IWF: Stabilität der Versicherungsbranche ist in Gefahr

Christine Lagarde, Chefin des IWF, ist um die Stabilität der europäischen Versicherungsbranche besorgt.

Christine Lagarde, Chefin des IWF, ist um die Stabilität der europäischen Versicherungsbranche besorgt.

Die Kapitaldecke von Versicherungen schrumpft. Der IWF warnt nun: "Die Krisenanfälligkeit der Versicherer ist deutlich gestiegen." Mögliche Folgen und Konsequenzen, wenn das Worst-Case-Szenario eintritt.

Nach Ausbruch der globalen Finanzkrise 2008 haben Institutionen in allererster Linie Banken ins Visier genommen, wenn sie die Sicherheit des Finanzsystems untersuchten. Nun richten sich ihre Augen mehr und mehr auch auf Versicherer. Der Branche verfügt in der EU über ein Anlagevermögen von 4,4 Billionen Euro. Doch diese Branche ist in Gefahr. So die Warnung des Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem aktuellen Bericht zur Stabilität des Weltfinanzsystems. Historisch niedrige Zinsen lassen die Kapitaldecke nicht nur von Banken sondern auch von Versicherungen schrumpfen. Denn, Staatsanleihen, in denen die Versicherungen ihr Geld vielfach investieren müssen, um den konservativen Richtlinien genüge zu tun, bringen kaum noch Erträge. Auf der anderen Seite müssen Assekuranzen die vergleichsweise hohen Garantieversprechen der Vergangenheit erfüllen. Doch das schaffen viele nicht mehr, so der IWF in seinem Befund. Jede zweite Versicherung zahlt drauf, so der IWF. Je länger eine Firma einen Zins garantiert habe, desto größer werde das Risiko für sie. Weiteres Problem laut IWF: Die Vernetzung in der Finanzbranche nehme zu, wodurch die Ansteckungsgefahren wüchsen.

Zwar wurden die Garantiezinsen vielfach langsam gesenkt, aber der Durchschnitt liege noch immer bei 3,2 Prozent. 10-jährige Staatsanleihen bringen aber nur noch 0,3 Prozent. Besonders groß sei das Missverhältnis zwischen hohem Garantienzins und tatsächlichem Zins in Deutschland und Schweden. Laut IWF bringt das etwa die in Deutschland beliebten Lebensversicherungen mit garantierten Mindestrenditen unter Druck. Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa fürchte daher nicht ohne Grund, dass die Niedrigzinsen die Konzerne zwingen, deutlich höhere Risiken einzugehen. Der deutsche Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) bekräftigt jedoch seine Aussage die Lage im Griff zu haben und die Niedrigzinsphase überbrücken zu können. Auch die österreichische Versicherungswirtschaft betont das immer wieder.

Der IWF räumt zwar ein, dass die Veranlagung der Versicherer tendenziell vorsichtiger geworden ist, was zum Teil auch mit neuen Bilanzierungsvorschriften zusammenhängt. Weil sich die Kapitalmärkte aber stärker im Gleichklang auf und ab bewegen als früher, steige das Risiko trotzdem.

Globaler Schock könnte das Finanzsystem gefährden

So sei die Korrelationen innerhalb einzelner Asset Klassen und sogar zwischen Aktien und Anleihen gewachsen, was zum Teil auch für andere Assets wie Unternehmensanleihen gelte. "Erleidet das globale Finanzsystem einen Schock, kann es aber passieren, dass viele Versicherer gleichzeitig getroffen werden und damit möglicherweise auch das gesamte Finanzsystem gefährden", so der IWF-Bericht, laut Informationen des Handelsblattes.

Der Garantiezins und im schlimmsten Fall die Einlagen könnten sich in Luft auflösen. „Die Herausforderungen, die sich den Lebensversicherern stellen, müssen schnell angegangen werden“, so der IWF-Bericht.

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