It's IPO-Time: Einhörner finden den Weg an die Börse

It's IPO-Time: Einhörner finden den Weg an die Börse

An der NYSE in der Wall Street sowie an der Nasdaq am Times Square in Manhattan werden vor Sommerbeginn weitere kapitale Börsengänge abgewickelt.

Lyft, Pinterest und Zoom haben eine Welle ausgelöst, auf der andere Unicorns mitsurfen wollen. Etliche Eigentümer der auf über eine Milliarde Dollar bewerteten Start-Ups wollen Kasse machen, Geld fürs Wachstum einsammeln und nun ganz groß mitspielen. Im Mai stehen gleich mehrere milliardenschwere Börsengänge ab.

Der US-Fahrdienstvermittler Lyft hat im März den IPO-Reigen der Unicorns eröffnet. Und in den nächsten Wochen und Monaten stehen einige weitere ähnlich spektakuläre Börsengänge bevor. Zahlreiche Unicorns aus der Start-up-Szene - Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar - stehen vor dem Sprung an die Börse.

Manche Börsianer, Investoren und natürlich auch Gründer und Teilhaber der Start-ups träumen schon davon, dass dabei der Rekord des Alibaba-IPOs vom Oktober 2014 mit Einnahmen über 25 Milliarden Dollar geknackt werden kann. Dass das Marktumfeld trotz ökonomischer Abkühlung passt, hat zuletzt ein Klassiker - also kein Unicorn - gezeigt: Die Jeans-Company Levi's gab Ende März ein Börse-Comeback an der New York Stock Exchange an der Wall Street. Und war dabei sehr erfolgreich.

Der erste Preis für die Jeans-Aktie lag bei von 22,22 Dollar und war damit um gut fünf Dollar über dem festgesetzten Ausgabewert von 17 Dollar, der bereits über der ursprünglichen Preisspanne von 14 bis 16 Dollar lag.

Unicorns mit Fragezeichen

Aus aktueller Sicht ist ein neues IPO-Rekordergebnis aber eher anzuzweifeln, denn zu den Unicorns und ihren Geschäftsmodellen gibt es viele Fragezeichen. Schweldende Rechtsstreits und Probleme mit Regulierungen etwa. Und bei viele dieser Börsenkandidaten sind nach wie vor auf Wachstum getrimmt - eine Ausrichtung, die es auf lange sicht schwer macht, Profite zu erzielen.

Dennoch geht es bei den IPOs der Unicorns um Milliardensummen in ein - bzw. zweistelliger Größenordnung. Die drei Einhörner Uber, Slack und WeWork haben ihr Börsendebüt bereits bei der US-Börsenaufsicht deponiert und die entsprechenden Unterlagen eingereicht. Ab Mai könnte es dann an der Börse rund gehen.

Es drängen aber noch weitere Unicorns an den US-Kapitalmarkt. Darunter der große, aber auch umstrittene Hotel-Konkurrent Airbnb oder das nicht minder konfliktbehaftete Unternehmen Palantir Technologies, das mit Datenanalysen zugunsten militärischer Anwendungen bereits für viel Aufsehen und Kontroversen gesorgt.


Unicorns mit Zug zur Börse

Die heißesten Start-up-Aktien

Vor dem IPO: Unternehmen die das Potenzial haben, bei Börsengängen Milliarden einzusammeln.

1. WeWork - Der Büro-Makler

Der Arbeitsplatz-Vermieter WeWork, vor Jahresfrist noch WeCompany genannt, sucht nach einem Geldsegen. 2018 brachte es der 2010 in New York gegründete Immo-Dienstleister eigenen Angaben zufolge auf 2,5 Milliarden Dollar Umsatz, nach 2,0 Milliarden im Jahr davor. Allerdings verbrennt WeWork derzeit viel Geld. Hauptaktionär Softbank hat bereits zweimal nachgeschossen und Verluste abgedeckt: 2017 waren es 4,4 Milliarden Dollar, 2018 nochmals drei Milliarden Dollar.

Bei der Bewertung scheiden sich die Geister: Die jüngste Bewertung von 47 Milliarden Dollar wird teilweise als "überbewertet" angesehen. Andere sehen angesichts steigender Preise für Büroräume WeWorks Geschäftsmodell mit rosiger Zukunft - langfristig. Die Weichen für den Börsengang wurden Einreichung des Antrags an die Börsenaufsicht SEC nun gestellt.


2. Slack - Ein Tool für professionelle Chats

Der Chat-Dienst Slack wird bereits als neuer Konkurrent für Microsoft, Google oder Facebook gehandelt. Das Softwareunternehmen wurde erst kürzlich mit 13 Milliarden Dollar bewertet - fast doppelt so hoch wie bei der Finanzierungsrunde im August 2018.

Slack wird in 85.000 zahlenden Unternehmen von zehn Millionen Mitarbeitern genutzt. Mehr als 500.000 Unternehmen nutzen die kostenlose Slack-Version. 2018 wurde der Umsatz um 82 Prozent auf 400 Millionen Dollar gesteigert. Unterm Strich schreibt Slack einen Verlust von 139 Millionen Dollar, nach 140 Millionen im Jahr 2017.

Das IPO will Slack ohne Investmentbanken per Direktplatzierung der Aktien an der New Yorker Stock Exchange durchführen. stattfinden. Das 2013 in Vancouver gegründete Unternehmen hat seinen Hauptsitz inzwischen nach San Francisco verlegt.


3. Uber - Die Mega-Börsenparty

Der umstrittene Fahrdienst-Anbieter Uber, der seit Jahren im Dauer-Clinch mit lokalen Taxi-Anbietern und Gesetzen ist, sollte mit dem Börsengang 120 Milliarden Dollar an Bewertung erhalten. Und dementsprechend Kasse machen.

Die Ziele wurden nun gestutzt. Uber soll nun nur noch 90 Milliarden Dollar wert sein. Das Unternehmen legte Ende April 2019 die Preisspanne für die Papiere auf 44 bis 50 US-Dollar fest. Zwischen 7,9 und 9,0 Milliarden Dollar würden so in die Kassen fließen.

Das Geld hat Uber notwendig. Das 2009 gegründete Start-up schreibt bei drei Milliarden Dollar Umsatz noch immer eine Milliarde Verlust. Die Eigentümer sind sich nicht mehr ganz so sicher, ob sie jemals Gewinne schreiben werden.

Die rund 91 Millionen Kunden in über 120 Ländern fahren vielleicht billiger als mit angestammten Taxidiensten, in den Kassen von Uber macht sich das aber nicht als Profit bemerkbar.


4. Airbnb - Hotel-Konkurrent vor dem Börsentor

Airbnb steht für weltweite Zimmersuche. Das erst 2008 gegründete Einhorn hat den Markt für Beherbergungsbetriebe, insbesondere das Hotelwesen, aufgemischt. Und befindet sich dabei wie Uber einen anhaltenden Konflikt mit Branchenvertretern, lokalen Gesetzen und Finanzbehörden.

Dennoch könnte das zweitgrößte Börsendebüt des Jahres werden. Im Gegensatz zu Uber soll Airbnb den Eigentümern bereits seit zwei Jahren Profite bescheren. Letzte Bewertung: 31 Milliarden Dollar.


5. Postmates - Der Bote mit dem Essen

Essen auf Zuruf: Der US-Speisentransporteur Postmates will wachsen. Und dafür Geld von der Börse einsammeln.

In 2.940 Städten der USA und Mexikos ist der Zustelldienst eigenen Angaben zufolge für über 250.000 Restaurants und Lebensmittelgeschäfte tätig. Fünf Millionen Essens-Lieferungen wickelt Postmates pro Monat ab.

Postmates hat bisher 675 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt. Das im März 2011 von einem Deutschen und zwei Amerikanern gegründete Unternehmen wurde mit 1,85 Milliarden Dollar bewertet. Gewinne schreibt das Unternehmen noch keine.


6. Palantir Technologies - Analysen an der Datenfront

Palantir Technologies hat villeicht nicht die Bekanntheit von Uber oder Airbnb, dafür hat das Unternehmen einen 800 Millionen Dollar schweren Auftrag des US-Verteidigungsministeriums am Haken: Das Start-up liefert der US-Army Software, die in Schlachtfeldern eingesetzt werden soll.

Ein Auftrag, der zu dem vielleicht umstrittensten aller Unicorns passt: Der Datenjäger liefert Armeen, Regierungen, Sicherheitsfirmen, Konzernen oder der Polizei Software, die von Kunden und Gegnern schnell Profile generiert.

Der Datacompany werden von Finanzexperten Rosen getreut. Palantir könne es vor seiner ersten Börsenglocke auf eine Bewertung von bis zu 41 Milliarden Dollar bringen. Beteiligt an der 2003 gegründeten Company ist unter anderem Paypal-Gründer Peter Thiel, ein ausgesprochener Fan von US-Präsident Donald Trump.


7. Luckin Coffee - Der Starbucks-Angreifer

Die Antwort auf Starbucks kommt aus China: Luckin Coffee will sich in den USA per Börsengang neues Geld abholen. Erst im Oktober 2017 wurde das Unternehmen in Peking gegründet. Auf 2,9 Milliarden Dollar wird das Start-up bewertet, vor einem halben Jahr waren es noch 2,2 Milliarden.

Das Geld will Luckin Coffee in die Expansion stecken. Zu den 1800 Verkaufsstellen sollen heuer weitere 2500 Filialen eröffnet werden. Apropos Starbucks: Die Amerikaner wollen heuer in China 3600 neue Filialen eröffnen.


8. Lyft - Der Lift an der Börse

Der US-Fahrtendienstleister Lyft hatte im März vorgelegt. Die Lyft-Aktien notieren seither unter der ISIN US55087P1049.

Das Börsendebüt des Uber-Konkurrenten wurde abgefeiert, danach folgte aber die Ernüchterung und die Korrektur nach unten.

Am 29. März lag der Erstausgabekurs der Lyft-Aktie bei 70 Dollar, aktuell wurd sie um 52,80 Dollar - um rund 25 Prozent unter dem Ausgabewert - gehandelt.


9. Pinterest - Die pinke Foto-Suchwand

Besser als Lyft hat sich seit dem IPO das Foto-Netzwerk Pinterest (ISIN US72352L1061) geschlagen.

Der Ausgabekurs zum Börsendebüt Mitte April 2019 lag bei 23,75 Dollar, aktuell wird das Papier um 31,23 Dollar gehandelt.

Beim Börsenstart wurden 75 Millionen Aktien ausgegeben und 1,43 Milliarden Dollar eingenommen. Am ersten Handelstag stieg der Börsenwert zeitweise auf mehr als 12 Milliarden Dollar.

Dennoch: Das 2010 in San Francisco gegründete PINS kann seine Bilder noch nicht in Profite veredeln. 2018 wurde der Umsatz zwar um 60 Prozent auf mehr als 750 Millionen Dollar gesteigert. Aber die Verluste blieben, auch wenn sie von 130 auf 63 Millionen Dollar halbiert wurden.


10. Zoom - Für Video-Profis

Es hat zoom gemacht: Zum IPO hat Zoom Video Communications (ISIN US98980L1017) Pinterest ein wenig die Show gestohlen. Das enorme Anlegerinteresse überraschte auch viele Finanzexperten.

ZM, so das Kürzel der Aktie, konnte an der New Yorker Technologie-Börse Nasdaq mit 65 Dollar rund 80 Prozent zulegen. Das auf Videokonferenzen spezialisierte Start-ups brachte es so auf einen Börsenwert von rund 16,7 Milliarden Dollar. Zoom hatte zuvor mit dem Verkauf von 20,9 Millionen Aktien an Investmentbanken 751 Millionen Dollar erlöst. Vor dem IPO wurde Zoom bereits mit 9,2 Milliarden Dollar bewertet. Vier Wochen nach dem Börsengang später notiert ZM bei 72,76 Dollar.

Erst 2011 in San José in Kalifornien von Ex-Cisco-Manager Eric Yuan gegründet, bringt Zoom bereits Profite auf den Tisch: 2018 wurde ein Gewinn von 7,58 Millionen Dollar erzielt.


11. Levi's - Der Jeans-Klassiker

Alt, aber wieder gut - so könnte man den Zustand von der Levi's-Company beschreiben, die wieder zurück an die Börse gekommen ist (ISIN US52736R1023).

Dem Re-Listing gingen einige durchwachsene Jahre voraus. Das veraltete, vor allem auf Männer fokussierte Image machte Levi's nach Mitte der 90er-Jahre zu schaffen. Nach mehreren Reorganisationen dürfte die US-Jeans-Company Levi Strauss aber den Turnaround geschafft haben.

Das Börsencomeback ist gelungen: Levi's sammelte für die 37 Millionen Aktien der Eigentümerfamilie gut 623 Millionen Dollar ein. Die Gesamtbewertung des Unternehmens beläuft sich immerhin auf 6,55 Milliarden Dollar.

Die Familie des Nachfahren des aus dem kleinen Ort Buttenheim im bayrischen Franken stammenden Gründers Löb "Levi" Strauss hat weiterhin das Sagen dank einer Mehrheit bei den Stimmrechten.


12. Alibaba - Das IPO-Masterpiece

Der vom Englischlehrer Jack Ma gegründete chinesische Internethändler Alibaba ist das Nonplusultra der Börsegänge. 15 Jahre nach der Gründung hat Alibaba (ISIN US01609W1027) beim IPO an der New Yorker Stock Exchange 25,03 Milliarden Dollar eingenommen.

General Motors mit 23,1 Milliarden Dollar und die Agricultural Bank of China mit 22,1 Milliarden Dollar hatten 2010 bis dahin die Alltime-Rekorde erzielt.

Die BABA-Aktie (Anm. Börsenkürzel) machte zum Debüt einen Sprung von 36 Prozent auf 92,70 US-Dollar (72,02 Euro). Aufgrund der regen Nachfrage hatte es zwei Stunden gedauert, bis der erste Kurs ermittelt werden konnte. Mit dem Schlusskurs von 93,89 Dollar war Alibaba 231 Milliarden Dollar wert.

Jack Ma hatte mit dem IPO alleine fast 900 Millionen Dollar persönlich verdient.. Auf der Liste der Superreichen von "Forbes" ist er mit einem Vermögen von 39,8 Milliarden Dollar auf Rang 21.


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