Jim Rogers: "Die Notenbanker sind verrückt"

Börsenlegende Jim Rogers sagt, was er von den aktuellen Maßnahmen der Notenbanken hält, wie er reagiert hätte, warum die USA am absteigenden Ast sind, er aber trotzdem stark im Dollar investiert bleibt, für die Börsen zunächst optimistisch ist, aber den schlimmsten Bärenmarkt der Geschichte erwartet.

Jim Rogers: "Die Notenbanker sind verrückt"

Die US-Börsenlegende Jim Rogers sieht die aktuellen Corona-Mßnahen der Notenbanken kritisch.

Jim Rogers zählt zu jenen wenigen Investoren, die als Börsenlegende gelten. Der 77-jährige Amerikaner hat mit George Soros den Quantum Fonds gründete und vor 30 Jahren einen investierbaren Rohstoffindex aufgelegt. Er warnt bereits seit mehreren Jahren vor den Folgen der Notenbankpolitik seit der Finanzkrise 2008. Nun warnt der Amerikaner, der seit Jahren in Singapur lebt, im Zuge eines Conferencecalls, bei dem auch trend.at dabei war, aufgrund des neuerlichen Anwerfens der Gelddruckmaschinen der Notenbanken, umso eindringlicher vor dessen negativen Auswirkungen.


„Die Notenbanker sind verrückt“

Was die Notenbanken derzeit betreiben, hält er für ein gefährliches Spiel. „Die Zentralbanken drucken so viel Geld sie können. Das wäre vor 30, 40 Jahren nicht passiert. Die Notenbanker haben in den vergangenen 20 Jahren die Bilanzsumme verfünffacht und seien dabei die Schulden noch einmal zu verdoppeln. „Die sind verrückt. Sie kümmern sich nicht um die Zukunft der Kinder“, ärgert sich die Börsenprofi. „Printing and spending money“ würde nicht ohne negative Effekte bleiben. „Wir werden den Preis dafür zahlen“, ist Rogers überzeugt.

Zinsen für US-Staatsanleihen so niedrig wie noch nie, wird nicht so bleiben
Das jahrelange Gelddrucken der Notenbank hätte auch in den USA, wie auch sonst in der Welt, seine Spuren hinterlassen. Die Konsequenzen des Gelddruckens: Die Zinsen für 30-jährige US-Staatsanleihen sind so niedrig, wie noch nie in der Geschichte. (siehe Grafik). Die Leute hätten sich aufgrund des billigen Geldes seit der Krise 2008 stark verschuldet. „Aber die Zinsen werden nicht, wie in den USA bei Null bleiben oder wie teilweise in anderen Staaten unter Null. Dann seien Turbulenzen und Marktverwerfungen vorprogrammiert.


Die USA ist kein sicherer Hafen

Rogers bleibt stark im Dollar investiert
Noch sei Dollar der stark. „aber nur weil die Zinsen nicht ganz so niedrig sind wie in den meisten anderen Ländern und die Leute nicht wissen, wo sie sonst ihr Geld hingeben sollen“, stellt Rogers klar. „Die USA ist kein sicherer Hafen“, so seine Warnung. Wenn die Zinsen steigen, würden viele Länder der Welt ein ernstes Problem haben, einschließlich die USA. Die USA sind schließlich der größte Kreditnehmer der Welt.


Europa fällt auseinander, bleibe stark im Dollar investiert

Einzelne EU-Staaten sind in einem schrecklichen Zustand

Obwohl die USA dabei ist, sich in noch höhere Schulden als schon bisher zu stürzen, bleibt Rogers stark im Dollar investiert. „Der Dollar bleibt überteuert und steuert auf eine Preisblase zu.“ Aber es gebe keine Alternativen, so sein Argument. „Europa fällt auseinander - einzelne EU-Staaten sind in einem schrecklichen Zustand - der britische Sterling ist für Anleger nicht attraktiv, der Schweizer Franken geht ab wie eine Wachstumsaktie, die Japaner haben jetzt schon zu hohe Schulden und drucken weiter so viel Geld sie nur können.“ Langfristig werde der Dollar aber an Wert verlieren. Denn die USA würde es nicht schaffen die Schulden zurückzuzahlen und deshalb noch mehr Geld drucken. Womit eine Spirale nach unten in Gang käme.

Aktien und Anleihen als Profiteure der Geldschwemme
Noch drohe aber keine unmittelbare Gefahr durch die Börsen. „Die Strategie der Notenbanken Geld zu drucken, war noch nie schlecht für Aktien und Anleihen. Die Börsenrallye wird daher, trotz kurzfristiger Rückschläge, vorerst weitergehen“.


Werden in den nächsten Jahren den schlimmsten Bärenmarkt der Geschichte sehen

Rallye bis in den Herbst – schlimmster Bärenmarkt der Geschichte folgt
Die Rallye werde sich, so Rogers, bis in den Herbst fortsetzen. Der bittere Rückschlag würde erst später folgen. Doch dann "werden wir in den nächsten Jahren den schlimmsten Bärenmarkt in der Geschichte sehen“, prophezeit der Börsenguru. Ein solcher Absturz könnte Aktienverluste von 50, 60 und sogar bis zu 70 Prozent nach sich ziehen. Sorgen bereiten Rogers seit dem Ausbruch des Corona-Virus neben den horrenden Staatsschulden, aber auch jene von Unternehmen, die vom Lockdown und Reiseverboten betroffen sind. Rogers: “Wir werden viele Pleiten sehen.“ Kurzfristig würden aber auch diese, wie etwa Airlines, durch die erheblichen Staatshilfen, auch an der Börse reüssieren.


Staaten mit der höchsten Schulden, werden am härtesten getroffen
"Am härtesten werden vom Einbruch jene Staaten getroffen, die sich am stärksten verschuldete haben", prophezeit Rogers. Als Beispiel nennt er Großbritannien. 1920 waren sie noch das reichste Land der Welt. "Doch dann sagten sie sich 'Lass uns Geld drucken' und verschuldeten sich massiv. 30 Jahre später war das Land bankrott. In den 70iger Jahren wollte niemand britische Staatsanleihen kaufen. Heute zählen die Briten nicht mehr zu den führenden Wirtschaftsnationen." Mittlerweile hätte auch die Schuldennation USA ihren Zenit überschritten.


Dinge ihren Lauf lassen
Rogers wäre dafür, den Dingen ihren Lauf zu lassen und in einer schwierigen Phase, wie der Corona-Krise, kein Experiment zu wagen und die Bilanzsumme der USA derart aufzublähen, dessen Ausgang völlig ungewiss sei. Die Welt zuzusperren davon hält er auch nichts.


Re-Globalisierung zu simple gedacht
Dass die Globalisierung nun einen Rückwärtsgang einlegt und wieder mehr in den jeweiligen Regionen der Welt selbst produziert werde, als etwa in Asien, glaubt Rogers – bis auf wenige Ausnahmen - nicht. „Japanische oder europäische Firmen, die derzeit etwa in China produzieren, werden die Produktion nicht in ihre Länder rückverlagern. Dort sind die Kosten einfach zu hoch. Es ist nicht so simpel wie manche glauben.“

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