Welkes Grün - Nachhaltige Investments unter Druck

Nachhaltige Investments gerieten in den letzten Monaten unter Druck. Lohnt es sich nicht mehr, bei der Geldanlage auf Themen wie Umwelt oder soziale Verantwortung zu achten?

Welkes Grün - Nachhaltige Investments unter Druck

Eigentlich müsste es ja geradezu großartig laufen: Die EU hat erst kürzlich beschlossen, sie wolle bis 2050 klimaneutral werden. Ständig verschärfen Regierungen alle möglichen Umweltbestimmungen, beschließen etwa den Ausstieg aus Kohlekraftwerken oder schärfere Abgasnormen für Autos. Und in den USA ist ein Präsident an der Macht, der den Klimawandel wieder ernst nimmt und hier Milliardeninvestitionen plant. Eigentlich könnte das Umfeld für nachhaltige Investments nicht günstiger sein. Eigentlich.

Tatsächlich aber haben Anleger, die auf das Thema Nachhaltigkeit setzen, eine schwierige Zeit hinter sich. Abgesehen von der jüngsten Berg-und-Tal-Fahrt an den Börsen, die praktisch alle Märkte traf, gerieten Investments aus dem Bereich „Sustainability“ in den vergangenen Monaten zusätzlich unter Druck. Mancher Anleger fragt sich schon: Beginnt das grüne Pflänzchen an den Börsen jetzt zu welken?

„Ich möchte da eine Analogie zum Wetter bringen: 2020 war das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Der heurige April war hingegen der ­kälteste seit 40 Jahren. Das ist eben der Unterschied zwischen einem langfristigen Trend und einem kurzfristigen Ereignis“, beruhigt Walter Hatak, Head of Responsible Investments bei Erste Asset Management. „In den vergangenen beiden Jahren war der WWF Environment unser bester Fonds, und Umweltaktien hatten eine hervorragende Performance. Nach einer so langen Aufwärtsphase kommt es eben auch zu Korrekturen. Das ist ganz normal“, so Hatak.

Die Zweifel

Für die teils recht mäßige Performance der ESG-Investments (über die Bedeutung dieser Abkürzung siehe Kasten rechts) gibt es aber auch andere Erklärungen: Vermehrt wachsen Zweifel an der Zukunft der Wasserstofftechnologie, die als umweltfreundlichere Alternative zu Elektroantrieben gehandelt wird. Titel wie „Warum das Wasserstoffauto keine Zukunft hat“ auf häufig frequentierten Finanzplattformen verunsichern Anleger, die auf entsprechende Aktien gesetzt haben. Die Umweltbranche leidet aber auch unter den Lieferengpässen bei elektronischen Bauteilen, wie sie etwa in Steuerelementen für Solaranlagen Verwendung finden. „Die Nachfrage ist hier sehr groß, aber wegen unterbrochener Lieferketten können derzeit einfach nicht alle Aufträge erfüllt ­werden“, so Hatak.

Was so manchen umweltbeseelten Anleger stört, ist auch das für viele nicht transparente Umfeld. Der Begriff Nachhaltigkeit ist gesetzlich nicht geschützt, theoretisch kann sich fast jeder Fonds so bezeichnen. Sicherheit bietet hier das Umweltzeichen des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. Das Umweltzeichen 49 („UZ 49“) wird nur Fonds verliehen, die einer strengen Anfang 2020 veröffentlichten Richtlinie entsprechen.

Diese legt Ausschlusskriterien fest – unter anderem Atomkraft, Rüstung, fossile Energie oder Anbau und Vermarktung gentechnisch manipulierter Produkte – und definiert auch Auswahlkriterien für Finanzprodukte, die das Siegel führen wollen. Demnach müssen Unternehmen, die in einen Fonds aufgenommen werden wollen, der das Siegel führt, Rechenschaft über CO2-Austoß und andere umweltrelevante Daten ablegen. Gefordert ist auch ein gesondertes „Umweltreporting“ (die UZ-49-Bedingungen sind unter umweltzeichen.at nachzulesen).

Für Anleger bedeutet dies: höhere Sicherheit und bessere Information. Ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung einer noch präziseren Treffsicherheit bezüglich Nachhaltigkeit ist die am 10. März in Kraft getretene EU-Offenlegungsverordnung. Deren Artikel 8 (Produkte mit nachhaltigen Merkmalen) und Artikel 9 (Produkte mit nachhaltiger Finanzierungswirkung) verhindern ebenfalls eine Irreführung von Anlegern.

Die ESG-Fondspalette

Zu den Pionieren auf diesem Gebiet zählt der Erste WWF Stock Environment (ISIN: AT0000705678 für die T-Tranche). Die Erste kooperiert hier seit 2006 mit dem World Wide Fund For Nature. Auch der Erste Green Invest (ISIN: AT0000A2DY59) wendet sich an nachhaltig orientierte Anleger. „Impact Investing“, also die Frage, wie sich ein Investment messbar auf Umwelt und Gesellschaft auswirkt, steht hier im Vordergrund.

Der Raiffeisen Nachhaltigkeit Aktien (ISIN: AT0000677901) investiert in Aktien, die auf Basis sozialer, ökologischer und ethischer Kriterien als nachhaltig eingestuft wurden. Ausgeschlossen sind Branchen wir Rüstung und pflanzliche Gentechnik.

Eine Palette von drei nachhaltigen Ethik-Mischfonds, die sich jeweils durch den möglichen Aktienanteil unterscheiden, bietet Amundi. Der Amundi Ethik Fonds Evolution (ISIN: AT 0000774484) kann bis zu 100 Prozent in Aktien anlegen. Der Anleihenteil wird überwiegend in Papiere aus OECD-Ländern veranlagt. Alle drei Fonds tragen das UZ 49.

Mindestens zwei Drittel des Volumens investiert der Pictet Global Environmental Opportunities (ISIN: LU0503631714) in Aktien, wobei der Begriff Nachhaltigkeit weit über Umwelt hinaus definiert wird: Die größten Positionen bilden der Halbleiterzulieferer Applied Materials, Schneider Electric und ASML Holding, einer der weltweit größten Anbieter von Litho-Systemen.

Bei den passiv gemanagten Fonds zählt der börsengehandelte iShares MSCI Global Impact ETF zu den beliebtesten Investments. Ziel all dieser Fonds ist, nicht anders als bei traditionellen ­Investments, das Erreichen einer Performance möglichst über dem Marktdurchschnitt. Denn, so bringt es Nachhaltigkeitsexperte Hatak von der Erste Asset Management auf den Punkt: „ESG ist ein Investment und keine Charityveranstaltung.“


moral mal drei

Nachhaltigkeit ist Vielfältigkeit


Worum es bei sogenannten ESG-Investments geht.

Wer denkt, nachhaltiges Investment bedeutet lediglich, auf Umweltaspekte zu achten, irrt. Die in der Finanzszene übliche Abkürzung ESG steht für Environment, Social Responsibility und Governance, also Umwelt, gesellschaftliche Verantwortung und Unternehmensführung. Gern wird auch der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) verwendet, der die umfassende gesellschaftliche Verantwortung unternehmerischen Handels umreißt.

Neben einem achtsamen Umgang mit der Umwelt – hier geht es vor allem um Kontrolle der Emissionen und sparsamen Einsatz von Ressourcen – ist hier auch die Einhaltung von Menschenrechten, natürlich einschließlich der Zulieferer, gefordert. Wert gelegt wird auch auf eine umsichtige Corporate Governance – also die Anforderung an das Management, klare Direktiven zu kommunizieren, deren Einhaltung zu überwachen und für größtmögliche Transparenz aller Abläufe zu sorgen.

Auch die Kommunikation in Richtung Stakeholder gehört in diesen Bereich. Warum eine sorgfältige Einhaltung von ESG-Kriterien aus Anlegersicht Vorteile bringt, zeigen zahlreiche Beispiele – unter anderem der Abgasskandal, der einigen Automobilherstellern Milliardenkosten verursacht hat und der die Performance der betroffenen Aktien massiv beeinträchtigte: Entsprechende Governance vorausgesetzt, hätte die Führungsebene (die ja überwiegend behauptet hatte, von den Vorfällen nichts gewusst zu haben) sofort die Notbremse ziehen müssen. Und entsprechendes Umweltbewusstsein vorausgesetzt, hätte es zu den Manipulationen ja gar nicht erst kommen dürfen.

Fazit: ESG-Kriterien sind ein wichtiges Element bei der Beurteilung von Investments.



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