Ken Fisher: Wenn Währungen schwanken

Haben Schwankungen bei den Währungskursen Auswirkungen auf Börsenkurse? Nein, meint Ken Fisher. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass Währungen die Aktienmärkte nicht antreiben.

Ken Fisher, US-Investmentberater und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

Ken Fisher, US-Investmentberater und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

Erinnern Sie sich an den vergangenen Herbst? Die Fachleute warnten, dass die Stärke des Euro gegenüber dem Dollar nichts Gutes für den Markt verheiße. Der darauf folgende Aktienanstieg bewies den mangelnden Weitblick der Währungsmärkte. Nach der Erholung des Dollars in Q1 2021 fürchten die Schwarzmaler nun, die Schwäche des Euro spiegele die holprige Impfstoffverteilung sowie eine neuerliche Rezession wider - und die könne das österreichische BIP-Wachstum im ersten Quartal überschatten. Sie meinten, dies würde verhindern, dass die Aktien hier wieder steigen. Humbug! Die Geschichte belegt, dass Währungsschwankungen weder die Richtung noch die Führerschaft eines Marktes vorhersagen. Die überraschende Dollarstärke im Jahr 2021 spiegelt lediglich eine unterschätzte Realität wider: den wundervollen Stillstand in Amerika.

Im November schrieb ich, dass der Stillstand die Wahl in den USA gewonnen hat. Währungen zeigen etwas anderes: Historisch steigt der Dollar, wenn sich die US-Parteien Senat und Repräsentantenhaus aufteilen und es zum traditionellen "Stillstand" kommt. Kontrolliert eine Partei beides, fällt üblicherweise der Dollar.

So folgten auf die Wahl von Jimmy Carter 1976 vier von den Demokraten bestimmte Jahre. Der Dollar fiel gegenüber den Weltwährungen um 8,9 Prozent. 1980 gewannen die Republikaner die Präsidentschaft und den Senat, nicht aber das Repräsentantenhaus. Stillstand! Der Dollar stieg 1981 um 12,3 Prozent gegenüber den Weltwährungen, im Vergleich zum (damaligen) Schilling sogar um 13,3 Prozent.

Der Preis der Information

Bis zur Wahl 1984 stieg der Dollar gegenüber den Weltwährungen um kräftige 39,1 Prozent - und löste damit die internationale Währungsintervention aus. Dieser langfristige Trend lässt sich gut durch leicht zugängliche Daten beobachten. Märkte preisen derartige Informationen extrem schnell ein und gewähren kaum Wissensvorsprung. Was also entgeht den Datenjüngern?

Heute fürchten sie, ein seltener Dollaranstieg während einer geeinten US-Regentschaft könnte bedeuten, dass der Währungsmarkt Negativentwicklungen sieht, die den Aktien entgehen. Wenn es nicht die erneute Rezession in Europa ist, dann sind es die Steuerpläne von Joe Biden oder die EZB, die es vermasseln. Oder, oder, oder! Aber die Realität ist einfacher.


In liquiden Märkten ist kein Vermögenswert 'klüger'.

Im Q1 realisierten die Märkte, dass der nur hauchdünne Vorsprung im Kongress und die innerparteilichen Streitereien den Stillstand trotz der "Kontrolle" der Demokraten festigten. Ja, durch die Spekulationen, dass Biden enorme Steuererhöhungen und Ausgaben von 3,3 Billionen Euro im Kongress durchdrücken könnte, hat die Dollarstärke nachgelassen. Oder auch nicht. Durch Pensionierungen und Todesfälle schwand der Vorsprung der Demokraten im Repräsentantenhaus auf nur noch acht Sitze. Nun rückt die Neueinteilung der Wahlkreise ins Blickfeld und verhindert vor den Kongresswahlen 2022 jegliche kontroversen Gesetze.

Währungsschwankungen zeigen nichts, was Aktien entgehen würde. In vergleichbar liquiden Märkten ist kein Vermögenswert "klüger". Aktienanleger sehen die gleichen Berichte, Daten und Gerüchte wie die Devisenhändler - zur gleichen Zeit. Oft sind es dieselben Leute! Die Geschichte zeigt, dass Währungsschwankungen die Aktien nicht antreiben, selbst wenn Einbrüche und Anstiege des Euro österreichische Auslandsrenditen erhöhen bzw. verringern.

Aktienanleger preisen alles ein

Der Euro stieg 2020 gegenüber den Dollar um neun Prozent. Der ATX hingegen fiel um 10,8 Prozent, ganz konträr zum US-Wachstum von 10,8 Prozent. In der Eurozone fielen die Aktien um ein Prozent. In den letzten 20 Jahren lag die Korrelation zwischen den Bewegungen des Euro zum Dollar und der relativen Aktienentwicklung in Europa gegenüber den USA gerade einmal bei -0,13. Also kein Grund, zu handeln.

Warum treiben Währungen den Aktienmarkt nicht an? Unter anderem, weil nur wenige Unternehmen ihre Produkte in nur einem Land herstellen, einkaufen oder verkaufen. Meist importieren sie Rohstoffe, Maschinen und Komponenten, betreiben ausländische Gesellschaften und verkaufen ihre Produkte ins Ausland. Kosten und Zahlungseingänge in fremden Währungen gleichen die Wirkung aus.

Internationale Großkonzerne verstehen zudem die potenziellen Währungseinflüsse und schützen sich davor. Aktienanleger preisen alles ein, immer! Die jüngsten Währungssorgen spiegeln eine Stimmung wider, aber keine Fundamentaldaten. Sie bieten - während sich der Optimismus ausbreitet - dem Bullenmarkt ein weiteres Stück der sogenannten "Wall of Worry" zum Hochklettern.



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