Ken Fisher: Aktien lieben Stillstand

Ken Fisher - US-Investmentberater und Autor

Ken Fisher - US-Investmentberater und Autor

Das süße Geheimnis der US-Politik beflügelt weltweit die Börsen - auch in Österreich.

Nur Monate nach dem Weihnachtstief glich der von mir im März beschriebene V-förmige Anstieg den Absturz aus Q4 bereits wieder aus. Der ATX liegt 16,8 Prozent höher - wenn auch immer noch 12,7 Prozent unter dem Hoch von Jänner 2018. Und die Rallye ist für die globalen und österreichischen Aktien noch nicht vorbei. Grund dafür ist die amerikanische Politik. 2019 ist das dritte Jahr der Amtszeit von Präsident Trump - historisch betrachtet der Beginn einer guten Zeit für die Aktienmärkte in Amerika und Österreich.

Das Geheimnis des süßen dritten Jahres heißt "Stillstand". Die Wähler hassen ihn - sie wollen Taten sehen, die ihre Unterstützung rechtfertigen. Das zeigt ihnen Trump gerade mit seinem Säbelrasseln im Handelskrieg mit China. Aktien schätzen aber keine aktiven Regierungen, da diese Gesetze verändern und von Unternehmen Anpassungen fordern. Das führt zu Gewinnern, Verlierern und ungewollten Konsequenzen. Ein Stillstand verhindert das und gibt den Unternehmen mehr Planungssicherheit. Was wäre Ihnen lieber?

Anders als in Österreich haben Wahlen in den USA Fixtermine: alle vier Jahre Präsidentschaftswahlen mit "Midterms" nach der Hälfte. Dabei gewinnt regelmäßig die Opposition und festigt damit - wie 2018 - den Stillstand. Präsidenten nehmen sich daher große Gesetzesvorhaben immer in ihren ersten beiden Jahren vor. Diese gesetzgeberische Eile befeuert die Unsicherheit; Stillstand schwächt sie wieder ab. Durch den Wahlkampf im vierten Jahr ruht die Gesetzgebung weiter.

Die Inaktivität

Aktien lieben die daraus folgende Inaktivität. Seit 1925 stiegen die US-Aktien in 91 Prozent aller dritten Jahre durchschnittlich um 18 Prozent (in USD). Das letzte negative Jahr war 1939, zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, mit lediglich minus 0,9 Prozent. Auch die vierten Jahre glänzen: Sie entwickeln sich zu 83 Prozent positiv, mit Renditen von durchschnittlich elf Prozent. Die europäischen und österreichischen Aktien sollten ebenfalls feiern: Die Korrelation europäischer Aktien mit amerikanischen beträgt 0,84; Österreich liegt bei 0,72. Natürlich sind für österreichische Aktien lokale Faktoren bedeutsam, aber globale Kräfte spielen eine große Rolle.

Dritte und vierte Jahre entwickeln sich jedoch unterschiedlich. Die Stillstandsparty befeuert im dritten Jahr die Aktienmärkte früh, später schwächeln die Gewinne. Damit ist der jetzige Zeitpunkt ideal. Warum die Verlangsamung? Die Unsicherheit der Präsidentschaftswahl erwacht erst spät im dritten Jahr und reicht dann in das vierte Jahr hinein. Die Vorwahlen reduzieren die Kandidaten Schritt für Schritt auf zwei. Die Börsen gewinnen dadurch mehr Klarheit; dies beflügelt wiederum die Aktienmärkte im zweiten Halbjahr des vierten Jahres. Durchschnitte ersetzen keine genaue Prognose. Aber das Muster wiederholt sich und beweist die Magie des Stillstands.

Um davon zu profitieren, blenden Sie den Handelskrieg und das Wahlgetöse einmal ganz aus: Bereits 18 Demokraten wollen es bislang mit Präsident Trump aufnehmen. Ihr Match untereinander dürfte Anleger verschrecken und die Gewinne Anfang 2020 bremsen.

Bleibt Trump Trumpf?

Ich kann nicht prophezeien, wer gewinnen wird. Viele verweisen auf die schlechten Umfragewerte Trumps. Diese sind aber kein ausreichender Hinweis auf Trumps Popularität, da seine Anhänger Umfragen meiden. Die Wahl 2016 belegt dies: Trump wurde Präsident, obwohl er keine Mehrheit hatte. Beim US-Wahlmänner-System zählen nur die Bundesstaaten. Die Republikaner führen in den meisten. Wenn die Amerikaner 2020 genauso wählen, gewinnt Trump.

Betrachten Sie Kalifornien, den größten Staat und eine Demokraten-Hochburg. Dort geht Trump wahrscheinlich unter, aber er wird sich den zweitgrößten Staat, das republikanische Texas, schnappen. Wenn dieses Muster landesweit hält, würde Trump nach Wählerstimmen deutlich verlieren, aber die Wahlmänner gewinnen -wie 2016. Seit dem Ersten Weltkrieg hat Amerika nur drei Präsidenten abgewählt: Herbert Hoover, Jimmy Carter und George H. W. Bush, alle unter merkwürdigen Umständen. Aber auch 2020 könnte merkwürdig sein - Trump ist sicher ungewöhnlich.

Ungeachtet dessen erinnern wir uns: Märkte scheren sich nicht um Personen oder Parteien, sondern nur um die Gesetzgebung. Nutzen Sie also 2019 die Ruhe. Bringen Sie sich jetzt für die schwindende Unsicherheit 2020 in Position. Ignorieren Sie den Zirkus und nutzen Sie die globalen Vorteile des US-Stillstands.



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