ZKB-CEO Wonnebauer: "Emotionale Intelligenz wichtiger als künstliche"

Hermann Wonnebauer, CEO der ZKB Österreich AG, über weitere Wachstumsziele der Privatbank und den Vorteil persönlicher Beratung in der Vermögensverwaltung.

ZKB-CEO Wonnebauer: "Emotionale Intelligenz wichtiger als künstliche"

trend: Nachdem sich die UBS und auch die Credit Suisse mit eigenen Standorten aus Österreich zurückgezogen haben, ist die Zürcher Kantonalbank Österreich die einzige Privatbank mit Schweizer Wurzeln vor Ort. Was bedeutet das für Sie?
Hermann Wonnebauer: Diese Entwicklung ist sehr bedauerlich, weil die Auswahlmöglichkeiten für Anleger einschränkt werden und Jobs verloren gehen. Für uns ergeben sich natürlich Chancen, umso mehr, als wir mit beiden Beinen fest im Markt stehen und langfristig planen. Unser Haus feiert gerade zehnjähriges Jubiläum, der Blick ist klar nach vorne gerichtet. Deshalb haben wir gerade die größte Investition unserer Geschichte getätigt und unsere IT-Systeme zukunftsfit gemacht. Als einzige Auslandstochter unserer Mutter Zürcher Kantonalbank verkörpern wir am Standort in Österreich weiterhin das strategisch wichtige Tor zu Europa.

Konnten Sie Kunden von UBS oder Credit Suisse übernehmen?
Wir konnten bereits Kunden der UBS gewinnen und freuen uns auch, wenn darüber hinaus auch Klienten von Credit Suisse zu uns stoßen. Dadurch können wir organisch noch schneller und stärker wachsen.

Am heimischen Privatbankensektor gibt es eine Konsolidierung. Die ZKB Österreich hingegen will auf Wachstumskurs bleiben. Wie sehen nach zehn Jahren ZKB Österreich Ihre weiteren Schritte aus?
Rückblickend erwirtschaften wir ein kontinuierliches jährliches Ertragswachstum zwischen 15 und 20 Prozent. Das ist auch die Benchmark für die Zukunft, an der wir uns selbst messen. Wir wollen natürlich weiterwachsen, konzentrieren uns aber konsequent auf das, was wir sehr gut können - die Vermögen unserer Kunden zu verwalten. Vor allem die Niedrigzinssituation macht es schwieriger, Vermögen zu managen - das ist ein Vorteil für uns!

Welche Kunden wollen Sie ansprechen und welchen Vorteil bieten Sie im Vergleich zu anderen Privatbanken?
Wir betreuen vermögende Privatpersonen, Stiftungen und Unternehmer in Österreich und Deutschland. Wir tanzen nicht auf allen Hochzeiten, sondern sind rein auf die Vermögensverwaltung spezialisiert. Dank dieses stabilen Geschäftsmodells blicken wir optimistisch in die Zukunft. Wir bieten unseren Kunden das Beste aus zwei Welten: ein lokales Private-Banking-Team sowie ein eigenständiges Asset-Management, kombiniert mit der Einschätzung von 220 Experten unserer Mutter Zürcher Kantonalbank, die zu den sichersten Banken der Welt zählt.

Privatbanken leiden zum einen unter immer geringer werdenden Margen, zum anderen unter dem Kostendruck, der durch die Regulatorik für sie entsteht. Wie meistert die ZKB Österreich diese Schere?
Wir versuchen, sehr sparsam mit unseren Ressourcen umzugehen. Das erwähnte IT-Projekt wird uns auch helfen, unsere Dienstleistungen rascher und unkomplizierter umzusetzen. Übrigens - die viel zitierte Regulatorik betrifft ja alle Branchen, damit sind wir und unsere Mitbewerber nicht allein!

Digitalisierung und Onlinebanking machen auch vor dem Private-Banking-Sektor nicht halt. Wie sieht da die Strategie der ZKB Österreich aus?
Mit unserem neuen Kernbankensystem, Herzstück der Bank-IT, haben wir die Weichen für die Zukunft gestellt. Unsere digitale Beratung - etwa in Form unseres monatlichen Podcasts und unseres Onlinemagazins anlässlich unseres Jubiläums (www.zkb-oe.plus) - erfreut sich ebenfalls wachsenden Zuspruchs. Unser Fokus liegt jedoch weiterhin klar auf persönlicher Betreuung. Wir sind keine Trading-App, und das ist auch gut so: Unsere lokalen Experten beobachten laufend die internationalen Märkte und greifen ein, wenn es die Situation erfordert. Unsere Kunden müssen sich nicht auf anonyme Onlineforen verlassen, sondern können auf ihre Berater vertrauen. Für uns ist weiterhin emotionale Intelligenz wichtiger als künstliche Intelligenz.

Zur Person

Hermann Wonnebauer ist seit 2019 Vorstandsvorsitzender der Zürcher Kantonalbank Österreich AG. Im Jahr 2011 wurde er Mitglied des Vorstands der ZKB Österreich AG. Davor war er in leitenden Funktionen bei internationalen und österreichischen Privatbanken tätig.


Inflation: Ein kurzer Schock

Vor allem in den USA erreicht die Inflation wieder Rekordwerte. Die Zürcher Kantonalbank Österreich AG rechnet aber mit einem Rückgang. Und empfiehlt vorsichtige Investments sowohl in zyklische als auch in Wachstumsaktien.

Ein Blick in die USA lässt nicht nur die Besitzer großer Vermögen erschauern. Dort sind im Mai die Preise um fünf Prozent gestiegen. Die höchste monatliche Inflationsrate seit 2008. Schon werden Erinnerungen an die 90er-Jahre wach, als die weltweite Geldentwertung bis zu neun Prozent erreichte.

Christian Nemeth, Chief Investment Officer der Zürcher Kantonalbank Österreich AG, meint: "Das ist, selbst wenn man den Index um den Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise bereinigt, sogar der höchste Zwölfmonatsanstieg der Kerninflation seit Ende Juni 1992." Dennoch bleibt der Experte vorsichtig optimistisch, dass sich diese Entwicklung nicht wiederholt. "Wir sehen den starken Anstieg in den USA als eher kurzfristige Entwicklung, die sich wieder einpendeln wird."

Für die USA erwartet Nemeth heuer einen Preisanstieg von 3,4 Prozent und für 2022 von 2,3 Prozent. In der Eurozone dürfte die Geldentwertung nach Ansicht des ZKB-Österreich-Experten noch geringer ausfallen: Hier rechnet er mit einer Preissteigerung von 1,8 Prozent für das laufende und sogar mit nur 1,3 Prozent für das kommende Jahr. Preise für Gebrauchtwagen, Flugtickets, Hotel- und Restaurantrechnungen oder auch für persönliche Dienstleistungen wie den Friseur sind aufgrund der großen Nachfrage nach dem Ende des Lockdowns natürlich stark gestiegen, werden sich aber wieder einpendeln.

NIEDRIGZINSEN. Vor allem in den USA ist der aktuelle starke Preisanstieg neben den Energiekosten und der Unterbrechung bei den Lieferketten auch auf einen besonderen Faktor zurückzuführen: Die direkt an die Haushalte ausbezahlten Hilfsmaßnahmen der Regierung haben nicht nur den Konsum angeheizt, sondern auch zu einem Bauboom geführt. Nemeth: "Fed-Chef Jerome Powell sieht aber derzeit noch keinen Grund, ein Ende der lockeren Geldpolitik einzuleiten."

Anlegern empfiehlt die Privatbank daher, weiterhin auf Aktien zu setzen. Zum einen, weil Anleihen keine wirkliche Alternative darstellen. Und zum anderen, weil die Unternehmensgewinne nach der Coronakrise wieder deutlich zulegen werden. In den USA dürften sie um 20 Prozent, im Euroraum sogar um 25 Prozent steigen. Und das US-Bruttoinlandsprodukt wird im kommenden Jahr um 4,5 und auch im Euroraum um 4,3 Prozent wachsen.

Profitieren werden davon nach Ansicht von Nemeth sowohl zyklische als auch Wachstumswerte: "Wir sind in beiden Bereichen entsprechend investiert. Aber Anleger sollten dennoch vorsichtig sein. Auch die Volatilität wird steigen."



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