Börsen: Prognosen für das Anlagejahr 2020

Börsen: Prognosen für das Anlagejahr 2020

Auch 2020 wird es sich wieder lohnen, an den Börsen zu investieren

2020 gibt es an den Börsen wieder gute Chancen für Anleger. JP Morgan Stratege Tilmann Galler sieht die besten in Japan und in den Schwellenländern. Europa und die USA sollten kräftig aufholen.

2019 war wieder eines dieser perfekten Jahre. Für Anleger brachte es die besten Erträge seit fünf Jahren und das über praktisch alle Anlageklassen hinweg. Viele Anlageklassen haben sich damit aber auch weiter verteuert. „Trotzdem gibt es Möglichkeiten, wenn auch die defensiven Investmentbausteine im Portfolio nicht vernachlässigt werden sollten, um für eventuelle Rückschläge gewappnet zu sein“, betont JP Morgan Kapitalmarktstratege Tilmann Galler, der die wichtigsten Themen für Anleger untersucht.

1. Inflation

Einer der größten Risikofaktoren bleibt die Inflation. „Die Chancen stehen zwar gut, dass die Preisentwicklung in diesem Jahr unter Kontrolle bleibt. Allerdings könnten sich Inflationsgefahren aufgrund steigender Löhne in den USA, der Entwicklung an den Rohstoffmärkten und daran gekoppelter politischer Risiken aufbauen“, erklärt der Kapitalmarktexperte. Noch liegen die Inflationsraten in großen Teilen Europas und Asiens aber deutlich unter den Zielen der Zentralbanken, sodass momentan noch keine größere Gefahr besteht. Bis auf Großbritannien verzeichnete kein Land der EU im Vorjahr eine höhere Inflation als zwei Prozent. In fast allen Ländern lagen die Werte sogar deutlich darunter.


2. Wirtschaftswachstum

Im Vorjahr hat sich Wachstum der Weltwirtschaft um mehr als 0,6 Prozent im Vergleich zu 2018 verlangsamt - das bei steigenden Aktienkursen. Das BIP-Wachstum betrug 2,7 Prozent und lag damit unter dem langjährigen Durchschnitt von 2,9 Prozent. Zwar dürfte das BIP-Wachstum der Weltwirtschaft 2020 auf einem ähnlichen Niveau bleiben, aber es gibt Hoffnung.

So beginnt sich nach fast zwei Jahren kontinuierlicher Verschlechterung die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe zu erholen. Die Einschätzung über die Auftragseingänge verbessert sich, die Halbleiternachfrage steigt wieder an und anhaltend günstige Finanzierungsbedingungen tragen maßgeblich zu diesem Umschwung bei. Die Entspannung im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt kann in den kommenden Monaten diesen Trend nochmals verstärken. Extremrisiken haben mittlerweile nachgelassen. Mittlerweile erscheinen sogar einige Aufwärtstendenzen darunter eine Erholung des Geschäftsklimas und Kapitalmaßnahmen, plausibler

Allerdings dürfte die Konsumfreudigkeit etwas an Kraft verlieren. Das Verbrauchervertrauen schwächt sich derzeit etwas ab. Für die europäische Wirtschaft bleibt ein potentieller Handelskonflikt mit den USA das größte Konjunkturrisiko.

Bei der weiteren konjunkturellen Entwicklung hält Galler für entscheidend, dass es die Zentralbanken geschafft haben, nicht nur die Kapitalmärkte nach oben zu treiben, sondern auch den Konjunkturzyklus zu verlängern. 2020 dürfte es daher keine Rezession in den USA und Europa geben.


3. China

In China sieht Galler für 2020 keine Anzeichen für eine harte Landung der Wirtschaft. Es sei vielmehr eine Stabilisierung erkennbar. „Die Maßnahmen, um die Wirtschaft zu stimulieren, waren in den letzten Jahren erheblich, auch wenn bei der Kreditausweitung weiterhin Vorsicht angesagt war“, analysiert der Stratege. Laut Prognosen dürfte das BIP-Wachstum in China 2020 bei rund sechs Prozent liegen.


4. Die Notenbanken

Die Zinspolitik der Notenbanken werden 2020 unterschiedliche Wege gehen: „Die US-Notenbank dürften bei weiterer Zinsveränderungen vorerst pausieren. In den Emerging Markets hingegen sehen wir das Potenzial für einige Notenbanken, das Zinsumfeld weiter zu lockern und damit eine unterstützende Politik für Konjunktur und Kapitalmärkte zu implementieren“, sagt Galler.


5. US-Dollar

Der US-Dollar wird 2020 von einem voraussichtlich stabilen Zinsdifferential zwischen den USA und den anderen Industrieländern gestützt, weshalb Galler den Greenback trotz einer starken fundamentalen Überbewertung in einem volatilen Seitwärtstrend mit möglicherweise leicht fallender Tendenz sieht. Seine Folgerung: „Dies könnte die Investmentperformance gerade auch in Regionen außerhalb der USA unterstützen.“


6. Anleihen

Für Anleihen dürfte das Jahr 2020 eher schwierig werden. „Getrieben auch durch den starken Renditerückgang sind insbesondere die langlaufenden Anleihen höherer Qualität angestiegen. Doch auch im Hochzinsbereich und mit Schwellenländeranleihen waren Erträge bis zu 15 Prozent möglich“, konstatiert Galler.

2020 rechnet er nicht mit sinkenden Renditen, sondern erwartet das Gegenteil: „Angesichts eines leichten Optimismus mit Blick auf die weiteren konjunkturellen Entwicklungen sehen wir die Möglichkeit, dass es gerade am längeren Ende wieder zu leicht steigenden Renditen kommen könnte. Dies würde für Anleihen sehr guter Bonität allerdings ein verlorenes Jahr bedeuten“, erklärt Galler. Bei High-Yield- oder lokalen Emerging-Markets-Anleihen dürfte es noch Potenzial geben.


7. Zinsen

Die Bewertungen von Aktien sind 2019 deutlich gestiegen. Die starken Kursgewinne standen dabei im Kontrast zu stagnierenden Unternehmensgewinnen. Trotzdem sind die Aussichten für das neue Jahr gut. Galler: „Solange die Zentralbanken mit niedrigen Zinsen unterstützend wirken, werden die Aktienbewertungen auch 2020 auf hohem Niveau bleiben.“


8. Unternehmensgewinne

Unterstützend für die Märkte dürfte eine teilweise kräftige Erholung der Unternehmensgewinne sein. Nach einem Jahr der Stagnation sollte 2020 für die Unternehmen besser ausfallen. Vor allem für Unternehmen in den Schwellenländern werden große Zuwächse beim Gewinnwachstum erwartet. In diesen Ländern soll das Gewinnwachstum laut Schätzungen um 15 Prozent zulegen.

Für japanische Unternehmen wird ein durchschnittlicher Anstieg des Wachstums von zehn Prozent prognostiziert. Nach praktisch einem Null-Wachstum der Unternehmensgewinne soll auch in Europa, ohne Großbritannien, das Wachstum wieder um fast zehn Prozent anziehen. Etwas geringer aber auch beachtlich soll das Plus bei US-Firmen sein.


9. Schwellenländer

Nachdem 2019 die Industrieländer die Schwellenländer bei der Aktienperformance mit 30 Prozent gegenüber 20 Prozent übertrafen, könnte die Favoritenrolle 2020 getauscht werden. „Sollte sich die Erholung der globalen Einkaufsmanagerindizes im verarbeitenden Gewerbe fortsetzen, sehen wir die Aktienmärkte der Emerging Markets vor den Industrieländern“, meint Galler.

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