"Veranlagung ist eine Kunst, keine Wissenschaft"

Nachhaltigkeit und Transparenz sind die großen Trends bei der Vermögensverwaltung, sagt René Lobnig, Geschäftsführer Select Investment. Und weil nur mit dem Sparbuch Vorsorge kaum möglich ist, steigt das Interesse an professionellem Veranlagungsmanagement.

René Lobnig, Geschäftsführer Select Investment

René Lobnig, Geschäftsführer Select Investment

trend: Hat Corona die Erwartungen an die Vermögensverwaltung verändert?
René Lobnig: Das Thema Vorsorge hat an Bedeutung gewonnen, und auch das Risikobewusstsein ist gestiegen. Gleichzeitig erkennen immer mehr Menschen, dass angesichts von Niedrigzinsen mit klassischen Sparprodukten gewisse finanzielle Ziele nicht zu erreichen sind. Daher vertrauen immer mehr Österreicherinnen und Österreicher auf professionelle Veranlagung, darunter viele jüngere.

Früher war Vermögensverwaltung nur etwas für Reiche. Gilt das noch?
Das hat sich stark verändert. Es gibt mittlerweile viele Angebote für deutlich niedrigere Vermögen. Bei uns ist eine professionelle Veranlagung schon ab 100.000 Euro möglich.

Automatisierte Robo Advisors bieten ihre Dienste für geringe Beträge an. Ist das eine Konkurrenz für Sie?
Ich begrüße diese Angebote, weil sie das Interesse an Vermögensverwaltung steigern und neuen Zielgruppen die Möglichkeit dazu eröffnen. Und wenn die Vermögen dann größer werden, kommen die Anleger ohnehin zu uns.


Viele Klienten haben unrealistische, viel zu hohen Rendite-Erwartungen.

Was muss Vermögensverwaltung heute können?
Letztlich geht es immer darum, im Verhältnis zum Risiko eine vernünftige Rendite zu erzielen. Bei mittlerem Risiko in der Veranlagung wird diese Rendite zwischen drei und fünf Prozent liegen. Wobei bei größeren Vermögen der Werterhalt im Vordergrund steht. Wichtig ist große Transparenz, auch was die Kosten betrifft.

Wovon hängt der Erfolg einer Vermögensverwaltung ab?
Angst und Gier sind immer noch die wichtigsten Treiber der Börsen. Deshalb geht es in einem ersten Schritt darum, die Emotionen aus dem Thema herauszunehmen. Viele Klienten kommen mit unrealistischen, viel zu hohen Rendite-Erwartungen zu uns. Das muss man in Bezug auf die Risikobereitschaft managen. Ganz wesentlich für unseren Erfolg ist unsere Unabhängigkeit: Wir müssen keine bestimmten Produkte verkaufen, sondern können objektiv auswählen. Zudem verfolgen wir bei den Portfolios unserer Kunden eine strategische Veranlagung, die wir nicht täglich ändern, nur weil irgendein Gerücht in der Zeitung steht.


Nachhaltigkeit ist keine Modeerscheinung, sondern ein Trend, der bleiben wird.

Was bedeutet "strategische Veranlagung" konkret?
Gute Qualität bei Aktien, Anleihen und Fonds zu guten Preisen zu kaufen.

Wo sehen Sie aktuell solche Möglichkeiten?
Bei Anleihen sind wir zurückhaltend, interessant sind Value-Aktien in den USA und in Asien.

Wie wird sich die Vermögensverwaltung weiter entwickeln?
Immer mehr Kunden legen Wert auf die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Veranlagung. Das ist keine Modeerscheinung, sondern ein Trend, der bleiben wird. Die Politik treibt mit gesetzlichen Vorgaben dieses Thema zusätzlich, weshalb hier eine gewisse Dynamik entstehen wird. Zusätzlich wird sich die Technologie weiterentwickeln. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Blockchain-Technologie die Effizienz von Depotführung und Transaktionen steigern wird. Trotz aller technischer Möglichkeiten ist gute Vermögensverwaltung mehr eine auf Rationalität basierende Kunst. Sie ist keine Wissenschaft, auch wenn manche so tun.


Zur Person

René Lobnig, 44, ist seit zwei Jahrzehnten in der Vermögensverwaltung tätig, davon mehrere Jahre bei der Schoellerbank. Seit 2019 ist er Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Select Investment, die zur Swiss-Life-Gruppe gehört.


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