„Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern eine Tatsache“

Weil die Inflation immer kräftiger an den Sparguthaben knabbert, gibt es einen Trend weg vom Sparbuch, sagt CHRISTOPH OBERERLACHER, CEO von Swiss Life Select Österreich. Immobilien und Nachhaltigkeit bleiben heiße Themen.

„Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern eine Tatsache“

TREND: Die Inflation steigt, die Sparzinsen bleiben niedrig: Was bedeutet das für Sparer?
CHRISTOPH OBERERLACHER: Eine solche Konstellation bedeutet einen realen Kaufkraftverlust, das Geld wird weniger. Ein großes Problem dabei ist, dass etwa die Hälfte der Bevölkerung weiß, was Inflation überhaupt bedeutet. Dabei ist die Rechnung ganz einfach: Wer 100.000 Euro auf einem Sparbuch liegen hat, verliert bei vier Prozent Inflation jedes Jahr 4.000 Euro an Kaufkraft. Noch dramatischer ist die Situation für Unternehmen, für die auf Einlagen ab 100.000 Euro Strafzinsen anfallen. Da ist das Minus dann noch größer.

Was kann ich dagegen tun, außer zu jammern?
Es gibt zwei Möglichkeiten: Sie schenken diese 4.000 Euro aus unserem Beispiel gleich Ihren Kindern, denn weg ist das Geld sonst am Ende des Jahres sowieso, wenn Sie nichts tun. Oder Sie lassen sich von uns beraten und wir entwickeln gemeinsam eine Strategie, wie wir Ihr Geld veranlagen, damit es nicht nur nicht an Wert verliert, sondern auch eine Rendite erwirtschaftet. Mit einem auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmten Portfolio aus Fonds, Anleihen, Aktien, ETFs und passenden Versicherungen ist das machbar.

Hat die Coronapandemie das Verhältnis der Österreicher zum Geld verändert?
Ja, es wird generell mehr Geld zur Seite gelegt, um für die Zukunft vorzusorgen. Und es gibt einen Trend weg vom Sparbuch, weil es eben praktisch keine Zinsen gibt und das auch noch eine Zeit lang so bleiben wird. Ich erwarte nicht, dass die Europäische Zentralbank sehr bald die Zinsen spürbar erhöht. Wir haben heuer sehr viele neue Kunden gewinnen könne, das zeigt, dass das Bewusstsein für eine sinnvolle Finanzberatung steigt.

Was sehen Sie für Trends an den Finanzmärkten?
Die Konstellation von niedrigen Zinsen und steigender Inflation macht Sachwerte weiter interessant. Schon 2021 hat man ja bei Immobilien und Rohstoffen deutliche Preissteigerungen gesehen, das dürfte sich in der Tendenz fortsetzen. Und Immobilien werden bei der Vorsorge für ein selbstbestimmtes Leben weiterhin eine große Rolle spielen.

Aber ist eine eigene Wohnung bei derart gestiegenen Preisen überhaupt noch leistbar?
Bei vielen unserer Beratungsgespräche geht es um den Erwerb einer Immobilie. Häufig sind das junge Paare oder Familien, die zur Miete wohnen, dort monatlich relativ viel zahlen und sich fragen, ob sich nicht doch eine Eigentumswohnung ausgeht. Mit denen machen wir dann gezielt eine Finanzplanung über mehrere Jahre, um sich diesen Wunsch zu erfüllen. Mit Kreditraten unter einem Prozent ist die Finanzierung ausgesprochen günstig und lässt sich mit einem langfristigen Fixzinskredit absichern.

Wird uns das Thema Nachhaltigkeit bleiben oder ist das nur eine Mode?
Nachhaltigkeit ist keine Mode, nicht einmal mehr ein Trend, sondern eine Tatsache. Wir haben das Thema in unserer Unternehmensstrategie fest verankert und legen einen starken Fokus auf nachhaltige Investments, also zum Beispiel die Einhaltung der ESG­Kriterien als Minimum­Anforderung. Bei unseren Neukunden spüren wir deutlich eine wachsende Nachfrage nach Geldanlagen in nachhaltigen Instrumenten.

Was sind die Ziele von Swiss Life Select in Österreich in den nächsten Jahren?
Wir haben uns für die kommenden drei Jahre sehr klare Ziele gesteckt: 200 zusätzliche Beraterinnen und Berater, 10.000 neue Kunden und weitere 500 Millionen Euro, die wir anlegen und verwalten. Und ich bin absolut zuversichtlich, dass wir das auch erreichen.

ZUR PERSON

CHRISTOPH OBERERLACHER ist CEO von Swiss Life Select Österreich. Der Osttiroler absolvierte eine technische Ausbildung, bevor er mit Studien an der Donau-Uni Krems und der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt seine Karriere als Finanzdienstleister startete.


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