Ken Fisher: Investieren und Anlegen? Think global!

Gastkommentar von Ken Fisher: Anleger sollten einen weiten Fokus haben, denn kein Land und kein Sektor führen bei der Börsenentwicklung dauerhaft.

Ken Fisher, US-Investmentberater und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

Ken Fisher, US-Investmentberater und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

Das Hoch der Technologiewerte ist vorbei! Zumindest wird dies behauptet. Jetzt heißt es, Impfungen, Lockdown-Ende und steigende Zinsen hätten die Dominanz dieses Sektors während der Pandemie beendet -für technologielastige Anleger oder Länder eine schlechte Nachricht, aber ein Segen für heiße Value-Rückzugsorte wie Österreich.

Mag sein, jedenfalls lässt sich aus den Schwankungen etwas Bleibendes lernen: Die Veranlagung in nur einem Land oder nur einer Region, egal, ob klein oder groß, bringt riskante verborgene Sektorentscheidungen mit sich. Was kann man dagegen tun?

Technologiesektor als Triebfeder

Während der vergangenen zehn Jahre stiegen die US-Aktienmärkte um 337 Prozent, dreimal so stark wie im Rest der Industrieländer mit 101 Prozent. Warum? Der Technologiesektor, Amerikas größter Wirtschaftszweig, wuchs um 689 Prozent. Mehrere große technologienahe Aktien anderer Branchen wie etwa Facebook und Amazon belebten zusätzlich die US-Renditen.

Dadurch erhält das Benchmarking mit breit gestreuten US-Indizes wie dem S&P 500 oft unbemerkt einen Technologie-Überhang. Techs und technologienahe Aktien machen in den USA 33 Prozent der Marktkapitalisierung aus, weltweit nur 26 Prozent. Außerhalb der USA ist der Technologiesektor nur der sechstgrößte unter elf Sektoren.

Der Tech-Anteil am österreichischen Markt beträgt gerade einmal zwei Prozent, in Europa zehn Prozent. Diejenigen, die den S&P 500 für das Abbild einer Volkswirtschaft halten, kaufen unwissentlich einen verzerrten, technologielastigen Aktienmix. Das ist mal gut, mal schlecht.

Sektorverzerrung und Renditen

Die Sektorverzerrung wirkt sich global auf die Renditen aus. Während die Finanzwerte in ihrem Markt 31 Prozent ausmachen, sind es weltweit nur 14 Prozent. Die Bankenlastigkeit befeuerte den jüngsten ATX-Anstieg. In Deutschland dominieren Nicht-Basiskonsumgüter und Industriewerte mit 37 Prozent Marktkapitalisierung. Im Vergleich dazu der Weltmarkt: 23 Prozent.

Die Automobilbranche allein liegt bei 13 Prozent und lässt den globalen Anteil von drei Prozent winzig aussehen. Die Niederlande sind mit 47 Prozent Technologieanteil ein Ausreißer in Europa. In Japan machen Industriewerte und Nicht-Basiskonsumgüter 39 Prozent aus, während Großbritannien von Finanzwerten und Basiskonsumgütern getrieben wird. Diese Länder und ihre Indizes steigen und fallen üblicherweise parallel zu den Branchentrends.

Trotz des Rückstands im November begünstigte der Rückenwind im März und April Technologie- und andere große Wachstumsaktien. Aber so wird es nicht weitergehen. Die Sektorführung wechselt oft drastisch. Betrachten wir die US-Renditen von 1990 bis 2020. Mal lagen die Technologiewerte vorn, Energie führte zunächst und fiel dann weit zurück, während die Versorgungsunternehmen aufholten. Kein Sektor -und somit auch kein Land - führt dauerhaft.

Heiße Sektoren

Warum? Wegen Angebot und Nachfrage. Die heißen Sektoren ködern Anleger, Investmentbanker drängen auf sektorspezifische Börsengänge. 2021 belegt dies durch den technologiegeführten IPO-Boom. Während das Angebot steigt, um die Nachfrage zu erfüllen - und zu übersteigen -, gerät die Führung ins Straucheln.

Die Renditen können jahrelang schwächeln oder heftig einbrechen wie in den späten 1990ern, als ein Überangebot neuer Tech-Aktien die Nachfrage erdrückte und der Tech-Boom kollabierte. Angebotsschwankungen sind ein wichtiger Markttreiber, der sicherstellt, dass kein Sektor ausschließlich führt oder hinterherhinkt.

Wenn Branchen oder Sektoren straucheln, suchen viele woanders - ein Spiel ohne Sieger. Daher ist es essenziell, eine globale Benchmark wie den MSCI World Index heranzuziehen. Sie rückt die Kategorien wieder zurecht und beschränkt den Einfluss eines einzelnen Bereichs.

In Märkten wie Österreich, in denen ein oder zwei Branchen dominieren, ist das ausschlaggebend. Das dämpft die Hitzeschlacht und den Verkaufsdrang nach Rückgängen und eingepreisten trüben Erwartungen genau dann, wenn die Anleger eigentlich kaufen sollten.

Während der ATX durch die jüngste Stärke der Value-Aktien in die Höhe geschossen ist, können hochkonzentrierte Portfolios Gewinne schnell wieder abgeben, wenn sich die Nachfrage zwischen den Sektoren verschiebt. Mit einer globalen Ausrichtung können Sie viel wirkungsvoller diversifizieren und das Risiko managen, während Sie gleichzeitig die Rendite mitnehmen. Denken Sie daran: Es ist eine große, schöne Investitionswelt. Denken Sie global. Immer!



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