Ken Fisher: Auch an Unternehmen denken!

Gastkommentar von Ken Fisher: Selbst bei einer Rezession werden sich die Kurse wieder erholen. Und sogar schneller als die Realwirtschaft.

Ken Fisher ist einer der erfolgreichsten Investmentberater der USA und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

Ken Fisher ist einer der erfolgreichsten Investmentberater der USA und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

STARKE KURSERHOLUNG. Was ist der beste Schachzug nach dem massiven Einbruch des ATX? Denken Sie an Warren Buffett: "Sei gierig, wenn andere ängstlich sind, und ängstlich, wenn andere gierig sind." Wie sich Aktien in den nächsten Wochen entwickeln, ist völlig offen. Denkt man im Zeitraum von sechs, zwölf oder 18 Monaten, lässt die aktuelle Angst an den Börsen eine starke Kurserholung danach erahnen.

In Österreich und in der Welt erschüttern die drastischen Reaktionen von Unternehmen und Politik auf Corona die Wirtschaft. Die von Bundeskanzler Sebastian Kurz und immer mehr europäischen Staaten verhängten Einreiseverbote und Grenzsperren stehen beispielhaft für die weltweite Entwicklung. Bleiben diese Einschränkungen über längere Zeit bestehen, steht eine Rezession vor der Tür.

Alle Nachrichten zu Corona rufen panikartige Reaktionen hervor. Statistiken und Prognosen zu Ansteckungs- und Sterberaten beherrschen die Schlagzeilen. Während diese modellgestützten Vorhersagen zweifelsohne beängstigend sind, handelt es sich dennoch um Schätzungen.

Ein Beispiel dafür: Bei den meisten Infizierten löst Covid-19 eine eher harmlose, grippeähnliche Erkrankung aus. Und bei den beiden am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen -älteren Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem - wird es in Wirklichkeit die Sterblichkeit sinken lassen. Dies ist der weithin bekannte Peltzman-Effekt: Wenn die Furcht zunimmt, werden Maßnahmen ergriffen, um das Risiko zu verringern.

Diese reduzieren gleichzeitig aber auch ähnliche, parallel auftretende Risiken. Auf Corona umgelegt: Maßnahmen zum Schutz gegen Corona reduzieren gleichzeitig auch das Ansteckungsrisiko durch ähnlich übertragbare Krankheiten wie zum Beispiel Grippe oder Lungenentzündung. Die Zahl der Todesfälle durch diese Krankheiten übertrifft bei Weitem die Folgen von Covid-19. Deren Rückgang sollte also den Anstieg der Covid-19-Todesfälle mehr als ausgleichen. Aber darüber redet derzeit niemand.


Maßnahmen zur Eindämmung bringen der Wirtschaft Verluste.

Ja: Covid-19 hat dramatische Folgen für viele Menschen. Aber wenn wir speziell die Aktienmärkte betrachten, liegt das höchste Risiko bei den einschneidenden Maßnahmen, die derzeit von Unternehmen und Regierungen gesetzt werden. Die Absage von Reisen, Veranstaltungen, Handel und Versammlungen verbreitet Unsicherheit - mit weitreichenden Folgen. Nicht nur die Umsätze in Handel und Gastronomie kollabieren, es ergibt sich ein umgekehrter Multiplikatoreffekt. Schulschließungen haben zur Folge, dass Eltern wegen der Betreuung ihrer Kinder nicht arbeiten können und ihren Konsum reduzieren. Je länger es dauert, bis wir zur Normalität zurückkehren, desto mehr leidet die Wirtschaft.

EINDÄMMUNG. Alle bislang getroffenen Maßnahmen zielen auf die Eindämmung des Virus ab. Statistiken belegen allerdings, dass alle Versuche, eine Verbreitung zu bremsen, in der westlichen Welt zum Scheitern verurteilt sind. Die Entwicklungen in Österreich, Italien und Europa bestätigen dies. Die wissenschaftliche Untersuchung des Corona- Ausbruchs auf dem Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" zeigte, dass rund die Hälfte der positiv auf Covid-19 getesteten Personen keine Symptome entwickelte. Dennoch haben viele Überträger das Virus unwissentlich verbreitet. Die Maßnahmen zur Eindämmung haben zu wenig Nutzen für die öffentliche Gesundheit - aber große wirtschaftliche Verluste.

Covid-19 könnte zeitgleich mit der Grippewelle zurückgehen. Dies meint etwa ein Experte aus China, der 2003 die Bekämpfung eines Corona-Ausbruchs leitete. In diesem Fall werden sich die Aktienkurse schneller erholen, als man sich vorstellen kann. Sollten Virus und Shutdown länger dauern, droht hingegen eine weltweite Rezession.

In diesem Fall bedenken Sie: Eine Rezession und ein Bärenmarkt durch behördlich verordnete Einschränkungen bei einer Epidemie sind einzigartig in der Geschichte. Dennoch hatten wir historisch betrachtet viele globale Rezessionen. Jedes Mal ging es danach wieder bergauf. Der wirtschaftliche Aufschwung tritt zumeist früher ein als erwartet. Die Kurse reagieren im Vorhinein und preisen das ein. Die Details einer Krise unterscheiden sich von Fall zu Fall. Buffetts Zitat trifft aber immer zu.

Ausnahmslos ist der Aktienmarkt in seiner Entwicklung jeweils den Wirtschaftsdaten voraus. Die Corona-Panik kam ohne Vorwarnung -und könnte ebenso rasch wieder verschwinden und eine Marktentwicklung wie ein V bewirken. Ja, es sind angsterweckende Zeiten. Seien Sie also gierig!


Zur Person

Ken Fisher ist einer der erfolgreichsten Investmentberater der USA und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.



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