"Zum selbstbestimmten Leben gehört finanzielle Unabhängigkeit“

Die Swiss-Life-Select-Geschäftsführer Christoph Oberlacher und Joachim Seebacher über hohe Sparquoten und tiefe Zinsen – und warum es eine gute Idee ist, Geld zu sparen, das man noch gar nicht hat.

Die Swiss-Life-Select-Geschäftsführer Joachim Seebacher (li.) und Christoph Oberlacher

Christoph Obererlacher (r.) ist CEO von Swiss Life Select Österreich. Der Osttiroler absolvierte eine technische Ausbildung, bevor er mit Studien an der Donau-Uni Krems und der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt seine Karriere als Finanzdienstleister startete. Joachim Seebacher ist als Geschäftsführer von Swiss Life Select Österreich für Marketing, Produkt-, Partner- und Servicemanagement verantwortlich.

trend: Finanzberater sind ja eine Art Seismograf für die Befindlichkeiten und Einstellungen der Menschen zum Thema Geldanlage. Hat sich durch Corona etwas geändert?
Christoph Oberlacher: Ja, das Verhalten hat sich geändert, das haben wir bei den ungefähr 40.000 Gesprächen gemerkt, die unsere Berater vergangenes Jahr mit Kundinnen und Kunden geführt haben. Einerseits ist die Sparquote gestiegen, auch weil es weniger Gelegenheiten zum Geldausgeben gab. Andererseits haben Herr und Frau Österreicher gespürt, dass man sich am allerbesten auf sich selbst verlässt. Jeder möchte gerne ein selbstbestimmtes Leben führen, und dazu gehört auch eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit. Der Staat hat wegen Corona hohe Schulden gemacht, die Zahl der Pensionisten wird in Zukunft steigen, da fragen sich viele, wie sich das ausgehen kann und was sie selber für ihre Vorsorge tun können.

Im Vergleich zu Deutschland können die Österreicher früher in Pension gehen und bekommen durchschnittlich 500 Euro mehr im Monat. Wo ist das Problem?
Oberlacher: Das hängt von der persönlichen Situation ab. Im günstigsten Fall liegt die Pension ca. 30 Prozent unter dem bisherigen Einkommen. Aber gerade bei Frauen, die vielleicht Kindererziehungszeiten hatten und nicht immer Vollzeit beschäftigt waren, ist die Differenz viel höher. Und da besteht dann echter Handlungsbedarf.

Die Zinsen sind schon seit Jahren so niedrig, dass sich Sparen nicht mehr lohnt. Heißt die Alternative konsumieren oder gibt es eine dritte Möglichkeit?
Joachim Seebacher: Die Alternative heißt für mich investieren. Und investieren kann man in drei verschiedene Dinge: in sein Zuhause, um das schöner zu machen, in sich selber, also in Aus- und Weiterbildung, und drittens in Wertpapiere, also in seine eigene finanzielle Zukunft.


Jeder möchte gerne ein selbstbestimmtes Leben führen. Und dazu gehört auch eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit.

CHRISTOPH OBERERLACHER, Swiss Life Select

Und was raten Sie mir da konkret?
Seebacher: Wir bei Swiss Life Select gehen immer ganz stark auf die persönliche Situation des Einzelnen ein. Deshalb wird in einem Erstgespräch geklärt, was denn überhaupt die Wünsche und Ziele des Kunden sind und was er sich leisten kann. Auf Basis eines solchen Finanzchecks entwickeln wir dann eine Strategie, wie diese Ziele erreicht werden können.
Oberlacher: Dabei spielt der Zeithorizont eine wesentliche Rolle. Soll in wenigen Jahren eine Wohnung erworben werden oder geht es um die Altersvorsorge in zwanzig Jahren? Als Finanzdienstleister haben wir selber keine Produkte, sondern können aus dem Markt die besten und für die individuelle Strategie passenden Fonds, Anleihen, ETFs oder auch Versicherungen auswählen.
Seebacher: Eine interessante Strategie kommt aus den USA und heißt „Save more tomorrow“. Weil es für viele Menschen schwierig ist, von ihrem laufenden Einkommen etwas in die Pensionsvorsorge zu investieren, wird die Vereinbarung getroffen, von zukünftigen Einnahmen dafür etwas zu verwenden, also von Lohnerhöhungen oder einem Bonus. Das funktioniert, weil es einfacher ist, auf „zukünftiges“ Geld zu verzichten, das einem noch nie zur Verfügung gestanden ist.

Die Börsen sind in den vergangenen Monaten sehr stark gestiegen. Muss man nicht Angst haben, jetzt in einen Hype hinein zu investieren?
Seebacher: Sie sollten eher Angst haben, was mit Ihrem Geld passiert, wenn Sie es nicht in Wertpapiere investieren, sondern auf dem Sparbuch liegen lassen. Dann wird es automatisch weniger. Sparpläne, bei denen monatlich automatisch 100 oder 200 Euro oder auch mehr Euro angelegt werden, helfen, Kurschwankungen auszugleichen.
Oberlacher: Außerdem investieren wir für Kunden nie in Einzelaktien, sondern achten immer auf eine breite Streuung der Geldanlage. Das senkt das Risiko erheblich.

An den Börsen ist Nachhaltigkeit ein großes Thema. Ist das mehr als eine Modeerscheinung?
Seebacher: Nachhaltigkeit ist ein Trend, der gekommen ist, um zu bleiben. Der Klimawandel ist inzwischen ja spürbar, er betrifft uns alle und beeinflusst auch die Geldanlage. Wenn institutionelle Anleger verpflichtet werden, nachhaltig zu investieren, beeinflusst das auch die Märkte.


Es ist einfacher, ,zukünftiges Geld‘ zu sparen, das einem noch nie zur Verfügung gestanden ist.

JOACHIM SEEBACHER, Swiss Life Select

Ist Pensionsvorsorge nur etwas für Reiche, die dafür Geld übrig haben?
Seebacher: Sparpläne bieten schon ab 100 Euro monatlich eine gute Möglichkeit, ein kleines Vermögen aufzubauen. Wer als 25-Jähriger damit beginnt, monatlich 100 Euro anzulegen, das zehn Jahre lang macht und das Geld dann für die nächsten 20 Jahre liegen lässt, der hat mit 55 Jahren bei einer durchschnittlichen Rendite von fünf Prozent ein Vermögen von ungefähr 41.000 Euro. Beginnt man damit erst zehn Jahre später, kommt man bis zum 55. Lebensjahr auch auf ca. 40.000 Euro Vermögen – muss aber das doppelte Kapital einsetzen. Das illustriert den Effekt des Zinseszinses. Je früher man beginnt, desto geringer sind die Beträge, die man zur Seite legen muss.

Welche Rolle spielt das Thema Vermögensweitergabe bei der Finanzberatung?
Seebacher: Ziel unserer Beratung ist es, dass die Menschen ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen, gerade auch im Alter. Und dazu gehört dann auch das Thema Vermögensübergabe. Das beginnt damit, sich mit den Implikationen des österreichischen Erbrechts zu beschäftigen, was gerade bei Lebensgemeinschaften wichtig ist, also wenn die Partner nicht verheiratet sind. Aber Selbstbestimmung geht in dem Zusammenhang noch weiter, umfasst auch Themen wie eine Vorsorgevollmacht oder eine Patientenverfügung.
Oberlacher: Wir haben ja für die Aus- und Weiterbildung eine eigene Akademie, um sicherzustellen, dass unsere Beraterinnen und Berater fachlich auf dem letzten Stand sind. Dazu gehören Themen wie die Finanzmärkte mit ihren verschiedenen Instrumenten, die Berechnung von Pensionsansprüchen, worauf es bei einer individuellen Finanzplanung ankommt, aber eben auch die Vermögensweitergabe. Denn die spielt in der persönlichen Lebensplanung vieler Menschen eine sehr große Rolle.


Dieses Interview zum Thema Vorsorge ist in Kooperation mit SwissLife Select entstanden und im "trend.anlage" vom Juni 2021 erschienen.

Mit der richtigen Polizze gegen Hacker

Mit der richtigen Polizze gegen Hacker

Gestohlene Daten, blockierte IT-Systeme: Cyberkriminalität verursacht …

„Immobilien bieten idealen Schutz vor Inflation"

NIKO SCHÜLER, neuer HEAD OF REAL ESTATE VON SWISS LIFE SELECT, über die …

Immobilien bleiben im Fokus der Anleger

Immobilien bleiben im Fokus der Anleger

Plus zwölf Prozent im ersten Halbjahr: Die Sorge vor einer höheren …

„In Inflation lässt sich investieren“

„In Inflation lässt sich investieren“

Für René Lobnig, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Select …