Analyse: Ein Jahr nach dem China - Schock

Im Finanzviertel Pudong von Shanghai.
Im Finanzviertel Pudong von Shanghai.

Im Finanzviertel Pudong von Shanghai.

Vor einem Jahr hat China mit der Entscheidung, seiner Währung Yuan mehr Flexibilität gegen den Dollar zu gestatten, die Weltbörsen durcheinander gerüttelt. Monika Rosen, Chefanalystin der Bank Austria Privat Banking, analysiert, was von dem damaligen Schock geblieben ist.

Kann sich eigentlich noch jemand an den China-Schock erinnern? Vor einem Jahr hat das Reich der Mitte die Weltbörsen durcheinander gerüttelt: mit der Entscheidung, seiner Währung Yuan mehr Flexibilität gegen den Dollar zu gestatten, hat China damals für große Verunsicherung gesorgt, ein Kurssturz an den Börsen rund um den Globus war die Folge. (trend.at berichtete)

Man befürchtete, dass die chinesische Konjunktur angeschlagener sein könnte als gedacht und dass das Land seine Währung schwächen wolle, um seine Wirtschaft mittels Export zu stützen. Das stimmt zwar im Prinzip, eine Eskalation der konjunkturellen Abkühlung (sprich: harte Landung) blieb bislang aber aus.

Und noch einmal tauchte China groß am internationalen Radar auf, nämlich in der ersten Handelswoche des heurigen Jahres. Der Versuch, Handelsschranken an der Börse einzuführen und so die Volatilität zu begrenzen, führte erst recht zu großen Kursrückgängen. Seither haben sich die Dinge aber merklich beruhigt, wenngleich der Leitindex in Shanghai seit Jahresbeginn immer noch im Minus ist.

Die Entwicklung des Shanghai Composite Index; 5-Jahres-Verlauf; Stand vom 11.8.2016: 3.002,64

Die Entwicklung des Shanghai Composite Index; 5-Jahres-Verlauf; Stand vom 11.8.2016: 3.002,64

Entwicklung Shanghai Composite Index (000001-HKG):Im Jahresvergleich liegt der SSE 24 Prozent im Minus.

Dennoch war das Jahr 2015 kostspielig für China, fast 700 Milliarden Dollar haben die internationalen Anleger im Vorjahr abgezogen. Besonders hoch waren die Abflüsse rund um den Jahreswechsel. Von November 2015 bis Jänner 2016 waren es 100 Milliarden Dollar monatlich. Seither hat sich das Bild aber merklich beruhigt, im April 2016 lagen die Abflüsse unter 25 Milliarden Dollar.

Der ganz normale Yuan

Und der Yuan? Er ist scheinbar nicht mehr wirklich ein großes Thema. Die chinesische Währung hat in den letzten zwölf Monaten sieben Prozent zum Dollar verloren (--> Entwicklung USD/CNY), aber das wird mittlerweile als normales Handelsgeschehen gewertet, das niemanden mehr besonders aufregt. (--> Entwicklung EUR/CNY)

Kursentwicklung USD/CNY und EUR/CNY; Fünfjahresverlauf; Stand vom 11.8.2016: USD/CNY 6,6317; EUR/CNY 7,4169

Kursentwicklung USD/CNY und EUR/CNY; Fünfjahresverlauf; Stand vom 11.8.2016: USD/CNY 6,6317; EUR/CNY 7,4169

Was vielleicht schwerer wiegt, sind ein paar grundsätzliche Fakten: Peking hat jetzt mehrmals die Märkte mit überfallsartigen Maßnahmen überrascht. Zwar wird deren Sinnhaftigkeit nicht angezweifelt. Allerdings war die Art, wie die Neuerungen eingeführt wurden, für die Märkte "schwer verdaulich", um es vorsichtig auszudrücken. Insofern zeigt sich hier wohl auch weiterhin das tiefe Misstrauen, dass die internationalen Anleger gegenüber China hegen.

Zweiter Punkt: die Währungsabwertung hat nicht wirklich geholfen! Das chinesische Wachstum hat von dem Schritt nicht nachhaltig profitiert, die Impulse sind reichlich überschaubar geblieben. Unterm Strich bleibt für China die Lektion, dass der Weg zum vollwertigen internationalen Marktteilnehmer noch weit ist. Der Westen allerdings muss einsehen, dass China diesen Weg trotz aller Hürden gehen will und auch wird.


Monika Rosen ist Chefanalystin, Bank Austria Private Banking.
Folgen Sie der Autorin auf Twitter: @Monika_Rosen

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