Vorsorge: Wenn die Zeit für einen arbeitet

Niedrigzinsen machen nicht gerade Lust aufs Sparen. Dennoch gilt: Wer rechtzeitig anfängt, kann auch mit kleinen Beträgen zu einem bequemen Vorsorgepolster für die Pension kommen. Auf ihren Sparbüchern verlieren die Österreicher dagegen pro Jahr mehr als fünf Milliarden Euro.

Vorsorge: Wenn die Zeit für einen arbeitet

Bei der Vorsorge für die Zeit nach dem aktiven Arbeitsleben gilt es nichts zu verschenken.

Sie hat es gerade nicht leicht, das Umfeld ist schwierig: null Zinsen für Sparprodukte, enttäuschende Ergebnisse bei der prämienbegünstigten Zukunftspension, eine Wirtschaftskrise, die Arbeitsplätze und die Rückkehr aus der Talsohle im Fokus hat – die Zeiten für das Thema private Pensionsvorsorge waren schon einmal besser. Das ist schade, denn bei der Geldanlage gilt stärker als in vielen anderen Bereichen: Zeit ist Geld. „Je früher man mit der Pensionsvorsorge beginnt, desto geringer sind die Beiträge, die man dafür zur Seite legen muss“, sagt Joachim Seebacher, Geschäftsführer des Finanzberaters Swiss Life Select. Zudem ist jede Form der Vorsorge ein Investment in die eigene persönliche Zukunft. Geldanlage gleich Investment gleich Vorsorge gleich selbstbestimmte Zukunft, so lautet die einfache Formel.

Seit Mitte der 1990er-Jahre wird für eine zusätzliche Pension, ergänzend zur staatlichen, geworben. Neben der betrieblichen Vorsorge, der sogenannten „zweiten Säule“, wurde Anfang der 2000er-Jahre mit der prämienbegünstigten Zukunftspension eine weitere private Vorsorge forciert, die „dritte Säule“. Durchaus mit Erfolg: Rund eine Million Beschäftigte sind über eine betriebliche Vorsorgekasse versichert, noch einmal so viele Österreicherinnen und Österreicher investieren in eine Zukunftspension.

Sinkende Begeisterung

Doch seit die Zinsen auf null sind und Sparprodukte kaum noch etwas bringen, ist die Euphorie abgeflacht. Laut einer IMAS-Umfrage im Auftrag von Erste Bank und Wiener Städtische über die Auswirkungen der Krise auf den Umgang mit Geld gaben 15 Prozent der Befragten an, den geplanten Abschluss einer Pensionsvorsorge verschoben zu haben. 17 Prozent bestätigten, während der Krise weniger Geld fürs Sparen zur Seite gelegt zu haben. Das Zukunftsinvestment in die eigene Pension ist also in weitere Ferne gerückt. Allerdings stammt die Befragung aus dem vergangenen Herbst, als Impfungen ebenfalls noch in weiter Ferne waren. Mittlerweile dürfte sich die Stimmung gebessert haben.

Anlageergebnis der österreichischen Pensionskassen in Prozent

Die Skepsis schlägt sich in Zahlen nieder: So sind Versicherungssumme und Prämienvolumen bei der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge 2020 um 2,7 Prozent auf 769 Millionen Euro gesunken. Bei der betrieblichen Altersvorsorge gab es ein Minus von über acht Prozent (auf 694 Millionen Euro). Und das, obwohl die betrieblichen Pensionskassen eine durchschnittliche Rendite von über fünf Prozent erwirtschaften, was angesichts der Niedrigzinsen und der Risikobegrenzung ein respektables Ergebnis ist (siehe Grafik).

Wenig nachhaltig

Im internationalen Vergleich ist Österreich ein Pensionistenparadies. Deutsche müssen länger arbeiten und bekommen im Durchschnitt monatlich 500 Euro weniger Pension. Doch die große Frage ist, ob das immer so bleibt. So kommt der Thinktank Agenda Austria in einer Studie zu dem Ergebnis, dass das derzeitige Umlagesystem nicht nachhaltig ist. Begründung: Schon jetzt muss das staatliche Pensionssystem mit 24 Milliarden Euro Steuergeld jährlich gestützt werden, Tendenz steigend. Denn noch zahlen für jeden Pensionisten 1,7 Erwerbstätige ins Pensionssystem ein, im Jahr 2050 werden es nur noch 1,3 sein, haben die Studienautoren Heike Lehner und Nikolaus Jilch berechnet.

Andreas Zakostelsky

Öffnung für alle. Um mehr Menschen eine private Vorsorge zu ermöglichen, will Andreas Zakostelsky die Betriebspensionskassen für alle Arbeitnehmer öffnen.

Experten wie Andreas Zakostelsky, Chef der VBV Pensionskasse und Branchensprecher, betonen zwar, dass das österreichische Pensionssystem auf seinen drei Säulen stabil steht, aber: „Um die Lücke zwischen letztem Einkommen und der Pension zu schließen, bedarf es privater Vorsorge.“ Er drängt daher auf eine Öffnung der Pensionskassen: „Jeder Arbeitnehmer soll die Möglichkeit bekommen, seine Abfertigung steuerbegünstigt in eine Pensionskasse zu übertragen, die dann eine lebenslange Zusatzpension auszahlt.“ Vorteil dieses sogenannten General-Pensionskassen-Vertrags: „Er macht eine zusätzliche Vorsorge für viele Menschen leicht zugänglich und kostet den Staat nichts.“

Darüber hinaus fordert Zakostelsky, Eigenbeiträge in die Zukunftsvorsorge von der Steuer absetzen zu können. Für Geringverdiener könnte es als Ausgleich eine Prämie geben. Für Investments in klimafreundliche Wertpapiere könnte es zusätzlich einen Bonus geben – eine Art „grüne Pension“ also.

Fünf verschenkte Milliarden

Aber was bedeutet das für den Einzelnen? „Die beste Vorsorge ist die, mit der man vor zehn Jahren begonnen hat“, sagt Joachim Seebacher (siehe auch Interview). Denn klar ist: Geld nicht anzulegen ist derzeit die schlechteste Art, mit seinem Geld umzugehen. Über 270 Milliarden Euro liegen aktuell auf österreichischen Sparkonten herum, ohne nennenswerte Zinsen. Durch die Inflation, auch wenn sie niedrig ist, verliert dieses Geld kontinuierlich an Wert. „Der jährliche Kaufkraftverlust beträgt zwischen fünf und sechs Milliarden Euro“, hat Erste-Bank-Vorstand Thomas Schaufler nachgerechnet. Das tut weh.

Monika Meissl

Vorsorgeexpertin Monika Meissl: „Wenn man früh anfängt, lässt sich auch mit kleinen Beträgen der Zinseszinseffekt nutzen und eine schöne Wertsteigerung erzielen.“

Zudem ist der erste Schritt Richtung Vorsorge finanziell keine große Sache. „Sparpläne bieten schon ab 100 Euro monatlich eine gute Möglichkeit, ein kleines Vermögen aufzubauen“, betont Seebacher. Bei solchen Sparplänen wird das Geld Monat für Monat in Wertpapiere veranlagt, was den zusätzlichen Vorteil bringt, dass Kursschwankungen ausgeglichen werden können. Sind die Kurse hoch, wird automatisch weniger gekauft, sind sie niedrig, werden mehr Anteile erworben. Die Fonds, Anleihen, ETFs oder Aktien werden je nach Risikobereitschaft des Anlegers, persönlichen Vorlieben und Zeithorizont der Veranlagung ausgewählt.

Ein brennendes Thema ist die Pensionsvorsorge vor allem für Frauen. Aufgrund von Teilzeitarbeit und Jahren der Kinderbetreuung bekommen sie in der Regel ein Drittel weniger Pension als Männer. „Frauen sind oft überrascht, wie groß ihre tatsächliche Pensionslücke ist“, weiß Monika Meissl, Expertin für Vorsorge bei Swiss Life Select. Die Hemmung sei groß, das Thema überhaupt anzugehen, so Meissl, auch weil sich viele Frauen bei der Absicherung auf ihren Partner verlassen würden. Hinzu kommt der Irrglaube, dass Vorsorge nur etwas für Vermögende sei oder dass man ein hohes Einkommen braucht, um überhaupt für die Zukunft vorsorgen zu können. Beides falsch, so Meissl: „Wenn man früh anfängt, lässt sich auch mit kleinen Beträgen der Zinseszinseffekt nutzen und so eine ­schöne Wertsteigerung erzielen.“

Ihr persönlicher Tipp für den Start in die Zukunftsvorsorge: „Wer aktuell kein Geld für die Vorsorgeveranlagung übrig hat, kann ja mit sich selber vereinbaren, jedes Jahr die kollektivvertragliche Gehaltserhöhung in die Vorsorge zu ­investieren, statt sie einfach im Geldbörsel verschwinden zu lassen.“

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Dieser Artikel zum Thema Vorsorge ist in Kooperation mit SwissLife Select entstanden und im "trend.anlage" vom Juni 2021 erschienen.

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