Ken Fisher: Der Aufschwung folgt bestimmt

Gastkommentar. Anleger sollten jetzt nicht dem Pessimismus der Zweifler zum Opfer fallen, sondern auf die Erholung der Börsen setzen.

Ken Fisher, US-Investmentberater und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

Ken Fisher, US-Investmentberater und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.


Investors Challenge #IC20

Die Hauptpreise


AUFWÄRTSTREND. Erholen sich die Aktienkurse tatsächlich? Im April verzeichneten die Börsen ihre höchste Monatsrendite seit April 2009, dem ersten vollen Monat des letzten Bullenmarkts. Dem sei nicht zu trauen, sagen Experten.

Das Schlimmste stehe noch bevor, sie nennen als Grund die schlechten Wirtschaftsdaten und eine mögliche zweite Covid-19-Welle. Vielleicht haben sie recht. Der Tiefpunkt eines Bärenmarkts ist nicht vorherzusagen. Für erfolgreiches Investieren machen Sie sich aber am besten die negative Haltung der Experten zu eigen. Denn: Ein neuer Bullenmarkt wird immer angezweifelt. Ich bezeichne das als Pessimismus des Zweifelns, der die Grundlage für jeden neuen Aufwärtstrend bildet. Lassen Sie mich das erklären.

Fallende Märkte wirken sich verheerend auf die Anlegerstimmung aus. Normalerweise verschlechtert sich die Stimmung, wenn die Aktien fallen und eine üble Rezession entsteht. Der Rückgang beschleunigt sich spät, wenn Panik um sich greift und die Ängste der Anleger überhandnehmen. Wie ich im vergangenen Monat beschrieb, war der Absturz 2020 der schnellste je gemessene, weil die beispiellosen Covid-19-Einschränkungen die Aktienmärkte zur ultraschnellen Einpreisung einer Rezession zwangen. Aber der Hintergrund des Bärenmarkts, der diese Ängste antreibt, bleibt unverändert.

Aus Furcht wird oft vergessen: Auf einen Abschwung folgt immer ein Aufschwung. Er kündigt sich nur nie an. Stattdessen werden die Nachrichten so düster, dass letztendlich alles außer einer Katastrophe die Anleger positiv überrascht. An diesem Punkt, wenn die Erwartungen völlig im Keller sind, beginnt der Bullenmarkt.

Und wenn er beginnt, glaubt es kaum jemand. Denn es werden nur die schlechten Nachrichten gesehen, Positives wird ignoriert oder gar ins Schlechte verdreht. Denken Sie an den Bärenmarkt 2007 bis 2009. Nur die wenigsten erkannten die massiven weltweiten Konjunkturprogramme - in Österreich etwa die Projekte zur thermischen Gebäudesanierung und die regionalen Beschäftigungsprogramme - als Rückenwind für Aktien. Die meisten meinten, diese würden nichts bringen; und wenn doch, nur größere Probleme wie massive Inflation und ausufernde Schulden verursachen.

Als sich die Wirtschaftsdaten 2010 besserten, jubelten nur wenige. Stattdessen wurde oft befürchtet, dass eine wirtschaftliche Besserung zu einer restriktiven Politik der Zentralbanken führen und damit die durch die Impulse losstartende Börsenrally stoppen würde. Jeder, der die auf Hoffnungssignale verwies, wurde als Träumer oder Idiot abgetan.

PESSIMISMUS. Diese regelmäßig wiederkehrende Haltung ist der "Pessimismus des Zweifels". Er gedeiht gerade wieder. Die Freude über die Verlangsamung der Covid-19-Daten wird von der Angst vor neuen Ausbrüchen übertönt. Die Erholung des Aktienmarkts? Wird als kurzfristiger Erfolg der Zentralbanken abgetan. Billigere Unternehmenskredite würden die Schuldenblase nur weiter aufpumpen und bei zunehmenden Ausfällen dann die Aktien vernichten, so die Experten. Und dann die Wirtschaftsdaten: explodierende Arbeitslosigkeit, sinkende Einzelhandelsumsätze und industrielle Produktion sowie ein historisch schwaches BIP. Die meisten behaupten, dass wir zumindest die Tiefststände vom März nochmals antesten müssen.

"Große Anfangsgewinne gehen an den meisten Anlegern vorbei."

Diese Ängste drücken positiv auf die ökonomischen Erwartungen. Wenn die meisten eine Katastrophe erwarten, können schon etwas weniger schlimme Zahlen die Aktien hochtreiben. So wie im Jahr 2009: Am 9. März waren die

Aktien am Tiefpunkt, aber das österreichische BIP kehrte sich erst in Q3 geringfügig ins Positive. Die Arbeitslosigkeit ging erst im November zurück. Der ATX jedoch war bereits Ende Juni um 48,6 Prozent geklettert. Dasselbe passierte in den USA: Die Rezession endete ebenfalls in Q3 - aber zu diesem Zeitpunkt waren die US-Aktien bereits um 23 Prozent gestiegen. Dies, obwohl die Arbeitslosenquote mit 9,5 Prozent hoch war und weiter stieg.

Dies wird auch bei einer zweiten Covid-19-Welle gelten. Natürlich könnte ein Wiederaufflammen schlimm sein. Aber Anleger, die sich fragen, ob es dazu kommt, denken falsch. Fragen wir lieber: Würde eine zweite Welle schlimmer sein als befürchtet? Das könnte sein - aber wenn der Pessimismus des Zweifels die Stimmung weiter drückt, müsste dies wirklich erheblich sein. Wir wissen nicht, ob der neue Bullenmarkt bereits unterwegs ist. Aber die Aktienmärkte funktionieren so: Große Anfangsgewinne gehen an den meisten Anlegern vorbei, weil der Pessimismus die Zweifler blind macht. Gehören Sie nicht dazu.



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