Geldanlage für Frauen: Raus aus den finanziellen Fallen

Noch ist Geldanlage männlich. Doch immer mehr Frauen wollen ihre Finanzen trotz Doppelbelastung durch Beruf und Haushalt selbst in die Hand nehmen. Oft muss dabei auch mangelndes Selbstvertrauen überwunden werden.

Geldanlage für Frauen: Raus aus den finanziellen Fallen

Über Geld spricht man nicht – dieses ungeschriebene Gesetz hat immer noch Gültigkeit. Und wenn man doch spricht, dann redet Mann. Das klingt zwar wahnsinnig traditionell und gestrig, ist aber beim Thema Finanzen oft noch Realität. „Auch wenn das absolut nicht mehr zeitgemäß ist: In den meisten Partnerschaften kümmert sich der Mann um das Finanzielle“, weiß auch Clarissa Schuster, Vertriebsleiterin beim Finanzdienstleister Swiss Life Select.

Dabei hätten viele Frauen allen Grund, sich mit Geldanlage und Vorsorge zu beschäftigen. Sie bleiben wegen der Kinderbetreuung einige Jahre zuhause, arbeiten überdurchschnittlich oft in Teilzeit, viele sind in Branchen beschäftigt, die nicht gerade für üppige Gagen ­bekannt sind – all das drückt auf die ­spätere Pension. Laut einer OECD-Studie liegt der Pension von Frauen über 65 Jahren in Österreich durchschnittlich fast 40 Prozent niedriger als bei Männern – ein kräftiger Abschlag. Wenn die erste Pensionszahlung aufs Konto kommt, ist der Schreck daher oft groß. „Um trotzdem in späteren Jahren selbstbestimmt zu leben, sind für viele Frauen finanzielle Absicherung und Vorsorge absolut notwendig“, so Schuster (siehe auch Interview).

Fehlende Absicherung

Doch genau daran hapert es. Aber woran liegt das? „Aufgrund der Doppelbelastung durch Beruf und Familie haben viele Frauen wenig Zeit, sich mit finanziellen Angelegenheiten zu beschäftigen“, weiß Clarissa Schuster. Doch sich bei einer Scheidungsrate von 40 Prozent auf den Partner zu verlassen, ist ein riskantes Manöver. Zudem leben viele Paare zusammen, ohne verheiratet zu sein. Das ist auch nicht notwendig und gesellschaftlich längst akzeptiert – kann aber im Fall einer Trennung böse Folgen für eine weniger verdienende Partnerin haben. Finanzberaterinnen drängen daher zu einem Partnerschaftsvertrag, der finanzielle Belange für den Fall einer Trennung oder auch den Tod eines Partners regelt. Gerade in Patchworkbeziehungen ist das ein zentrales Thema.

Was die Beschäftigung mit Geldanlage auch nicht gerade einfacher macht: Steigende Kurse an den Börsen, Fonds mit Superperformance, kostengünstige ETFs – alles das klingt zwar vielversprechend und nach Wallstreet, aber gleichzeitig auch wahnsinnig kompliziert.

Doch der Trend dreht. Leicht verständliche Finanzratgeber für Frauen drängen in die Regale des Buchhandels, immer mehr Plattformen und Blogs zum Thema Frauen und Finanzen entstehen. Sie alle verkünden eine Botschaft: Frau, kümmere dich um deine Geldanlage. Denn finanzielle Unabhängigkeit ist die Basis für ein sorgenfreies, selbstbestimmtes Leben. Umfragen bestätigen das. Auf die Frage, was sie sich selbst bezüglich Geldthemen raten würden, wären sie noch jünger, antworteten 54 Prozent: sich bloß nicht von anderen finanziell abhängig zu machen. Knapp die Hälfte warnen davor, finanzielle Entscheidungen von der Liebe abhängig zu machen – nicht sehr romantisch, aber dafür lebensnah.

Mangel an Selbstbewusstsein

Sonja Ebhart-Pfeiffer, Verband Financial Planners

Sonja Ebhart-Pfeiffer: "Mangelndes Selbstvertrauen und fehlendes Wissen sind die großen Hürden bei der Veranlagung."

Die schwierigste Hürde beim Thema Veranlagung und Vorsorge ist wie bei vielen Dingen der erste Schritt. Die vielen Ratgeberinnen wollen daher vor allem ermutigen. Ermutigen, sich mit dem Thema Finanzen zu beschäftigen, sich zu informieren, um dann auch wirklich ins Handeln zu kommen. „Fehlendes Selbstbewusstsein und fehlendes Wissen halten Frauen oft davon ab, das Heft in die Hand zu nehmen“, betont auch Sonja Ebhart-Pfeiffer, Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbandes Financial Planners.

Viele Berater bestätigen das aus der Praxis: Männer überschätzen sich meistens in Bezug auf ihre Finanzkenntnisse, Frauen sind selbstkritischer und voller Zweifel. Dabei sieht die Realität oft anders aus: Unter den zehn Topberatern von Swiss Life Select sind sieben weiblich – und das in der immer noch männerdominierten Branche.

Clarissa Schuster hat das selber erfahren: Bei ihrer Ausbildung zur zertifizierten Finanzberaterin war sie mit einer Kollegin zu zweit unter 45 Männern. Sie möchte Frauen deshalb ermutigen, sich nicht nur mit Geldveranlagung zu beschäftigen, sondern die Finanzberatung auch selber als möglichen Beruf in Betracht zu ziehen.

Emotionen treiben Börsen

Gier und Angst treiben die Börsen – die Männer gierig mit hoher Risikobereitschaft, Frauen tendenziell vorsichtiger. Bei ihnen steht Sicherheit im Vordergrund, weshalb sie eher zu Versicherungsprodukten greifen. Allerdings: Nur vom Sparen alleine wird angesichts der Minizinsen niemand mehr reich, es muss zu anderen Anlageformen gegriffen werden. Doch dafür ist Wissen notwendig – und der Mut, zu handeln.

Zertifizierte Beraterinnen wie Clarissa Schuster gehen die Dinge deshalb auch behutsam an. Die finanziellen Verhältnisse und Möglichkeiten werden ebenso abgeklopft wie Anlageziel, Zeithorizont und Risikobereitschaft. Erst auf dieser Basis wird ein konkreter Anlageplan erstellt. Dabei zeigen sich viele – nicht nur Frauen – von der Vielfalt der Veranlagungsmöglichkeiten überrascht. Der Einstieg in die Finanzwelt erfolgt meist über einen Sparplan, über den monatliche Beträge schon ab 50 Euro eingezahlt werden. Dabei gilt der Grundsatz: Je früher man anfängt, desto besser.


INTERVIEW

„Frauen ist bei der Geldanlage Sicherheit wichtig“

Clarissa Schuster, Head of Sales bei Swiss Life Select

Clarissa Schuster, Head of Sales bei Swiss Life Select

Financial Planning ist Lebensberatung, sagt Clarissa Schuster. Die Vertriebschefin von Swiss Life Select über weibliche Pensionslücken und männliche Dominanz bei Finanzthemen – und was frau dagegen tun kann.

trend: Warum interessieren sich Frauen weniger für Geldanlage als Männer?
Clarissa Schuster: Aufgrund der Doppelbelastung von Beruf und Familie haben viele Frauen weniger Zeit, sich mit finanziellen Angelegenheiten zu beschäftigen. Und oft heißt es, auch wenn das nicht mehr zeitgemäß ist, der Mann kümmert sich um das Finanzielle. Wenn sich Frauen dann doch aktiv Zeit nehmen und sich informieren, sind sie durchaus selbstbewusst bei der Geldanlage. Und das ist ja extrem wichtig. Denn wegen Kinderbetreuungszeiten und Teilzeitarbeit bekommen Frauen häufig sehr niedrige ­Pensionen. Um trotzdem in späteren Jahren selbstbestimmt zu leben, sind finanzielle Absicherung und Vorsorge absolut notwendig.

Gibt es Unterschiede im Anlageverhalten der Geschlechter?
Frauen sind meistens sicherheitsorientierter, wollen weniger Risiko eingehen. Deshalb bevorzugen sie Versicherungsprodukte oder Finanzprodukte mit Versicherungsmantel. Oft steht die Absicherung der Familie bei der Veranlagung im Mittelpunkt.

Lohnt sich Geldanlage angesichts der Minizinsen überhaupt noch? Oder ist es gescheiter, das Geld auszugeben?
Gerade jetzt, in der Phase niedriger Zinsen, in der das Geld auf dem Sparbuch wegen der Inflation weniger wird, ist es notwendig, sich mit Veranlagung zu beschäftigen. Wir schauen dann gemeinsam und individuell mit unseren Kundinnen, wie die finanziellen Möglichkeiten sind, welche Bedürfnisse und Ziele es gibt und mit welcher Veranlagung diese zu erreichen sind. Da kommt uns als ungebundenem Finanzberater eine wichtige Rolle zu. Wir können aus dem gesamten Markt das jeweils passende Produkte aussuchen, weil wir nicht an einer bestimmten Bank oder Fondsgesellschaft hängen, sondern wirklich ungebunden agieren können.

Ist Geldanlage nur etwas für Reiche?
Nein! Es ist ein großer Irrglaube, dass man Geld haben muss, um Geld zu veranlagen. Schon mit kleinen Beträgen wie 50 Euro monatlich ist es möglich, mit Sparplänen ein kleines Vermögen aufzubauen. Das Wichtigste ist, mal damit zu starten. Je früher, desto besser.

Gibt es spezielle Phasen für die Geldanlage?
Financial Planning ist Lebensberatung, und zwar von der Geburt bis zum Tod. Und eigentlich noch darüber hinaus, wenn man an das Vererben denkt. In der ersten Phase der Finanzplanung steht die Absicherung der Familie und der Kinder im Fokus, dann geht es um den Vermögensaufbau, um Vorsorge und oft auch um den Erwerb einer Immobilie. Und in der dritten Phase geht es dann sehr stark um die Vermögensweitergabe – ein Thema, mit dem sich die Österreicher viel zu wenig beschäftigen. Aber auch dabei können wir unterstützen.


Zur Person

Clarissa Schuster ist Head of Sales und Prokuristin bei Swiss Life Select. Sie leitet den Vertrieb in Österreich mit knapp 300 Beraterinnen und Beratern. Sie hat Wirtschaft studiert und ist seit 19 Jahren in der Finanzbranche, sieben Jahre davon als Beraterin. Bei Swiss Life Select ist die Burgenländerin unter anderem für die interne Ausbildungsakademie und die Weiterbildung zuständig.

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