Finanzvorsätze 2021: Die besten Tipps für die eigenen Finanzen

Der Österreichische Verband Financial Planners, der sich seit 20 Jahren für Finanzbildung und hohe Standards in der Finanzberatung einsetzen, rät Konsumenten zu vier Neujahrsvorsätze, um sich für 2021 in Geld-Angelegenheiten zu rüsten.

Finanzvorsätze 2021: Die besten Tipps für die eigenen Finanzen

Die eigenen Finanzen zum die Jahreswende auf den Prüfstand stellen, kann gerade nach diesem Annus Horribilis nicht schaden.

Alle Jahre wieder: Wie Lebkuchen zur Adventszeit gehören und der Christbaum zum Heiligabend, stellen Koryphäen aus den Bereichen der Volks- und Finanzwirtschaft rund um den Jahreswechsel ihre Zukunftsprognosen für die kommenden Monate liefern. Auch ein guter Anlass, gerade in diesen turbulenten Zeiten, sich mit den eigenen Finanzen auseinander zu setzen, wie der Österreichische Verband Financial Planners, der sich seit 20 Jahren für Finanzbildung und hohen Standards in der Finanzberatung einsetzen, findet. In diesem Sinne haben Petra Witzmann und Guido Küsters, beide Vorstandsmitglieder des Verbandes, vier Neujahrsvorsätze zusammengefasst, mithilfe derer Konsumenten sich in Geld-Angelegenheiten rüsten.


Finanziellen Tatsachen ins Auge sehen - Einnahmen und Ausgaben gegenüber stellen

Unabhängig davon, ob man sich derzeit in wirtschaftlicher Sicherheit wiegt oder nicht, empfiehlt es sich, das Jahresende zum Anlass zu nehmen, um eine Übersicht über das eigene Vermögen zu gewinnen. „Gerade in Krisen-Zeiten zeigt es sich, wie es um die eigenen Finanzen wirklich bestellt ist“, sagt Witzmann, die neben ihrer ehrenamtlichen Funktion im Vorstand des Verbandes als Leiterin Private Banking der Waldviertler Sparkasse Bank AG tätig ist. Im ersten Schritt lohnt es sich immer, Einnahmen und Ausgaben gegenüberzustellen, um herauszufinden, wo man im nächsten Jahr den Sparstift ansetzen könnte. „Oftmals laufen Abos ungenutzt weiter, ohne dass man sich dessen bewusst ist. Aktuell könnte beispielsweise geprüft werden, ob Mitgliedschaften in Sportinstituten stillgelegt werden können“, so die Expertin. Sie rät, sich folgende Fragen selbst schriftlich zu beantworten: Welchen Einfluss hat die Pandemie auf mein Einkommen? Mit welchen Zahlungseingängen kann gerechnet werden und welche fallen wahrscheinlich aus? Wie viel mehr/weniger habe ich zur Verfügung als im Vorjahr? Welche Ausgaben lassen sich kurzfristig reduzieren oder verschieben?


Altbewährtes auf den Prüfstand stellen - Kredit- und Veranlagungscheck

Neben einem Check der eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit lohnt es sich auch, langjährige Vereinbarungen auf den Prüfstand zu stellen und eventuell bessere Möglichkeiten auszuloten. So beispielsweise bei Kreditvereinbarungen, rät Witzmann: „Es ist ratsam, jetzt die Höhe des Zinssatzes für bestehende Kreditvereinbarungen, wie Wohnung oder Haus, und die vereinbarten Konditionen zu kontrollieren. Aktuell sind die Zinssätze so günstig wie noch nie, und wer jetzt einen Fixzinssatz für einen längeren Zeitraum, wie fünf oder zehn Jahre, neu festlegt, profitiert. Idealerweise passiert dies bei der Bank, die den Kredit zur Verfügung stellt, und eine Zusatzvereinbarung diesbezüglich ist meist gratis oder nur mit geringen Mehrkosten verbunden.“ Ist dies nicht möglich oder attraktiv, kann eine Umschuldung zu einem anderen Institut in Betracht gezogen werden, da sich die Kosten für eine neue Kreditvereinbarung durch die Ersparnis beim günstigeren Zinssatz meist schon im ersten Jahr rechnen.

Vorstandsmitglied Guido Küsters, der als selbstständiger Finanzplaner vermögende Kunden in Deutschland und Österreich betreut, ist der Meinung, dass nun auch die richtige Zeit für einen Veranlagungscheck sei: „Viele Konsumenten machen sich Gedanken über ihre Möglichkeiten, sollten plötzlich unerwartete große Ausgaben anfallen. In diesem Fall lohnt es sich, kurzfristige Entnahmemöglichkeiten zu prüfen, indem Positionen in der persönlichen Bilanz identifiziert werden, die im Falle des Falles rasch versilbert werden können.“ Ähnlich bedeutsam ist es, die eigenen Nachlasspläne in Ordnung zu bringen und diese den Begünstigten und Verwaltern klar zu kommunizieren. „Die aktuelle Krise hat bei vielen Personen dazu geführt, die Bestimmungen in ihren Testamenten neu zu überdenken. Die Pläne wurden teilweise vor Jahrzehnten ausgearbeitet und die Umstände haben sich seitdem geändert. Je komplexer die Konstellation, desto höher der Beratungsbedarf“, sagt Küsters und spielt dabei auch auf Patchwork-Familien an.


Sich selbst der Nächste sein - Für 1.000 Euro Zusatzpension braucht es eine Million

„Die Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“ – selten war der Aphorismus des Philosophen Arthur Schopenhauer so zutreffend wie im zurückliegenden Jahr. Finanzplanung bedeutet Lebensplanung und in diesem Sinne fällt darunter auch die Gesundheitsvorsorge. „Das ist ein wichtiges Zukunftsthema. Die Kosten im Gesundheitswesen steigen rapide und gleichzeitig wird durch den demografischen Wandel bzw. die Alterung der Gesellschaft intensivere ärztliche Versorgung benötigt. Seit Beginn der Pandemie beobachten wir beim Verband steigende Nachfrage zu diesem Thema“, berichtet Küsters. Beratung sei auch in diesem Fall mehr als empfehlenswert, unter anderem da zumeist gesonderter Bedarf für Absicherung besteht, durch chronische Erkrankungen in der Familie oder aufgrund von berufsspezifischen Gesundheitsrisiken.

Vor diesem Hintergrund gilt es auch, den eigenen Lebensabend im Auge zu behalten. Konsumenten betonen in den meisten Umfragen, vor allem ein finanzielles Lebensziel zu haben – im Alter keine allzu großen Abstriche zu machen. Das ist laut Finanzplanerin Witzmann allerdings alles andere als leicht: „Um monatlich 1.000 Euro zusätzlich zur staatlichen Pension zur Verfügung zu haben, gilt es zuvor, ein Vermögen von rund einer halben Million aufzubauen. Auch wenn es sich hier um eine grobe Faustregel handelt, sollte die Höhe dieses Betrages jungen Menschen ein Anreiz sein, besser früher als später vorzusorgen. Menschen ab 50 hingegen sollten überlegen, das Risiko für einen entsprechenden Teil ihres Vermögens eher zurückzufahren.“


Nicht Mr./Mrs. Market spielen

Der Wirtschaftswissenschaftler Benjamin Graham prägte den Begriff von Mr. Market. Es handelt sich um den Otto-Normal-Anleger, der anfällig ist für Panik, Euphorie und Apathie. Das sind Affekte, denen man in der Welt der Kapitalanlage immer wieder begegnet. Mr. bzw. Mrs. Market trifft Entscheidungen auf der Grundlage von Emotionen und täglichen Kursschwankungen, vergisst aber das große Ganze. Hierzu gibt es bereits mehrere wissenschaftliche Studien. So belegt beispielsweise die Prospect Theory von Kahnemann und Tversky, dass Menschen in Unsicherheitssituationen nicht rational agieren, sondern beispielsweise mögliche Verluste stärker gewichten als potentielle Gewinne. „Es ist normal, dass man selbst immer einen anderen Bezug zum eigenen hart ersparten Geld hat. Aber genau aus diesem Grund ist es wichtig, einen externen, neutralen Berater hinzuzuziehen. Scheuen Sie sich nicht, über Geld zu sprechen. Das ist der erste Schritt in die richtige Richtung“, ist Witzmann überzeugt. Die Auswahl des Beraters sollte keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. Neben Fachwissen, Objektivität und Integrität sind es dabei Zusatzausbildungen und Zertifizierungen – wie etwa jene zum Certified Financial Planner, kurz CFP® – die einen kompetenten Berater auszeichnen, dem Konsumenten ihr Vertrauen schenken können.

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