkt Mitte der 2000er-Jahre. Health Care entwickelte sich damals gut, hinkt aber heute hinterher. Historisch passt das zusammen -und Anleger wollen immer, dass sich das zuletzt Geschehene wiederholt. In der Spätphase eines Bullenmarkts klappt das, darüber hinaus jedoch meist nicht. Die Pharma-Giganten liegen in diesem Zyklus zurück - das erhöht die Chancen, dass sie für den nächsten Zyklus perfekt sein werden.


Zur Person

Ken Fisher ist einer der erfolgreichsten Investmentberater der USA und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.


Die Gastkommentar ist der trend.PREMIUM-Ausgabe 43-44/2019 vom 25. Oktober 2019 entnommen.

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