Hansi Hansmann: „Start-up Investments sind nur etwas für Geduldige“

Österreichs erfolgreichster Start-up-Finanzierer, Hansi Hansmann, über Megatrends, Stolpersteine, unvermeidbare Ausfälle und emotionale Renditen.

Hansi Hansmann: „Start-up Investments sind nur etwas für Geduldige“

trend: Sie sind ein Superangel und haben viele Jahre Erfahrung mit Start-ups. Wie sieht Ihre Rendite über die Jahrzehnte aus?
Hansi Hansmann: Einfache Frage, aber tricky zu beantworten und eine Frage der Philosophie. Die VC Fonds rechnen gern vor, wie gut sie sind. Die tatsächliche Rendite hängt aber davon ab, ob man sie realisiert hat oder ob es sich nur um einen Buchwert handelt.

Die realisierte dürfte bei Ihnen gut sein. Bei den größten Exits der letzten Jahre waren Sie immer mit dabei.
Hansmann: Ich hatte gute Exits, mit Runtastic, Shpock oder MySugr, mit Multiples zwischen 15 und 30 auf das eingesetzte Kapital. Ich habe aber auch hohe Buchwerte meiner noch aktiven Start-ups, wo ich das Geld ­wieder reinvestiert habe und Exits noch zu erwarten ist.

Sie sind bekannt dafür, nicht nur ein gutes Händchen zu haben, sondern auch kaum eine gute Gelegenheit ausgelassen zu haben. „Currently not investing“ schreiben Sie auf Ihrem LinkedIn-Profil. Wie sieht Ihr aktuelles Portfolio aus?
Hansmann: Zwischen 2010 und 2017 war ich in mehr als 50 Firmen investiert, aktuell halte ich noch 28. Von den anderen 22 Beteiligungen habe ich elf zugesperrt und elf erfolgreich verkauft.


Ein gutes Gründerteam und Marktpozenzial.

Würden Sie heute noch wo investieren, welcher Markt, welches Geschäftsmodell würde Sie interessieren?
Hansmann: In alles, was mit der Bewältigung der Klimakrise zu tun hat. Das ist ein Riesenfeld, da wird sich sehr viel hinbewegen. Es ist immer gut, einem Megatrend zu folgen. Der zweite Bereich ist E-Health. Da gibt es zwar schon einiges, aber da wird es noch viel mehr Innovationen geben. Und vermutlich auch alles, was mit Logistik zu tun hat, das ist auch Covid-bedingt noch interessanter geworden.

Wie wichtig ist es, Ahnung von der jeweiligen Branche zu haben?
Hansmann: Für mich ist das kein Muss. Ich war immer branchenagnostisch, und habe in alles investiert, sobald die zwei Grundgegebenheiten vorhanden waren: ein sehr gutes Gründerteam und ein Marktpotenzial, das groß genug war. Für mich war immer wichtig: Ich muss das Geschäftsmodell mit meinem Hausverstand verstehen. Bei Deep-Tech, wo ich nicht alles selber verstehen konnte, habe ich mich auf unabhängige Experten­meinungen ­verlassen.

Wie vermeidet man Totalausfälle? Sie haben Todgeweihten ab und zu doch noch Chancen eingeräumt. Hat sich das gelohnt?
Hansmann: Ich bin kein Renditeoptimierer, manchmal stecke ich zu lange Geld hinein. Solange die Founder aber richtig daran glauben, drehe ich den Geldhahn nicht zu. Das machen VCs in der Regel natürlich anders. Den ultimativen Tipp, wie man Ausfälle vermeiden kann, gibt es nicht: Wenn du in Frühphasen investierst, wirst du Ausfälle haben.


Wenn mir Gründer nicht sympathisch waren, habe ich auch nie investiert.

„Host an Tipp?“ ist vermutlich die häufigste Frage, die Ihnen von Investoren gestellt wird …
Hansmann: Ich präsidiere die Austrian Angels Association, und da geben wir regelmäßig Workshops oder bereiten Musterverträge auf, damit nicht jeder bei null anfangen muss. Natürlich fragt mich da mancher nach einem Tipp. Ratschläge gebe ich auch. Investiert habe ich früher aber immer gern allein. Es braucht oft ein- bis eineinhalb Jahre, bis ein Start-up dann bereit für die nächste Finanzierungsrunde ist. Dann nimmt man vielleicht reine Finanzinvestoren oder Venture-Capital-Fonds hinein. Wenn man sich anfangs mit weniger Co-Investoren abstimmen muss, vereinfacht das die Sache sehr.

Was sind klassische Stolpersteine?
Hansmann: Dass es einen Founder Clash gibt, passiert relativ häufig. Die Gründer müssen gut zusammenhalten, in schwierigen, arbeitsreichen, stressigen Zeiten, und das einige Jahre lang. Eine durchschnittliche Idee und ein sehr gutes Gründerteam funktionieren eher als ein toller Plan und „nur“ gute Gründer. Wenn mir Gründer nicht sympathisch waren, habe ich auch nie investiert. Und es muss eine klare Lea­derin oder einen klaren Leader geben. In ein Team von drei Technikern ohne Business- oder Marketingkompetenz investiere ich zum Beispiel nicht.

Gründer zu finanzieren, bringt sicher mehr emotionale Rendite, als ein Zinshaus zu besitzen. Wie hoch ist die bei
Ihnen?

Hansmann: Mit jungen Menschen Energie und Spaß zu haben, hält mich fit und wach. Ich bin ja nicht mehr der Jüngste. Meine emotionale Rendite ist daher richtig hoch. In Start-ups zu investieren, ist auch nur etwas für Geduldige. Da muss man in Zyklen von sieben bis zehn Jahren denken.


Zur Person

Hansi Hansmann , geb. 1951, landete nach dem WU-Studium eigentlich ungeplant in der Pharmabranche, war dort sehr erfolgreich, u. a. mit einem Management-Buy-out in Spanien. Seine Investmentexpertise ist sehr gefragt, er präsidiert u. a. die AAIA. hansmengroup.com



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